Autokrise
Über Chrysler ziehen düstere Wolken auf

Es ist der letzte Ausweg. Nach dem Scheitern des Rettungspakets blicken die angeschlagenen amerikanischen Autohersteller auf die US-Regierung. Doch Präsident Bush signalisiert jetzt zwar Bereitschaft, hat aber immer noch nichts entschieden. Und unmittelbar steht eine Entscheidung wohl auch nicht an. Für den Autokonzern Chrysler haben sich die Überlebenschancen drastisch verschlechtert.

ebe/HB NEW YORK. Die Chancen auf ein Überleben des drittgrößten US-Autokonzerns Chrysler sind rapide gesunken. Das US-Parlament hatte Ende vergangener Woche auch den zweiten Versuch der US-Regierung, ein Rettungspaket für die heimische Autohersteller zu schnüren, scheitern lassen. Und US-Präsident George Bush hat die Hoffnungen auf eine unmittelbar bevorstehende Entscheidung über staatliche Hilfen für die existenzbedrohte US-Automobilindustrie gedämpft.

„Wir sind noch nicht soweit, das jetzt anzukündigen“, sagte Bush vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine. Zugleich versicherte der scheidende Präsident, eine Entscheidung werde nicht sehr lange auf sich warten lassen. Bush deutete erneut seine grundsätzliche Bereitschaft an, Mittel aus dem Fonds zur Rettung des Bankensektors auch für die Autobranche einzusetzen. „Ich habe signalisiert, dass das eine Möglichkeit ist“, sagte der Präsident auf die Frage, ob er dazu tendiere, dem entsprechenden Drängen der Autoindustrie und der Demokraten nachzukommen.

Zwar sucht die Regierung nun nach einem letzten Ausweg, um eine unkontrollierte Konkurswelle in der US-Autobranche kurz vor Weihnachten zu verhindern. Dabei könnte der US-Marktführer General Motors (GM) allerdings der alleinige Profiteur von Staatshilfen sein. US-Medien schließen nicht mehr aus, dass die Politik Chrysler und seinen Mehrheitseigner Cerberus fallen lassen. Es gebe nur noch zwei Szenarien, schreibt das Magazin „Business Week“: „Chrysler meldet Insolvenz an oder wird in GM integriert.“ Das „Wall Street Journal“ berichtet unter Berufung auf Insider, es werde ein Plan diskutiert, wonach die Regierung etwa acht Mrd. Dollar aus dem Banken-Rettungsprogramm „Tarp“ abzweigen könnte. Die Summe liegt deutlich unter jenen 34 Mrd. Dollar, die GM, Ford und Chrysler zuletzt im Kongress eingefordert hatten.

Im Zuge der rasanten Umsatzeinbrüche gilt eine Konsolidierung der US-Autoindustrie als unausweichlich. Offenbar setzt sich in Washington die Ansicht durch, dass es bereits mühsam und teuer genug wird, die beiden schwer angeschlagenen Riesen GM und Ford durch die Krise zu bringen. Sie würden auf Sicht davon profitieren, wenn sie im Zuge einer Pleite von Chrysler künftig einen Rivalen weniger hätten. Zudem ist der Chrysler-Eigentümer Cerberus im Kongress unter Beschuss geraten. Zwar will der Finanzinvestor auf alle finanziellen Vorteile verzichten, die sich aus einer Staatshilfe ergeben können, wie Chrysler-Chef Robert Nardelli betonte. Der republikanische Senator Bob Corker warf jedoch die Frage auf, weshalb der Steuerzahler bei Chrysler einspringen soll, während sich Cerberus einer Finanzspritze für seinen Autokonzern verweigere. Als Nardelli keine passende Antwort parat hatte, sagte Corker: „Weil Chrysler auf Dauer nicht bestehen kann.“

Die acht Mrd. Dollar aus dem „Tarp“-Programm würden allenfalls ausreichen, um das Überleben von GM zu sichern, bis die neue Regierung von Barack Obama am 20. Januar 2009 vereidigt wird. Eine Lösung für die existenziellen Probleme der US-Autoindustrie wäre das nicht. Die drei großen Autobauer verbrennen derzeit mehrere Milliarden Dollar pro Monat, weil die Absätze dramatisch sinken und die Hersteller die Kosten nicht annähernd so schnell senken können. GM hat am Freitag in einem nie dagewesenen Einschnitt angekündigt, fast 20 amerikanische Fabriken vorübergehend zu schließen. Damit würde der US-Marktführer und viele Jahre lang weltgrößte Autohersteller im Auftaktquartal des nächsten Jahres 250 000 Fahrzeuge weniger produzieren als im gleichen Zeitraum 2008. Doch selbst mit derlei Radikalmaßnahmen bleibt es zweifelhaft, dass das Management einen Konkurs abwenden kann. Der Konzern hat seit 2005 rund 70 Mrd. Dollar verloren und sitzt auf Schulden von mehr als 60 Mrd. Dollar.

Etwas besser sieht es lediglich bei Ford aus: Der Konzern verbrennt zwar ebenfalls Milliardenbeträge; die Nummer zwei in Detroit hat aber noch Zugriff auf Fremdkapital, das sich Konzernchef Alan Mulally im Vorfeld der Kreditkrise sicherte.

Seite 1:

Über Chrysler ziehen düstere Wolken auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%