Automesse
Tokyo Motor Show: Violinen statt Girls

Im Jahr zwei der weltweiten Krise im Autoabsatz ist die Tokyo Motor Show so klein ausgefallen wie seit ihrer Gründungszeit in den 50er-Jahren nicht mehr. Grund ist die geschlossene Absage der westlichen Autoindustrie. Auch der deutschen Vertreter.

TOKIO. Aus Deutschland kam nur der Nischenabieter Alpina mit fünf umgebauten BMW-Modellen. Auf der vorigen Motor Show vor zwei Jahren nahmen die Stände noch das komplette Messegelände Makuhari vor den Toren der Stadt ein. Diesmal beschränkt sie sich im Wesentlichen auf zwei Hallen, die sich bequem in wenigen Minuten durchmessen lassen. Die Ausstellungsfläche für Autos schrumpfte auf die Hälfte. Statt 35 Herstellern wie vor zwei Jahren kamen nur elf.

Der Geräuschpegel klingt dementsprechend niedrig. Die auffällig wenigen Automodelle stehen in einer entspannten und stillen Atmosphäre beisammen. Auch von der Wortwahl gibt sich die Messe unauffällig und bescheiden - keiner lobt seine Produkte über den grünen Klee, wie sonst üblich. „Bei der diesjährigen Messe geht es um Technik“, fasst Nissan-Chef Carlos Ghosn zusammen. Emotionen oder neue Leistungsrekorde spielen diesmal kaum eine Rolle. Kein Wunder: Diese Messe hat kein Benzin im Blut, sondern Wasserstoff (siehe "Die Tokio Öko Show"). Wo früher Heldenmusik die Vorstellung neuer Modelle begleitete und sich Models zusammen mit den Wagen enthüllten, hatte Toyota diesmal eine Geigerin und eine Klarinettistin engagiert, die kultiviert um den neuen Hoffnungswagen „Sai“ herumfiedelten.

Auch an einer etwas pessimistischen Grundstimmung zeigte sich, dass die Branche noch immer in der Krise fest steckt. „Es heißt, die jungen Leute hätten sich vom Auto abgewandt, doch wir Hersteller haben uns eher von den jungen Leuten abgewandt“, sagte Toyota-Chef Akio Toyoda selbstkritisch. Die Presseunterlagen hatte der Weltmarktführer auf dünnes, graunbraues Recyclingpapier drucken lassen statt auf Hochglanzseiten. Und wirkten die Automanager nicht etwas zögerlich, als sie am Lexus-Stand die neuesten Top-Modelle vorstellten – als müssten sie sich der hohen PS-Zahlen und schnittigen Formen schämen?

Die Ausländer haben die Japaner im Wesentlichen aus Kostengründen unter sich gelassen. Sie konzentrieren ihre Kräfte lieben in China. Während der japanische Markt auf einen Absatz von gut drei Mio. Fahrzeugen im Jahr geschrumpft ist, hat sich China weltweit auf Platz eins vorgearbeitet. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres gingen 9,66 Mio. Einheiten weg. Analysten schätzen, das der Markt weiter schnell wächst, wenn mehr Chinesen sich ein Auto leisten können.

Im Reich der Mitte haben sich zudem gleich zwei konkurrierende Automessen etabliert. Sie finden abwechselnd in Peking und in Shanghai statt. Dort stellten die deutschen Hersteller im April dieses Jahr alle brav aus. Kein Wunder, dass die Japaner bei so einem Nachbarmarkt ihrerseits die große US-Automesse in Detroit geschwänzt haben. Honda war sogar der Automobilausstellung in Frankfurt fern geblieben. Alle die Absagen haben jedoch eins gemeinsam: Die Unternehmen geloben, nächstes Mal zurückzukommen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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