Automobil-Zulieferer
SGL Carbon mit optimistischer Umsatzprognose

Die Krise ist überstanden. Jetzt will SGL Carbon zügig wachsen. Treiber soll das Geschäft mit Karbonverbundmaterialen sein, die von der Automobilindustrie nachgefragt wird.
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Frankfurt

SGL Carbon strotzt vor Optimismus: Auf 2,5 Milliarden Euro will Koehler den Umsatz bis zum Jahr 2015 schrauben - fast eine Verdoppelung gegenüber dem vergangenen Jahr. Beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) peilt er einen Wert von knapp 300 Millionen Euro an.

Im vergangenen Jahr waren es noch 128 Millionen Euro. SGL-Chef Robert Koehler steht seit der Gründung der SGL-Gruppe im Jahr 1992 an der Spitze des Konzerns; er ist damit der am längsten gediente Vorstandschef eines HDax-Unternehmens.

In seiner Amtszeit hat der 62-Jährige den Konzern von einem Zulieferer der Metallindustrie zu einem begehrten Partner der Auto- und Luftfahrtindustrie umgebaut. Zwar ist die Lieferung von Anoden und Kathoden für die Metallgewinnung noch immer der größte Umsatzbringer. Aber die neu entwickelten Karbonstoffe sollen das Geschäft treiben. Eine Milliarde Euro will SGL im Jahr 2015 umsetzen, eine Verfünffachung gegenüber 2010.

Beitragen soll zum Umsatzschub etwa das Gemeinschaftsunternehmen mit BMW: Der Autobauer entwickelt ein Elektrofahrzeug, dessen tragenden Teile aus Karbon gefertigt werden. BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist größte Aktionärin von SGL mit knapp 23 Prozent.

Aber die Milliardärin bekommt Konkurrenz. Kürzlich hat sich Volkswagen mit 8,2 Prozent bei SGL eingekauft. Die Wolfsburger bereiten sich auf einen breiteren Einsatz von Karbon in ihrer Modellpalette vor. Im Fokus steht vor allem Audi, die Tochter galt als Pionier im Leichtbau. Diesen Titel verliert Audi nun an BMW.

2010 profitierte SGL vor allem vom Aufschwung in der Stahlindustrie. In der Folge steigerte die Firma, die Elektroden für die Stahlproduktion herstellt, ihren Betriebsgewinn (Ebit) um 16 Prozent auf 128 Millionen Euro. Der Umsatz zog um 13 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro an. Zu schaffen machte dem Konzern allerdings das schwache Geschäft mit Kathoden für die Aluminiumschmelze, höhere Rohstoffkosten sowie Anlaufkosten für die Inbetriebnahme eines neuen Werks in Malaysia. Unter dem Strich stand dennoch eine Gewinn von 52 Millionen Euro nach einem Verlust von 61 Millionen Euro im Krisenjahr 2009.

Zum Spielball der Autokonzerne geworden

Im laufenden Jahr erwartet SGL bei einer Umsatzsteigerung von mehr als zehn Prozent ein Betriebsgewinn zwischen 150 und 165 Millionen Euro. Damit blieb das Unternehmen leicht hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die für 2011 im Schnitt ein Betriebsergebnis von 168 Millionen Euro prognostiziert hatten. SGL ist zuletzt zum Spielball großer Autokonzerne geworden.

VW stieg Ende Februar überraschend mit 8,8 Prozent bei dem Wiesbadener Grafitspezialisten ein und stieß damit dem Münchner Konkurrenten BMW vor den Kopf, der seit Jahren eng mit SGL zusammenarbeitet. BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist mit gut 22 Prozent größte Anteilseignerin von SGL.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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