Automobilbranche
Moskau kämpft um die Zukunft von Avtovaz

Der größte russische Automobilhersteller Avtovaz steckt in großen Schwierigkeiten. Nun sucht die russische Regierung nach Möglichkeiten, den Konzern zu retten und drängt den Großaktionär Renault, sich an der Sanierung zu beteiligen. Schätzungen zufolge verbrennt Avtovaz derzeit zwei Millionen Dollar pro Tag.

MOSKAU. Die Lage des größten russischen Autoherstellers Avtovaz (Lada) wird immer prekärer. Die russische Regierung sucht nun händeringend nach Möglichkeiten zur Rettung des Konzerns und will dabei auch den Großaktionär Renault in die Pflicht nehmen. Der französische Hersteller war im Jahr 2008 bei Avtovaz mit 1,2 Mrd. Dollar eingestiegen und hält seitdem eine Sperrminorität von 25 Prozent. Russlands Premierminister Wladimir Putin hatte in der vergangenen Woche ein stärkeres Engagement der Franzosen bei der Rettung von Avtovaz eingefordert: "Entweder sie beteiligen sich in der Zukunft an der Finanzierung oder wir werden mit ihnen über die Höhe ihrer Beteiligung reden müssen."

Gestern begannen Gespräche der Regierung mit den an Avtovaz beteiligten Unternehmen: Neben Renault halten die russische Bank Troika Dialog sowie die Staatsholding Rostechnologij jeweils ein Viertel, 25 Prozent werden an der Börse gehandelt. "Für die russische Regierung hat das Schicksal von Avtovaz höchste Priorität", heißt es in Verhandlungskreisen.

Schätzungen zufolge verbrennt der Konzern derzeit zwei Mio. Dollar pro Tag. Erst kürzlich hatte Avtovaz angekündigt, 27 000 Stellen abzubauen. Vom Schicksal der maroden Autoschmiede hängt eine wichtige russische Industrieregion ab - was die Regierung unter massiven politischen Druck setzt.

Renault war mit großen Hoffnungen in Russland gestartet: Vor der Krise war der Automarkt der am schnellsten wachsende in Europa und auf dem Sprung, Deutschland als größten Markt zu überholen. In diesem Jahr brachen die Absatzahlen aber um mehr als die Hälfte ein. Avtovaz wird eigenen Angaben zufolge 2009 einen Verlust von rund 1,6 Mrd. Dollar machen.

Über die Jahre haben die russischen Autobauer zudem gegen ausländische Konkurrenten mehr und mehr Marktanteile verloren. Hielten sie im Jahr 2003 noch gut zwei Drittel des heimischen Marktes, ist ihr Anteil heute auf ein Drittel zusammengeschrumpft.

Vor allem Avtovaz muss einen erheblichen technologischen Rückstand aufholen und die Produktion modernisieren: Während Renault im vergangenen Jahr 28 Autos pro Mitarbeiter fertigte, kommt Avtovaz gerade einmal auf acht.

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