Automobilbranche
VW profitiert von Brasiliens Automarkt

Von einer Krise ist in Brasiliens Automobilbranche nichts zu spüren: Trotz der Talfahrt der Weltwirtschaft hat die Branche in den ersten drei Monaten des Jahres so viele Fahrzeuge abgesetzt wie nie zuvor. Vor allem Volkswagen profitiert und kann die Marktführerschaft zurückerobern.

SÃO PAULO. Krise? Welche Krise? Brasiliens Automobilbranche hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres trotz der Talfahrt der Weltwirtschaft so viele Fahrzeuge abgesetzt wie nie zuvor. Der Monat März ist mit 271 000 verkauften Fahrzeugen der beste in der Geschichte. Selbst gegenüber dem außergewöhnlich guten Vorjahresmonat stieg der Absatz noch mal um 17 Prozent.

Noch im November 2008 war der Autoverkauf in Brasilien eingebrochen: Rund 100 000 Fahrzeuge weniger konnten die Autobauer verkaufen. Doch zu Jahresbeginn senkte die Regierung die Steuern auf Pkw, was bei einfacheren Modellen zu Preisrückgängen von fünf bis sieben Prozent geführt hat. Außerdem stellte sie über die staatliche Banco do Brasil umgerechnet 1,3 Mrd. Euro für Pkw-Finanzierungen zur Verfügung. Jetzt hat die Regierung die Steuersenkung bis Ende Juni verlängert. Zudem hofft die Branche auf weitere Steuerermäßigungen bis zum Jahresende.

Nicht ausgleichen kann der inländische Konsumanstieg allerdings die ausfallenden Exporte. Bereits im letzten Jahr schrumpften die Auto-Verkäufe ins Ausland um acht Prozent. Das umliegende Südamerika - vor allem Argentinien und Mexiko, die wichtigsten Märkte für brasilianische Pkw - wurde von der Krise weit stärker erwischt als Brasilien. Nach einem Wachstum von fünf Prozent im vergangenen Jahr, senkte die Zentralbank kürzlich die Wachstumsprognose für 2009 auf 1,2 Prozent.

Deshalb wirkten die Steueranreize auch nicht ähnlich belebend auf den Lkw-Sektor, wo längerfristige Investitionsentscheidungen dominieren: Im ersten Quartal gingen die Absätze um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Doch im März hellten sich die Aussichten auf: Im Vergleich zum Februar legten die Verkäufe um neun Prozent zu. Branchenexperte Roberto Garbossa von ADK erwartet, dass der Lkw-Markt dieses Jahr um zehn bis 15 Prozent schrumpfen wird gegenüber den 2008 verkauften 122 000 Fahrzeugen. "Das ist durchaus positiv", sagt Garbossa, "bis vor kurzem gingen wir noch von einem Rückgang von einem Drittel aus."

Vor allem Volkswagen konnte die Krise nutzen, um im Februar nach sieben Jahren wieder die an Fiat und zeitweise auch General Motors verlorene Marktführerführerschaft zurückzuerobern. Auch im März führte Volkswagen die Verkäufe im März mit einem Marktanteil von 27,4 Prozent an. Fiat belegt mit 25,3 Prozent den zweiten und General Motors mit 19,3 Prozent den dritten Platz.

VW do Brasil konnte vor allem mit seinem vorgezogenen neuen Kleinwagen "Gol" punkten. Damit konnte der Konzern die Konkurrenten während des Absatzbooms im letzten Jahr überholen und verlor auch in der Krise weniger als etwa der "Palio" von Fiat. "VW hat das richtige Modell zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht", sagt Auto-Experte Corrado Capellano von Creating Value. Der "Gol" ist das erfolgreichste Modell in Brasilien und macht inzwischen die Hälfte der Umsätze von VW aus.

Auch Audi will in Brasilien in der Krise Terrain gutmachen: Für Vertriebs- und Marketingvorstand Peter Schwarzenbauer ist Brasilien einer der wenigen Märkte, auf dem Audi 2009 wachsen wird. Umgerechnet rund 30 Mio. Euro will das Unternehmen in Brasilien investieren, um Audi dort zur führenden Premiummarke zu machen. "Das ist viel Geld, dafür dass Audi im vergangenen Jahr gerade mal 1 500 Fahrzeuge verkauft hat", sagt Schwarzenbauer.

Doch die Ingolstädter haben sich hohe Ziele gesetzt: Bis 2015 soll sich der Absatz in dem Land auf 5 000 bis 6 000 Autos im Jahr mehr als verdreifachen. Das Geschäft der deutschen Marke litt bisher unter den Strategiewechseln früherer Jahre: Vor zehn Jahren hatte Audi in Brasilien die lokale Produktion des A3 gestartet, zusammen mit einer Golf-Produktion. Doch die geplanten Verkaufszahlen wurden nicht annähernd erreicht, die Produktion wieder eingestellt. Aus dieser Zeit hat Audi als Premium-Marke der Volkswagen-Gruppe in Brasilien ein Imageproblem: Sie wurde nur mit dem Kleinwagen A3 identifiziert.

Der neue Audi-Chef in Brasilien muss jetzt die Aufgabe lösen, die Marke wieder in den Luxusbereich zu führen: Der 34-jährige Paulo Sérgio Kakinoff hat bereits als Verkaufsleiter bei VW do Brasil von 2003 bis 2004 den Absatz erfolgreich vorangetrieben.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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