Automobilbranche Online bei Tempo 200

Junge Autofahrer wollen auch unterwegs online gehen. Damit die Autohersteller den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht werden können, müssen sie Allianzen mit der IT-Branche schmieden.
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Hersteller wollen Online-Inhalte besser integrieren. Quelle: dapd

Hersteller wollen Online-Inhalte besser integrieren.

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DüsseldorfWer das Glück sucht, geht nach Las Vegas. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche war zuletzt zu Gast in der Wüstenstadt, auf der größten Unterhaltungsmesse der Welt - der CES. Hier, wo schon der erste Videorekorder, der erste Atari und die erste DVD vorgestellt wurde, entwarf der Automanager seine Vision vom Auto der Zukunft. Dass Zetsche für seine Präsentation die Nähe zu den Branchengrößen der Unterhaltungselektronik sucht, ist kein Zufall.

Die Branche bangt in der jungen Zielgruppe um den Status des Autos. Während im Jahr 2000 noch 42,1 Prozent der der 18-29-jährigen ein eigenes Auto besaßen, waren es 2010 nur noch 23,9 Prozent. Im europäischen Markt ist das Wachstum längst zum Erliegen gekommen.

Um die junge, online-affine Zielgruppe noch zu erreichen, müssen die Autohersteller umdenken. Der Wunsch der Kunden nach einer permanenten Erreichbarkeit – auch unterwegs – wächst. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zur Zukunft des Automobils erwarten rund 67 Prozent aller jungen Autofahrer, in Zukunft auch unterwegs auf ihre Daten zugreifen zu können. Schon jetzt nutzen 28 Prozent der Autofahrer ihr Smartphone auch unterwegs. Wenn alle Autofahrer weltweit von ihren im Schnitt 50 Minuten im Auto auch nur eine Minute online gehen würden, könnten fünf Milliarden Euro umgesetzt werden, schätzt McKinsey. 

Damit auch die Autohersteller ein Stück von diesem Kuchen abgekommen können, suchen sie nach kompetenten Partnern in der IT-Branche. Während Handys alle zwei Jahre überholt sind, ziehen sich Entwicklungszyklen von Automodellen deutlich länger hin. Eigene Entwicklungen können überholt sein, bevor das Auto vom Band läuft.  Hersteller müssen ihr Auto kompatibel mit den Techniken der Zukunft machen – ohne den Kunden zu verärgern. „Stellen Sie sich vor, Google ruft an und sagt, Sie sollen Ihr Smartphone nach Mountain View bringen, damit eine neue Software installiert werden kann“, skizzierte Zetsche in seiner Rede ein Szenario, das für viele Autokäufer heute bittere Realität ist. Wer auf den neusten Stand gebracht werden will, muss mit seinem Auto in die Werkstatt des Herstellers.

Das Auto der Zukunft, wie Dieter Zetsche es entwirft, ist darum ein Hotspot auf vier Rädern, ständig vernetzt. Mercedes-Fahrzeuge sollen ihre Updates bald direkt in die Garage überspielt bekommen. Über die „Cloud“ werden Programme und Daten in Rechenzentren unterwegs bereit gestellt. Damit sind Informationen praktisch überall verfügbar, auch im Verkehr. Die erste internetbasierte Kommunikationslösung fürs Armaturenbrett, will Daimler mit dem Marktstart des Mercedes SL in den USA einführen. 

Online mit dem Touchpad am Lenker

Auch in der C-Klasse wird künftig die Google-Suche und Facebook integriert. Über ein Drehrad können Autofahrer das System bedienen, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Audi lässt die Fahrer in einigen Modellen wie dem A8 auf einem Touchpad malen. In der nächsten Version soll das Touchpad direkt in den Auswahl-Drehknopf integriert sein. Damit die Beantwortung von E-Mails nicht zur Gefahr für den Verkehr wird, werden E-Mails vorgelesen. Sprachsteuerungen sollen die Sicherheit zusätzlich erhöhen.

Mit einigen Diensten suchen die Autohersteller auch die direkte Konkurrenz zu den Smartphone-Anwendungen, insbesondere in der Navigation. Gemeinsam mit dem US-Spezialisten Inrix entwirft Audi derzeit ein System, das Verkehrsinformationen in Echtzeit verarbeiten, über das Mobilfunknetz ins Auto senden – und so Staus schneller erfassen kann. BMW bietet eine Kennzeichen-Suche an, mit der man zum Beispiel auf der Urlaubsfahrt kurz nachsehen kann, aus welcher Region der Vordermann kommt.

Das größte Problem der Hersteller: Bei hohen Geschwindigkeiten und auf dem Land fehlt oft ein Netz mit einer brauchbaren Geschwindigkeit für viele Anwendungen. Ein stabiles mobiles Datennetz ist auch die Voraussetzung dafür, Autos untereinander zu vernetzen. Der Funkstandard LTE soll Abhilfe schaffen, doch bis der flächendeckend ausgebaut ist, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin müssen die Autohersteller überlegen, wie sie ihren Kunden auch unterwegs eine sichere Verbindung garantieren können oder ob sie dieses Feld den Mobilfunkunternehmen überlassen.

Mit Informationen von dpa                                

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2 Kommentare zu "Automobilbranche: Online bei Tempo 200"

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  • Da stimmer ich Herrb Steinberg zu. Immer höhere Fahrzeugdichte auf unseren Fernstraßen und dann mal eben... Dann musszu denn ermahnenden Schildern mit Kinderbildern von Opa oder Papa mit Todestag auch noch eine Tablet PC Abbildung hinzuommen. An alle Autohersteller: das ist die falsche Stossrichtung! Nur um eine Zielgruppe zu erreichen, die sich dann noch mehr im Videogame wähnt nur leider real und in gefährlciher Echtzeit.

  • Wer aber unabhängig von seiner Geschwindigkeit - es müssen ja nicht gleich 200 km/h sein - einen Unfall verursacht, während er online ist, sollte ohne weitere Berücksichtigung seines zuvor in Flensburg erreichten Punktestandes den Führerschein sofort verlieren. Mobil telefonieren, sofern keine Freisprechanlage vorhanden, verboten? Autokennzeichen googlen, Hotels suchen, Moorhühner schießen, online-Filmchen gucken während der Fahrt erlaubt? Was für ein Wahnsinn!!

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