Autokrise
US-Autobauer: Letzte Ausfahrt Washington

Nein, mit Privatjets fliegen die Chefs der US-Autobauer dieses Mal nicht nach Washington, wo sie vor dem Kongress ihre letzte Chance auf das entscheidende Rettungspaket bekommen werden. Ford-Chef Mulally tuckert gar mit dem Auto von Detroit in die Hauptstadt. Im Gepäck: Pläne, die die Politiker überzeugen sollen. Über deren Inhalt gibt es reichlich Spekulationen.

NEW YORK. Für GM-Boss Rick Wagoner und seine Kollegen von Ford und Chrysler ist es die "finest hour", die größte Stunde. Nein, kein falsches Pathos, für die US-Autobauer geht es heute vor dem Kongress schlicht und ergreifend um alles - oder nichts. Die Autobauer stehen mit dem Rücken zur Wand. Es geht um Kredite in Höhe von 25 Milliarden Dollar – und die bekommen General Motors, Ford und Chrysler nur, wenn sie ihre Überlebensfähigkeit beweisen können.

Hauptkritikpunkt damals: Keine Garantie dafür, dass die jetzt zur Debatte stehende Finanzspritze auch die letzte sein würde. Geschäftspläne, Konzepte, Strategien wollten die Politiker hören. Es geht um Fakten, Fakten, Fakten, wie etwa Eric Noble, Präsident der Beratungsfirma Car Lab, der Nachrichtenagentur Bloomberg, sagte. Und daran haben die Drei aus Detroit bis heute, dem D-Day der amerikanischen Autoindustrie, gearbeitet.

Nicht noch einmal soll es so eine Schmach und Niederlage wie bei der ersten Kongressanhörung Ende November geben, als die GM-Boss Wagoner, Ford-Chef Allan Mulally und Robert Nardelli von Crysler regelrecht vorgeführt und demontiert worden waren. Deswegen wird es dieses Mal auch keine Bilder mehr von mit dem Privatjet in Washington einfliegenden Konzernchefs geben – die in Politik und Öffentlichkeit für Kopfschütteln und Unverständnis gesorgt hatten. Ford-Chef Mulally kündigte schon einmal an, mit einem Hybrid-Auto von Detroit in die gut 830 Kilometer entfernte Hauptstadt fahren zu wollen – laut Google-Maps eine Fahrt von gut neun Stunden. Auch sonst gibt sich Mulally vorbildlich: Im Falle einer Rettung des Unternehmens durch die Regierung kündigte er an, für einen symbolischen Dollar pro Jahr zu arbeiten. Management-Boni sind für das kommende Jahr bereits gestrichen. Auch bei GM bleiben die Privatjets dieses Mal auf dem heimischen Flugfeld zurück. Ansonsten hält man sich aber wie bei Chrysler auch mit Reisedetails lieber zurück.

Ähnlich sieht es bei den Plänen aus, die die Autobauer dem Kongress vorlegen wollen. Bei General Motors ist für amerikanische Experten allerdings wohl schon ausgemachte Sache, dass der Konzern wohl vor allem sein Markendickicht lichten dürfte – ob es am Ende noch GMC, Chevrolet, Pontiac, Buick, Saturn, Cadillac, Saab und Hummer geben wird, ist also mehr als fraglich. Vor allem Saab, Pontiac und Saturn haben nach Angaben von Experten wohl die schlechtesten Karten. Hummer steht ohnehin schon zum Verkauf. Kein großer Verlust, so Experten wie Jerome P.York, ehemaliges GM-Vorstandsmitglied, zu Bloomberg. Ferner dürfte GM wohl einen umfassenden Schudenabbau ankündigen.

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