Autokrise
US-Autobauer: 25 Milliarden Dollar oder Exitus

Es geht für eine ganze Branche um alles: 25 Milliarden Dollar benötigen die angeschlagenen US-Autobauer "um die Liquiditätskrise zu überleben", wie der Vorstandschef von Chrysler sagte. Wenn das Geld nicht kommt, so die Konzerne vor dem US-Senat, dann könnten drei Millionen Menschen binnen eines Jahres ihre Job verlieren. Wenn nicht sogar noch mehr.

HB WASHINGTON/FRANKFURT/MAIN. Die Chefs der drei großen US- Autobauer haben mit Warnungen vor einem Kollaps der Autoindustrie ihrer Bitte um einen neuen Milliarden-Staatskredit Nachdruck verliehen. Ein neuer Kredit in Höhe von 25 Mrd. Dollar (20 Mrd Euro) sei nötig, „um die Liquiditätskrise zu überleben“, sagte Chrysler-Vorstandschef Robert Nardelli am Dienstag vor einem US- Senatsausschuss. „4,5 Mio. Menschen hängen von dieser Industrie ab. Ohne Unterstützung könnten fast drei Mio. von ihnen binnen zwölf Monaten ihren Job verlieren.“ Neben Nardelli sagten Ford-Chef Alan Mulally und der Vorstandsvorsitzende von General Motors, Rick Wagoner, aus. „Unsere Branche braucht eine Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor uns aufgetan hat“, erklärte General-Motors-Vorstandschef Rick Wagoner.

Wie ernst die Lage ist, zeigt der US-Autobauer Chrysler. Dieser steht nach eigenen Angaben vor dem Abgrund, falls er keine staatliche Finanzspritze erhält. Konzernchef Robert Nardelli erklärte vor dem Bankenausschuss des US-Senats, Chrysler habe pro Monat zwischen vier und fünf Mrd. Dollar an Kosten für Löhne und Gehälter, zur Bezahlung der Rechnungen von Zuliefern und anderes.

Die deutsche GM-Tochter Opel braucht laut einem Zeitungsbericht im „schlimmsten anzunehmenden Fall“ eine Bürgschaft über 1,8 Mrd. Euro. Dabei gehe es um 1,3 Mrd. Euro für das kommende Jahr und weitere 500 Mio. für 2010, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf Teilnehmer der Berliner Krisengespräche.

Opel plane zudem eine deutliche Volumenreduzierung in fast allen europäischen Werken. „Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut zehn Prozent nach unten“, sagte Opel-Geschäftsführer Hans Demant laut FAZ.

Die deutlich reduzierten Erwartungen würden Konsequenzen für Produktion und Beschäftigung haben. Denn statt 1,7 Mio. Autos dürfte Opel künftig nur noch um die 1,5 Mio. herstellen. Das räumte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein: „Diskutiert wird eine 30- Stunden-Woche in allen unseren europäischen Werken mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia anläuft.“

Der Europachef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Carl-Peter Forster hatte das erbetene Bürgschaftsvolumen am Montagabend auf „etwas mehr als eine Milliarde Euro“ beziffert. Opel betont, es gehe nur um eine Vorsorge für den Fall, dass nach einer Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter die Geldströme abreißen. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über die Gewährung einer Bürgschaft entscheiden.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) müssen die Führungskräfte der General-Motors-Tochter Adam Opel von sofort an auf größere Teile ihres Einkommens verzichten. GM-Europa- Chef Carl-Peter Forster habe für die kommenden 14 Monate konzernweit alle vertraglich zugesicherten Bonuszahlungen, Prämien und sonstigen Sondervergütungen gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Management-Ebenen an allen europäischen Standorten.

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