Autokrise
US-Autobauer: 34 Milliarden für ein Halleluja

Böses Erwachen für den US-Kongress: Da kommen die US-Autobauer für einen weiteren Bittgang nach Washington – nur um noch mehr Geld als vorher zu erflehen. General Motors, Ford und Chrysler haben Hilfen in Höhe von 34 Milliarden US-Dollar beantragt. Wobei Experten das Ende für Chrysler schon kommen sehen. Und: Auch für ausländische Autohersteller spitzt sich die Lage in den USA zu.

HB WASHINGTON/DÜSSELDORF. Jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Und das Blatt sieht nicht gut aus – weder für die drei um die Existenz ringenden US-Autobauer noch für den US-Kongress. Denn: Alle drei Big Ones aus Detroit benötigen nach eigenen Angaben staatliche Darlehen in Höhe von insgesamt rund 34 Milliarden Dollar. Um diese Summe loszueisen, präsentierten General Motors, Ford und Chrysler dem US-Kongress aber auch Sanierungspläne. Die Konzernchefs sind zum Beispiel bereit, für ein symbolisches Gehalt von einem Dollar pro Jahr zu arbeiten. Noch Ende November war das für den ein oder anderen Top-Manager vor dem Kongress undenkbar gewesen. Jetzt nicht mehr. Jetzt ist offenbar alles denkbar. Denn: Die Ankündigungen des größten US-Autoherstellers haben die Befürchtungen der Experten wohl noch übertroffen.

Am schlimmsten sieht es beim Marktführer General Motors aus: Insgesamt 18 Mrd. Dollar fordert der Konzern als Darlehen von der Regierung. Noch in diesem Monat sei umgehend ein erstes Darlehen in Höhe von vier Milliarden Dollar erforderlich, weitere acht Milliarden würden bis Ende März benötigt, teilte der Konzern mit. Sollte sich die Marktlage weiter verschlechtern, sei zusätzlich eine Kreditlinie von sechs Milliarden Dollar notwendig. Fritz Henderson, der bei General Motors (GM) für das operative Geschäft zuständig ist, kündigte zudem an, der Konzern werde elf Werke schließen und die Zahl der Händler um 2 000 reduzieren. Von den derzeit rund 100 000 Mitarbeitern sollen 2012 nur noch 65 000 bis 70 000 übrig sein; von den Marken sollen Pontiac eingestellt und die schwedische Tochter Saab verkauft werden; für Saturn werden Optionen gesucht.

Wie schlimm es tatsächlich um den größten Autobauer der Welt bestellt ist, machte Henderson vor dem US-Kongress deutlich. Man habe keinen Plan B, sagte er. Wenn der Konzern die vier Mrd. Dollar Soforthilfe nicht bekommt, könnte er bis Weihnachten Pleite sein, warnte ein GM-Manager. „Die ersten vier Milliarden sind entscheidend“, sagte auch Henderson.

Ford bat den Kongress um eine Absicherung in Höhe von neun Milliarden Dollar, erklärte aber zugleich, möglicherweise werde das Geld gar nicht gebraucht. Ford will 2011 wieder Gewinn machen oder zumindest den Break-even erreichen.

Die Cerberus-Tochter Chrysler teilte mit, ohne staatliche Hilfe drohe dem Unternehmen im ersten Quartal des kommenden Jahres die Insolvenz. Chrysler braucht nach eigenen Angaben bis Ende des Jahres einen Überbrückungskredit von sieben Mrd. Dollar, sonst reiche das Geld nicht zur Deckung der Kosten. Im ersten Quartal 2009 schätzt der Konzern die Ausgaben auf 11,6 Mrd. Dollar – allein acht Mrd. Dollar muss Chrysler an Zulieferer zahlen. Man suche weiter nach Partnerschaften und Kooperationen und erwarte von einer Allianz oder Fusion mit einem Konkurrenten Synergien von 3,5 bis neun Mrd. Dollar.

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