Automarkt im Umbruch „Der Diesel verschwindet schneller, als wir glauben“

Die Deutschen kaufen wieder mehr Autos mit Benzinmotor. Auslöser sind die möglichen Fahrverbote für den Diesel. Auch in anderen Ländern geht es abwärts mit dem Selbstzünder. Die Branche schlägt Alarm.
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Ein VW Tiguan in der Nähe von Bonn: Mit dem Abgasskandal des Wolfsburger Konzerns hat alles angefangen, der Diesel ist längst nicht mehr so beliebt wie früher. Quelle: Reuters
Das Vertrauen in den Diesel schwindet

Ein VW Tiguan in der Nähe von Bonn: Mit dem Abgasskandal des Wolfsburger Konzerns hat alles angefangen, der Diesel ist längst nicht mehr so beliebt wie früher.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie anhaltende Diskussion über die Zukunft des Dieselmotors sorgt für sinkende Verkaufszahlen – besonders in Deutschland. Im März sind die Dieselverkäufe deutlich zurückgegangen, wie die vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) veröffentlichte Zulassungsstatistik belegt. Doch nicht nur in Deutschland geht das Vertrauen in den Diesel immer weiter zurück. Auch in anderen europäischen Ländern fallen die Verkaufszahlen. Für die Hersteller und die großen Automobilzulieferer wird das zum Problem.

Die Deutschen haben im März spürbar weniger Neuwagen mit Dieselmotor gekauft. Die Neuzulassungen mit dieser Antriebsvariante sind nach KBA-Angaben um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen. Der Dieselanteil lag damit nur noch bei 40,6 Prozent. Benziner verkauften sich deutlich besser als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Herbst 2015 lag der monatliche Dieselanteil bei allen Neuzulassungen noch bei rund 50 Prozent. Seit dem Bekanntwerden der Abgasaffäre bei Volkswagen geht es mit dem Selbstzünder in Deutschland jedoch kontinuierlich bergab.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Dieselanteil im Durchschnitt bei rund 45 Prozent eingependelt. Der März-Anteil von etwas mehr als 40 Prozent kommt einem regelrechten Einbruch gleich. „Dieses Ergebnis ist miserabel“, kommentiert Auto-Experte Arndt Ellinghorst vom Londoner Investmenthaus Evercore ISI die jüngsten Verkaufszahlen.

Der Grund für diesen starken Rückgang ist ziemlich offensichtlich. Viele Autokäufer treibt die Sorge um, dass sie mit einem Dieselauto künftig nicht mehr in die deutschen Innenstädte fahren können. Solange es keine attraktiven Elektromodelle gibt, steigen die Kunden auf den Benziner um. Das erklärt den kräftigen Verkaufsanstieg dieser Motorenvariante.

Zur Verunsicherung auf Seiten der Kunden hat insbesondere die Diskussion in Stuttgart beigetragen. Dort sollen von 2018 an Tagen mit hoher Feinstaub-Belastung Fahrbeschränkungen gelten. Dies wird Dieselfahrzeuge treffen, die die aktuell strengste Abgasnorm Euro 6 nicht erfüllen. Auch in anderen Großstädten drohen Fahrverbote. Diskussionen darüber gibt es etwa in Hamburg, München und Düsseldorf.

Die Gewinner und Verlierer am deutschen Automarkt
Verlierer: Volkswagen
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Der Marktführer zeigt auf seinem Heimatmarkt ungewohnte Schwächen. In den ersten drei Monaten sank der VW-Absatz in Deutschland um 4,3 Prozent – und das in einem wachsenden Markt. Mit 18,4 Prozent oder rund verkauften 155.000 Fahrzeugen beherrschen die Wolfsburger weiter den Markt, büßen aber Anteile ein.

Verlierer: Audi
2 von 10

Auch die Premiummarke aus dem VW-Konzern hat ein Problem. In den ersten drei Monaten hat sie weniger Fahrzeuge verkauft als Konkurrent Mercedes. Insgesamt wuchs der Absatz um 0,3 Prozent auf rund 75.000 Fahrzeuge und damit deutlich schwächer als der Markt. Hat weiter schwelende Dieselskandal das Vertrauen der Deutschen erschüttert?

Verlierer: Smart
3 von 10

Die Neuauflage des kleinen Stadtflitzers ist noch gar nicht so alt. Doch das Kaufinteresse der Deutschen hat schon spürbar nachgelassen. Nicht nur das Auto, auch der Absatz ist mittlerweile mickrig. Im ersten Quartal sank der er um 1,9 Prozent auf rund 7.800 Fahrzeuge.

