
TOKIO/HAMBURG. Die japanischen Autohersteller kehren nach enormen Einbrüchen schneller und vitaler auf die Erfolgsspur zurück als erwartet. Das ist das Ergebnis der "Automotive-Performance-Studie", die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die aktuelle Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) von Stefan Bratzel, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, basiert auf den Bilanzen der 18 weltweit größten Autohersteller für das vergangene Geschäftsjahr und das erste Quartal 2010.
Toyota erkämpft sich der Studie zufolge nach einer Schwächephase den Spitzenplatz des wirtschaftlich und technologisch leistungsstärksten Autobauers zurück und löst damit den deutschen Herausforderer Volkswagen ab. Das gute Abschneiden der Japaner basiert vor allem auf der reißenden Nachfrage der Nachbarn aus China und Südostasien. "Der Toyota-Konzern hat es schnell geschafft, aus den tiefroten Zahlen herauszukommen", lobt Branchenexperte Stefan Bratzel.
Den Japaner gelang es, bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die vermeintliche Pannenserie hatte vor allem in den USA das Vertrauen in Toyota sinken lassen. Dass der Konzern wieder da ist - obwohl mehr als 8,5 Mio. Autos zurückgerufen wurden -, dürfte nicht zuletzt am stabilen Ruf liegen, der nicht nachhaltig ramponiert scheint. Zudem gab der Konzern kürzlich bekannt, alle Fälle von plötzlicher Beschleunigung der Fahrzeuge in Amerika gingen nach eigenen Untersuchungen auf "Fahrfehler" zurück. Erkenntnisse der US-Verkehrsbehörden bestätigen das offenbar.
Die gute wirtschaftliche Leistung der Japaner und das damit verbundene Toyota-Revival in Blitzgeschwindigkeit resultieren auch aus internen Sparprogrammen. "Der Konzern hat einmal mehr systematisch die Kosten in allen Bereichen durchleuchtet", sagt Bratzel.
Auf dem Heimatmarkt geht es mit den japanischen Autobauern seit mehr als einem Jahr bergauf. So meldete die nationale Autovereinigung vor kurzem den monatlichen Anstieg der Verkäufe - zum elften Mal in Folge: Sie kletterten um 21 Prozent auf 293 537 Autos im Juni.
Die Exportzahlen sehen bei allen drei großen Autobauern - Toyota, Honda und Nissan - blendend aus. "Nissan erreicht, von der Finanzkrise abgesehen, seit Jahren eine Ebitmarge zwischen sieben und zehn Prozent", sagt Bratzel. "Es sieht so aus, als würden die Japaner auch 2010 auf diese Werte kommen." Nissan machte laut CAM 2009 einen Gewinn von 500 Euro pro Auto. Honda kam im Schnitt auf mehr als 300, Volkswagen auf 200 und Toyota auf 150 Euro - während BMW und Daimler wie auch PSA und Renault Geld vernichteten.
Auch Hyundai ist einer der Gewinner
Nach teilweise tiefroten Zahlen im Vorjahr sind alle globalen Autobauer zum ersten Quartal 2010 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Umsatzrendite (Ebit) beträgt im Durchschnitt 4,1 Prozent. Der Grund: neuerliches Wachstum des Weltmarkts und Sparprogramme.
Hyundai aus Korea gehört zum zweiten Mal in Folge zu den großen Gewinnern der Analyse. Der koreanische Konzern zeigt die größte Krisenresistenz und bestätigt mit Rang drei seine aufstrebende Position. In den USA hängte Hyundai mit einem Absatz-Plus von 35 Prozent im Juni die gesamte Konkurrenz ab. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sieht in Hyundai derzeit die größte Konkurrenz auf dem Weltmarkt. "Die wissen, wie man ein gutes Auto baut", meint der VW-Chef.
Unter den deutschen Herstellern kommt laut Experte Bratzel Daimler überraschend stark zurück. Die Stuttgarter hätten zwar zu langsam auf die Krise reagiert, dann aber deutliche Schritte zur Restrukturierung unternommen. Seit dem dritten Quartal 2009 geht es bergauf, nicht zuletzt dank der Kurzarbeit. Daimler könnte aus Bratzels Sicht 2010 überraschen: "Die Stuttgarter Manager strengen sich enorm an. BMW wird es nicht so leicht haben, 2010 bei der Rendite mitzuhalten."