Automobilbranche
Der Verpackungskünstler

Der Franzose Olivier François soll für Fiat die US-Marke Chrysler leiten. Mit kreativen Aktionen hatte der 48-Jährige zuvor großen Erfolg bei Lancia. Gute Ideen kann François nun auch bei der angeschlagenen Marke Chrysler gebrauchen, um den Verkauf wieder anzukurbeln.

MAILAND. Carla Bruni war sein Glücksgriff: Singend sitzt das Topmodel mit ihrer Gitarre auf der Rückbank des Lancia-Modells und haucht den Song zum Werbespot vor sich hin. Das war kurz bevor die Dame den französischen Staatschef Nicolas Sarkozy kennenlernte und ehelichte. Die Idee zu der Kampagne hatte der Franzose Olivier François - Chef der Fiat-Marke Lancia. Nun soll der 48-jährige François der maroden Marke Chrysler als neuer Chef auch neues Leben einhauchen.

Mit François holt sich Fiat-Chef Sergio Marchionne, der gleichzeitig auch den Chrysler-Konzern führt, einen erfahrenen Marketing-Mann in die USA. "François ist sehr kreativ, ein Genie der Kommunikation und des Marketings", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter über ihn. So habe Lancia nie ein neues Auto erfunden, aber immer wieder eine neue Kommunikation für die Neuauflagen alter Modelle. Ein Verpackungskünstler eben.

Der Manager, der im Gegensatz zum hemdsärmligen Marchionne eher sanft auftritt und 2005 ein Buch mit Liebesgedichten veröffentlicht hat, begann seine Karriere nach dem Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften zunächst in der Beratung. 1991 wechselte er zu Citroën und ging sieben Jahre später für die Franzosen nach Dänemark, um 2001 nach Italien zu wechseln. Da er sich mit seiner Familie in Italien wohlfühlte, kam ihm 2005 das Angebot der Fiat-Tochter Lancia gelegen.

Lancia steckte damals tief in der Krise, und immer wieder wurde darüber spekuliert, dass Fiat die Marke komplett einstellt. Viel Geld für große Kampagnen hatte François daher nicht zur Verfügung. Auch Carla Bruni war damals nicht so gefragt wie heute. Und so setzte der kreative Franzose vor allem auf ungewöhnliche Aktionen - mit großem Erfolg.

Die Italiener haben etwa auf der Berliner Friedrichstraße ein Lancia-Cafè eröffnet, in dem es in edlem Ambiente Illy-Espresso zu trinken gibt - und nebenher Informationen über die Autos. Eine Kampagne für die Befreiung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit dem Lancia-Logo gehörten ebenso zu François? Ideen wie Prepaid-Karten für Benzin beim Kauf eines Autos.

"Die Werbeagenturen kamen immer mit ihren Ideen, und dann haben wir doch die von ihm genommen, weil es die beste war", erinnert sich der ehemalige Mitarbeiter. Gute Ideen kann François nun auch bei der angeschlagenen Marke Chrysler gebrauchen, um den Verkauf wieder anzukurbeln.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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