Verlierer: Honda
4 von 10

Die Japaner waren in Deutschland schon immer etwas schwächer als in anderen Weltregionen. Doch das erste Halbjahr war eines zum Vergessen. Um satte 25 Prozent schmierte der Honda-Absatz ab. In den ersten drei Monaten verkauften die Japaner damit rund 6.400 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 0,8 Prozent entspricht.

Verlierer: Nissan
5 von 10

Weil Bestseller vor einer Neuauflage stehen, ist den Japanern ihr Wachstum in den ersten drei Monaten abhandengekommen. Zwar legte der Absatz immer noch um 2,1 Prozent auf 19.800 Fahrzeuge zu. Doch damit ist Nissan deutlich schlechter als der Markt und verliert Anteile.

Gewinner: Mercedes
6 von 10

Der Stern glänzt wieder – auch in Deutschland. Mit rund 77.300 verkauften Fahrzeugen sind die Schwaben nicht nur der führende Premiumhersteller im Heimatmarkt, sondern konnten den Absatz um 9,2 Prozent steigern. Das reicht, um an Audi vorbeizuziehen.

Gewinner: Renault/Dacia
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Das französisch-rumänische Duo legt im Volumenmarkt Tempo vor. Renault verbucht ein Plus von 28,8 Prozent auf fast 32.000 verkaufte Fahrzeuge. Dacia legt um 35,2 Prozent auf rund 14.000 Fahrzeuge zu. Gemeinsam ziehen die beiden damit sogar wieder an VW-Tochter Skoda vorbei und sind damit der größte Importeur in Deutschland.

Die Verkaufszahlen beim Diesel werden in den kommenden Monaten und Jahren weiter zurückgehen, erwarten Experten. Denn außer der Diskussion um Fahrverbote sorgen strengere Abgasvorschriften dafür, dass die Autos wegen zusätzlicher Technik zur Abgasreinigung teurer werden.

In Berlin beim Verband der Automobilhersteller (VDA) werden die Sorgenfalten immer größer, dass Dieselfahrzeuge bald nur noch mit großen Abschlägen verkauft werden können. „Die anhaltende Diskussion um mögliche Fahrverbote verunsichert offenbar die Autofahrer, auch beim Neuwagenkauf“, sagte Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie. Er betonte, dass Diesel der neuesten Schadstoffklasse Euro 6 sauber und sparsam seien.

Alte Autos sind das große Problem
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53 Kommentare zu "Automarkt im Umbruch: „Der Diesel verschwindet schneller, als wir glauben“"

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  • Mir völlig schnuppe , diesen Eiertanz mach ich nicht mit . Ich fahre alte günstige Diesel , weil sie insgesamt ökolgischer sind als ein neu produzierter SUV mit 3Liter Hubraum und 10 - 14 Liter Verbrauch . Ständig ein neu kaufen weil die Polit und Lobbyaffen zu doof und gesteuert sind ?!
    Die Großkopferten sollen machen was sie wollen , geht mir alles am Arsch vorbei .....
    Diese bescheuerten Push Verkäufe machen nur die doofen der Republik mit , leider zu viele !
    Viel schlimmer als ein Diesel ist der Must Have Trend : Flachbildschirme und riesige Mäusekinos mit
    online zugang in einem AUTO !!! Das ist pervers und TÖDLICH - Das gehört verboten - Schwachsinn pur und teilweise glatter Mord - Irre !

  • Genau für diese Art der Parteilichkeit und der Propaganda verachte ich die Medien.

  • Wenn die Stickoxid (NOx)-Emissionen so gefährlich sind, verstehe ich nicht warum es nicht eine Umrüstförderung wie bei Russpartikelfilter gibt. Es gibt ja schon Lösungen (z.B. Baumot) mit denen Euro5 Diesel bessere Werte erreichen als die aktuellen Euro 6 Neuwagen. Diese kosten wohl auch nicht mehr als diese Ruspartikelnachrüstung. Ich denke aber die Hersteller wollen lieber neue Fahrzeuge verkaufen. Es dürfte wohl die Nachfrage ankurbel wenn ein Fahrverbot für ältere Diesel und LKWs in Innenstädten kommen würde. Vielleicht hofft man so auch den E-Auto-Absatz anzukurbel und von dem Bund noch höhere Zuzahlungen herauszuholen. Denke dafür wird im Moment das Feld bereitet! Die Hersteller denken wohl auch, wer sich 2015 einen teueren Porsche oder Mercedes SUV gekauft hat wird sich dann auch einen noch teueren 2018 kaufen! ;-)

  • Gentlemen don't drive Diesel. Peasants do.

