Automobilbranche
Renault leistet russischer Tochter Avtovaz Entwicklungshilfe

Der französische Konzern will den russischen Autobauer Avtovaz mit Technologie unterstützen. Künftig soll der Lada-Hersteller fünf neue Modelle auf Basis von Renaults Low-Cost-Modell Logan produzieren. Beobachter beziffern den Wert des Technologietransfers auf rund 240 Millionen Euro.
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PARIS/MOSKAU. Renault hält trotz Krise an seiner 25-prozentigen Beteiligung am russischen Autobauer Avtovaz fest. Der französische Konzern wird deshalb weiter in die Russen investieren: "Wir werden kein Geld zuschießen, aber Technologien, um die Produktionsanlagen wettbewerbsfähig zu machen", sagte Christian Estève, Chef der Region Eurasie bei Renault und Mitglied im Aufsichtsrat von Avtovaz.

Konkret soll der Hersteller von Lada-Autos fünf neue Modelle auf Basis von Renaults Low-Cost-Modell Logan produzieren, heißt es bei Avtovaz. Zur Debatte stehen zwei Renault-Modelle, zwei Ladas und ein Auto der Marke Nissan. Volumen pro Jahr: 300 000 Stück. Insgesamt soll Avtovaz nach der Sanierung jährlich 500 000 Autos bauen, 100 000 mehr als dieses Jahr.

Den Wert von Renaults Techniktransfers beziffern Beobachter auf 240 Mio. Euro. Diese Angaben wollte der Renault-Manager nicht bestätigen. Russlands größter Autohersteller ist auf die Technikinfusion aus dem Westen angewiesen. Dem Konzern droht die Pleite. Denn der russische Markt ist in diesem Jahr um 50 Prozent eingebrochen. Im Frühjahr hatte die Regierung Avtovaz 860 Mio. Dollar Soforthilfe gegeben. Dennoch droht das Unternehmen von seinen Schulden und seiner Kostenstruktur erdrückt zu werden.Die Schulden werden bis Ende des Jahres auf 75,2 Mrd. Rubel steigen, hatte Finanzvorstand Oleg Lobanow der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zuletzt gesagt. Avtovaz prüfe nun verschiedene Möglichkeiten, seine Schulden neu zu organisieren. "Die einfachste Option ist Gläubigerschutz. Und das ist eine ziemlich realistische Option", sagte Lobanow. Die Regierung hatte eine Kommission ins Leben gerufen, die nun die strukturellen Probleme der maroden russischen Autoindustrie anpacken soll: Ineffizienz, technologischer Rückstand und Überkapazitäten. Renault hatte im vergangenen Jahr 25 Prozent für eine Mrd. Dollar erworben.

Die Franzosen haben sich in der Vergangenheit schwer mit ihrem russischen Investment getan: So seien sie mit ihren Plänen regelmäßig bei Avtovaz abgeblitzt, heißt es in Moskauer Industriekreisen. Avtovaz hat nötige Reformen bisher vollkommen verschlafen, gilt als hochgradig uneffizient und bürokratisch. Große Probleme bereitet Renault auch die schlechte Qualität der Zuliefererindustrie vor Ort.

Laut Renault-Manager Estève laufen jetzt Gespräche mit der russischen Regierung und mit Banken über einen zweistufigen Rettungsplan für Avtovaz. Zunächst solle demnach Avtovaz alle Bereiche, die nicht zum Autogeschäft gehören, abspalten. Darunter fallen Krankenhäuser, aber auch Zulieferer. Wie viele Jobs von den derzeit knapp 100 000 Stellen betroffen seien, wollte er nicht sagen. Im zweiten Schritt müsste das Unternehmen rekapitalisiert werden. Angesichts der Komplexität der Lage würden die Gespräche "wohl bis Juni 2010" dauern. Die Regierung drängt dagegen auf eine Lösung bis Weihnachten.

Kommentare zu " Automobilbranche: Renault leistet russischer Tochter Avtovaz Entwicklungshilfe"

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  • Renault kann helfen.Es ist mit Dacia auch gelungen.

    Entwicklungshilfe benötigt Avtovaz sehr wohl. Renault weiß wie man in den Ostblockländer zu Managen. Die russische Regierung soll sich helfen lassen. Vielleicht kommt ein günstiges Auto auf dem Markt.Einkommenschwache begrüßen das.

    Mfg

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