Autokrise
Trügerischer Jubel über die Abwrackprämie

Einen Monat nach Einführung der Abwrackprämie sieht die Bilanz vieler Autohändler gut aus, Hersteller wie Opel jubeln. Einen regelrechten Stimmungsumschwung hat der Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) ausgemacht. Aber die Freude über die Abwrackprämie könnte nur von kurzer Dauer sein.

DÜSSELDORF. Es sah duster aus für die deutschen Autohändler, stockduster. Mehr als 25 000 Jobs seien durch die Autokrise in Gefahr, hatte der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) noch Ende vergangenen Jahres gewarnt. Doch dann kam die Abwrackprämie. Seitdem hat sich das Bild in den Verkaufsräumen und Showrooms deutscher Autohäuser offenbar grundlegend gewandelt. "Die Stimmmung hat sich gewandelt, es herrscht eine regelrechte Euphorie", sagt Helmut Blümer, Sprecher des ZDK. Unternehmer und Verkäufer seien wieder richtig motiviert. Und: "Liquidität ist wieder da."

Auf dem ersten Blick gibt es für die Begeisterung vieler Autohändler auch allen Grund: So sind seit Einführung der Abwrackprämie für ältere Autos laut ZDK mehr als 220 000 Kaufverträge unterschrieben worden. Und wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn mitteilt, sind bis dato auch bereits 104 840 Anträge auf die Umweltprämie von jeweils 2500 Euro pro Auto eingegangen. Damit ist bereits ein Sechstel der bereitgestellten Fördermittel vergeben. Experten rechnen deswegen fest damit, dass die Absatzprognosen für den Automarkt bald nach oben korrigiert werden.

Damit nicht genug. Befürchtungen etwa des Automobilfachmanns Professor Ferdinand Dudenhöffer, wonach die Prämie vor allem ausländischen Marken nutzen würde, bewahrheiten sich nur zum Teil. Dudenhöffer hatte in einem Kommentar in der Wirtschaftswoche geschrieben: "Nach meiner Einschätzung werden vielleicht ein Viertel der verkauften Neuwagen von deutschen Autobauern sein und drei Viertel von den Importeuren. Man kann also sagen, die Abwrackprämie ist ein Konjunkturprogramm für die Fabriken und Italien, Frankreich, Ost-Europa und Korea."

Nur: Zwar werden wie erwartet vor allem Kleinwagen und Sprit sparende Modelle geordnet - aber eben nicht nur von Importeuren. Ganz im Gegenteil. Nach Informationen von Handelsblatt.com stammen rund die Hälfte aller mit Hilfe der Abwrackprämie verkauften Autos von heimischen Herstellern - was freilich wiederum nicht heißen muss, dass diese auch in Deutschland produziert werden wie etwa VW Fox und Polo zeigen. Und dennoch: VW soll binnen einer Woche 38 000 Autos verkauft haben, auch jetzt, so gut informierte Kreise, fahre Volkswagen rund 8000 Aufträge am Tag ein. Zum Vergleich: Peugeot soll mit gut 24 000 verkauften Wagen von der Abwrackprämie profitiert haben, Opel immerhin noch mit 19 000, Skoda mit 20 000. Auch die Absatzzahlen der Premiumhersteller Daimler, BMW und Audi hätten zugelegt.

Kurzarbeit bei VW

Nun sagte auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass es im Moment gut aussehe es für VW im Vergleich zu anderen Autobauern. Der Volkswagen-Konzern profitiere massiv von der Abwrackprämie. "Wir haben einen Ansturm auf Fox und Polo, aber mittlerweile auch auf den Golf", sagte Osterloh. "Wir verzeichnen derzeit einen überaus erfreulichen Bestelleingang."

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