Automesse in Schanghai
In China fährt die elektrische Zukunft vor

In dieser Woche trifft sich die Autowelt zur Messe in Schanghai. China wird eine Schlüsselrolle beim E-Auto spielen. Jaguar und Volvo haben Neuheiten angekündigt – und auch von VW wird ein starker Auftritt erwartet.
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SchanghaiEtliche deutsche Automanager hatten nur ein verkürztes Osterfest. Viele mussten frühzeitig die Koffer packen und sind schon am Ostermontag in Richtung Fernost aufgebrochen. Ihr Ziel: Die größte chinesische Automesse in Schanghai, die in dieser Woche beginnt. China ist zum großen Dorado für alle Autohersteller der Welt geworden, also auch für die deutschen. Die Anwesenheit in Schanghai ist Pflicht, weil in China so viele Autos wie sonst nirgends in der Welt verkauft werden. Und ein Ende des Wachstums ist noch lange nicht absehbar.

„Schanghai ist die Messe der Zukunft“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor an der Universität Duisburg-Essen, „und die Zukunft hat viel mit China zu tun.“ Während die IAA, die führende deutsche Automesse im September in Frankfurt, mit einer wachsenden Zahl von Absagen der Hersteller zu kämpfen hat, ist der Zuspruch in Schanghai ungebrochen. „Dynamik pur“, meint Dudenhöffer. Die anhaltend hohen Zuwachsraten sorgten automatisch dafür, dass das Interesse am chinesischen Markt dauerhaft groß bleibe.

In diesem Jahr wird die Messe in Schanghai allerdings auch technologisch Standards setzen. Die chinesische Regierung drängt darauf, dass das Land zum Vorreiter bei Elektroautos wird. Dafür sorgen allein schon die zunehmenden Umweltprobleme in den großen Ballungsräumen des riesigen Landes. China braucht die Elektrofahrzeuge, damit die Luft in Peking und Schanghai nicht noch dicker wird. Da wird sogar der Autoprofessor ein wenig euphorisch. „Im Brennpunkt der wichtigsten Automesse der Welt steht der Aufbruch in die Zeit der Elektroautos und der Vernetzung“, betont Dudenhöffer.

Schon jetzt spielen elektrisch angetriebene Autos in China eine vergleichsweise große Rolle. Im vergangenen Jahr sind weltweit 873.000 Elektroautos und Hybrid-Modelle verkauft worden, davon allein 507.000 in China. Der Anteil der elektrisch betriebenen Autos bei den Neuzulassungen lag damit in China im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent – in Deutschland waren es lediglich 0,8 Prozent.

Nach Expertenschätzungen wird es in den kommenden Jahren deutlich mehr Elektroautos in China geben. 2017 könnten es schon mehr als 700.000 werden. Und danach geht es rasant nach oben: Vier Millionen werden für das Jahr 2020 erwartet, gut zehn Millionen fünf Jahre später.

Nicht nur die deutschen Hersteller wollen in Schanghai zeigen, dass sie das neue Geschäft mit den Elektromodellen beherrschen. So sind für die Automesse Elektroneuheiten von Jaguar und Volvo angekündigt. Ford hat angekündigt, dass bis zum Jahr 2020 etwa 70 Prozent aller in China verkauften Modelle auch elektrisch zu haben sein werden. Genauso wollen die chinesischen Hersteller auf ihrer Heimatmesse unterstreichen, dass sie beim Thema Elektro ernstzunehmende Wettbewerber sind.

Auch in Sachen Qualität müssen sich die Hersteller aus der Volksrepublik nicht mehr verstecken. Sie haben die Lücke zu europäischen und anderen asiatischen Herstellern geschlossen und werden deshalb künftig auch als Exporteure eine wichtigere Rolle als bislang spielen. Zudem wird die Zahl der chinesischen Hersteller immer größer: Autokäufer müssen sich an Namen wie Lynk & Co oder NIO gewöhnen.

Die deutschen Hersteller wollen beim Thema Elektroantriebe in Schanghai in der ersten Reihe mitspielen.

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28 Prozent aller Autos weltweit werden in China verkauft

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  • Alle E-Autos fuer Golfplaetze warden in China gebaut! warum koennen diese Golf Cars nicht hier das innerstaedtische Strassenbild veraendern?
    --> der Staat hat sich noch keine probate Abgabe dazu ausgedacht !

    Electro Scooter

    Electro Smart Boards

    Electro Dreiraeder mit mini Lade-Flaeche zum Einkauf oder zum Transport in der 1/2 - 1 t Klasse
    und last but not least
    vernuenftige Electro-Rollstuehle oder electro Trikes ist, was hier fuer die alternde Bevoelkerung in den ueberfuellten, Auto-verstopften Strassen der Ballungsgebiete gebraucht wird, neben E-bikes...& E-Dreiraedern

    -- Das alles ist in China Land auf & Land ab schon zu haben..und wird dort eingesetzt!
    ..fuer billiges Geld, haelt & macht individuell mobil!

    Hier sind diese Vehikel nicht erhaeltlich, weil die Regelungen z.B. TUEV BZW der Staat durch ueberzogene Abgaben & eine perfide Steuer-Politik dies nicht wuenschen & noch keine Steuer "erfunden" bzw "patentiert" hat.

    Wir zahlen dann besser ueberzogene & subventionierte Kosten fuer Strom, der z.b. bei Windkrafanlagen ggfs. nie erzeugt, bzw in den ERDBODEN abgeleitet wird.....
    plus die Entsorgung & Rueckbau der privaten KKW's !

    ....

  • >> Die chinesische Regierung drängt darauf, dass das Land zum Vorreiter bei Elektroautos wird. >>

    Hier zeigt sich auch die Blauäugigkeit der Chinesischen Kleptokratie.

    Würde man all die Autos, die heutzutage herumfahren, auf E-Antriebe umstellen, so bräuchte man die DREIFACHE ELEKTRIZITÄTSERZEUGUNG weltweit.

    Und wer und vor ALLEM WIE will man das bewerkstelligen ?

    Die KOSTENFRAGE ist hiermit noch gar nicht angeschnitten !

    Aber TRÄUMEN ist nicht verboten !

  • Die EU soll den Frachtverkehr China - Europa reduzieren. Allein die Umweltverschmutzung durche diesen Frachtverkehr ist grösser als der gesamte Ausstoss des Privatverkehrs in Deutschland.

    Die EU hängt nicht an die grosse Glocke, dass sie China weiterhin als "ENtwicklungsland" behandelt und die Fracht von China in die EU extrem fördert. So zahlt ein Kunde/Unternehmer für einen Warengrossbrief lediglich ca. 20 Cent von China in die EU.
    Die künstlich angeheizte Abgas Krise inder EU ist ein Riesengeschäft für die Regierungen..Abgesehen von stark umweltschädlichen Schiffen sind in Asien und Afrika in der Mehrzahl Transportfahrzeuge LKWs in Gebrauch, die jeder einzelne einen Schadstoffaustsoss von hundert und mehr PKWs haben.

    Was die Stromerzeugung in China betrifft, die für E Autos die Voraussetzung ist, wird in China hauptsächlich Strom aus Kernenergie gewonnen - toll, nicht wahr, Frau Merkel?

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