  • Werter Herr Menzel. In erster Linie fällt auf, dass derzeit eine konzertierte Anti-Kampagne gegen die Diesel-Technologie betrieben wird. Durch Artikel wie den Ihrigen produzieren und verstärken Sie ja als persönlicher Werbebeitrag diese Entwicklung.

    Nachdem Ihre Artikel-Überschrift auch hätte lauten können "Branche wehrt sich gegen Diesel-Bashing" kann ich wieder einmal folgern, dass Sie persönlich sich mit Lust und Wonne einem Gefälligkeitsstreben gegenüber ansagenden Interessenvertreter hingeben. Sie bestätigen sich immer wieder als Muster-Diplomant in der Erziehung von unreflektierten Lesern zu simplen Nachbapplern. Nur - diese Klientel schwindet von Tag zu Tag immer mehr. Die Menschen blicken immer häufiger hinter die Kulissen - und durchschauen parteiische Stimmungsmache wie hier zum Beispiel.

  • Es wird immer doller in Deutschland.
    Due Hysterie in Nebensachen überdeckt die wirklichen Probleme in Deutschland und der EU.
    Als Vielfahrer ( und das ist gut so) sind meine 3 Fahrzeuge ein E 200 Bj 1993, ML 270 CDI Bj 2004 mit Russfillter und eine BMW K1100RS von 1993 mit Katalysator ökologisch das beste was man fahren kann und die Langlebigkeit garantiert das ökologisches Verständnis der Hersteller und des Besitzers!
    Die Dieselhype ( demnächst Bennzinhype) wird bewußt provoziert von den linken/grünen Dogmatikern und Medien, da ihr politisches Fehlverhalten, in den letzten 20 Jahren, jetzt deutlich sichtbar wird.
    Deutschlands Infrastruktur nur noch ein Desaster und mit amerikanischen Verhältnissen vergleichbar.
    Deshalb werde ich nichts ändern, denn Auto/Motorrad fahren ist nun mal ein Freiheits/Freizeitgewinn, den die dogmatischen linksgrünen Politiker abschaffen wollen.

  • Damit haben die Strategen derunfähigen US-Industrie mit Hilfe der nützlichen Idioten hierzulande erreicht, was geplant war, und können sich mit ihren 20l-SUVs freuen!

  • Lieber Herr Eggert, Ihre Fahrweise steht außerhalb jeder Kritik. Aber Ihre "Studien" sind ein Witz.
    Zudem ist nicht nur der Feinstaub selbst für den Menschen hochgefährlich, sondern auch die toxischen Stoffe, die er zusätzlich transportiert. Es ist also von einem Feinstaub unterschiedlicher "Qualität" auszugehen.

  • Also ich verbitte mir die Bezeichnung "Troll", ich äussere manchmal (OK, eigentlich immer) politisch-konträre Ansichten, aber das muss unsere Demokratie aushalten. Finde ich. Schliesslich müssen wir ja auch Merkel aushalten. Und die Grünen.

    Zudem, lieber En rico, werden Sie -wenn Sie geneigt wären, sich dem Thema sachlich zu stellen- feststellen, daß moderne Benzin-Direkteinspritzer Motoren ohne Feinstaubfilter deutlich mehr Feinstaub emittieren, als alte Diesel-Dickschiffe. Sollten Sie sich die gelinkte Artikel mal zu Gemüte führen, dann könnte Ihnen dämmern, dass Sie leider nichts weiter als ein Opfer der medialen Gehirnwäsche geworden sind. Kann es sein, daß sie davor ein bisserl Angst haben?

  • @Herr Caruso
    ich fahre vorausschauend, bremse daher weniger und siehe da die Bremsen mussten erst nach 120.000 km erneuert werden, die Reifen hatten auch 80.000 km drauf und trotz flotter Fahrweise lag der Verbrauch somit unter 6 Liter. Nein es soll kein Eigenlob sein, aber der Faktor Fahrer wird unterschätzt. Wenn so ein Q7 oder X6 auf der Autobahn mit über 200 km/h vorbeirauscht bzw.die immer im letzten Moment mit Vollbremsung auf einen Verkehrsteilnehmer aufläuft ist der Fahrer eindeutig ein Multiplikator der Feinstaubbelastung

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