Automesse Detroit
Deutsche Autobauer zünden in den USA den Turbolader

Viele hatten den Automarkt USA schon abgeschrieben, nachdem China ihn von der Spitze verdrängt hatte. Doch nun glänzt er wieder mit Wachstum. Darauf reagieren deutsche Hersteller - mit neuen Produkten und neuen Werken.
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Dieter Zetsche zelebriert die erste große Autoshow dieses Jahres gewohnt feierlich. Noch vor dem heutigen Messeauftakt in Detroit hat der Daimler-Chef mehrere Hundert Gäste ins feine Westin Book Cadillac Hotel geladen, zur Weltpremiere des neuen Mercedes SL. Der Auftritt ist für Zetsche Pflicht: Er weiß, dass Nordamerika trotz des Booms in China noch immer der wichtigste Markt für Luxusautos ist.

Der Markt, der vor zwei Jahren noch eingebrochen war, ist wieder zu einem Sehnsuchtsort für die Deutschen geworden: Nach einer Studie des CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, soll die Produktionskapazität der deutschen Hersteller in Nordamerika von derzeit 965 000 Fahrzeugen bis 2015 auf 1,59 Millionen klettern. VW hat eine Milliarde Dollar in sein 2011 eröffnetes Werk in Chattanooga in Tennessee investiert. BMW und Daimler planen den Ausbau ihrer US-Werke mit neuen Modellen.

Als letzte deutsche Premiummarke will nun auch Audi in den USA produzieren: „Bei mir im Herzen und im Kopf ist die Entscheidung für ein Werk in Nordamerika klar“, sagte Vorstandschef Rupert Stadler dem Handelsblatt. „Es ist keine Frage des Ob, sondern lediglich noch des Wann.“ Intern wird davon ausgegangen, dass Audi im ersten Schritt einen seiner Geländewagen in den USA fertigen könnte – wie es BMW und Mercedes bereits tun.

Die Deutschen lockt nicht nur eine bessere Absicherung gegen Währungsrisiken in die USA, sondern auch das Wachstum, das sie in Europa vermissen. „Wir sind immer noch optimistisch für den US-Premiummarkt“, sagt beispielsweise BMW-Chef Norbert Reithofer. Auch Matthias Wissmann, Chef des Autoverbandes VDA, glaubt: „Die wichtigen Märkte in den USA und in den Schwellenländern werden weiter wachsen – dort sind wir sehr gut positioniert.“ Allein der US-Markt soll bis 2015 um 16 Prozent auf 14,9 Millionen Verkäufe zulegen. Ein Potenzial, das vor allem Hersteller ausschöpfen können, die vor Ort produzieren.

Die Strategie wird nach Ansicht von Experten aufgehen. Laut CAR Center werden die deutschen Hersteller ihren Marktanteil von 7,6 im Jahr 2010 auf 9,9 Prozent 2015 ausbauen. Von den Giganten des US-Marktes sind sie damit immer noch weit entfernt. Während etwa der Volumenhersteller Toyota Ende 2011 in den USA 12,7 Prozent Marktanteil hatte, kam VW nur auf drei Prozent. Audi-Chef Stadler schreckt das nicht: „Das Geschäft in den USA macht uns viel Spaß.“

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  • Keine Angst - die deutschen Autobauer sind höchstwahrscheinlich die Letzten die in diesem Konzert von politischer Demenz noch wissen was sie tun!

    Ich hoffe nur sie lassen die Zulieferer leben!

  • Dann baut doch E-Autos. Der Kunde ist klüger, der kauft nur das was Sinn macht. Der Staat kürzt gerade die Subventionen für für Solarstrom. Die vom Stromverbraucher bezahlten Renditen gehen so von 12 auf 7 % runter. Vielleicht haut er jetzt das Geld doch vielleicht für E-Autos raus. Der Staat soll seine Finger von der Subventionsschraube lassen.

  • Das absolut einzige Problem bei Elektroautos ist das Desinteresse der Autoindustrie und der Politik.
    Beide blocken bis zum Abwinken. Die Einen deshalb, weil sie Märkte verlieren, denn mit Elektroautos kommen ganz neue Konkurrenzen auf und der Markt der Services, wie er heute besteht wird zusammenbrechen, weil da wo nichts ist auch nichts mehr kaputt gehen kann! E-Autos sind in der Technik extrem simpel, was den ANTRIEB BETRIFFT!
    Die Anderen sehen ihre Steuereinnahmen dahinschmelzen, wenn wesentlich weniger Treibstoff verkauft wird!

    Es ist ein absolutes Märchen, dass Elektroautos teurer in der Anschaffung sind. Wir importieren nach Brasilien Elektroautos der Golf Klasse zu rd. < US$ 10.000 aus China. Das ist der reale Preis für Elektroautos und er würde drastisch sinken, wenn mehr gebaut werden könnten! Aber nicht nur der günstigere Kaufpreis spricht für E-Autos, extrem günstig sind die Wartungskosten, weil sie weitestgehend entfallen! Ganmz zu Schweigen von Kosten für den Betrieb!

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