Autokrise
Toyota: Sumoringer auf Radikaldiät

Der Absatzeinbruch auf dem US-Automarkt trifft Toyota hart. Der Branchenprimus tritt nun heftig auf die Kostenbremse – und gibt seine Pläne für die Produktion des Hybrid-Autos "Prius" in den USA auf. Daneben versetzt Toyota die Stahlbranche in Aufruhr. Der Autobauer will um bis zu 30 Prozent niedrigere Preise durchsetzen. Sumo-Ringer Toyota hat sich auf Diät gesetzt.

HB DETROIT. Der weltgrößte Autohersteller Toyota verschiebt in den USA die Fertigstellung eines Werks zum Bau des umweltfreundlicheren Hybrid-Modells "Prius". Der End-Ausbau des Werks in Tupelo im Bundesstaat Mississippi werde angesichts des Abschwungs auf den US-Automärkten auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, teilte der Konzern mit. Ursprünglich sollte dort ab 2010 der Prius mit Hybrid-Antrieb vom Band rollen. Das Werk in Mississippi wäre das achte von Toyota in Nordamerika.

Toyota hatte entsprechende Pläne für das Werk 2007 genehmigt – seinerzeit boomte der US-Automobilmarkt und ausländische Hersteller bemühten sich um einen zügigen Ausbau ihrer Fertigung vor Ort. Inzwischen fordert die Rezession und der Einbruch der Verkäufe selbst gesündere Unternehmen zu einem Rückzug.

Das Werk ist bereits zu 90 Prozent fertig gestellt, 300 Mio. Dollar wurden bereits investiert. Zunächst sollte in Tupelo das SUV-Modell Highlander gefertigt werden. Aufgrund des Absatzrückgangs bei großen Fahrzeugen verschob Toyota den Produktionsbeginn zunächst von Ende 2009 auf Mai 2010. Schließlich änderte sie ihren Plan und entschied sich für den Bau des Prius, für den ein Nachfrageüberhang besteht.

Nach Angaben des Konzerns soll das Gebäude Werk nun zwar zu Ende gebaut werden, es würden aber keine Produktionsanlagen installiert. Toyota hat – wie nahezu alle anderen Autohersteller auch – mit weltweit sinkender Nachfrage zu kämpfen. Im November hatte das Unternehmen seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Bei Hybrid-Antrieben werden Kraftstoff- und Elektromotoren kombiniert, was unter dem Strich zu einem relativ geringem Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß führt. Der Prius dürfte somit nun weiterhin ausschließlich in Japan gebaut werden.

Der Markt habe Toyota ebenso getroffen wie die so genannten Big Three (Chrysler, Ford, General Motors), sagte Rebecca Lindland, Analystin bei der Researchfirma IHS Global Insight. Toyota verzeichnete im November einen Einbruch des US-Fahrzeugabsatzes um 34 Prozent. Bereits am Freitag hatte Wettbewerber Honda Motor Co eine weitere Produktionskürzung angekündigt - die vierte in diesem Jahr. Zusammen mit früher angekündigten Kürzungen reduziert Honda die Montage in Nordamerika per Ende März 2009 um insgesamt 175 000 Einheiten bzw um 12 Prozent gegenüber den Ursprungsplänen. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" entspricht dies der Jahresproduktion eines Werks. Dies sei ein überraschend umfangreicher Abbau für eine Gesellschaft, die im bisherigen Jahresverlauf noch Rekordverkaufszahlen gemeldet habe.

Und so ist das Prius-Werk nicht das einzige Projekt, bei dem Toyota auf die Kostenbremse tritt. Wie japanische Medien unter Berufung auf informierte Kreise berichteten, hat der Branchenprimus ein gemeinsames Projekt mit dem heimischen Kleinwagenbauer Isuzu Motors zur Entwicklung eines Dieselmotors auf Eis gelegt. Die Motoren sollten ursprünglich in Kleinwagen für den europäischen Markt eingebaut werden.

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