Automobilindustrie
Abwrackprämie hilft der ganzen Branche

Die Manager der Autobranche jubeln: Die Abwrackprämie hat einen ungeahnten Impuls ausgelöst. Der Abwärtstrend sei gestoppt, sagen Autobauer. Einige hoffen, dass sie am Ende des Jahres mit den Absatzzahlen zufrieden sein werden. Und es sind nicht nur die Kleinwagen, die gut weggehen.

HB FRANKFURT. Er sehe einen "unglaublichen psychologischen Effekt", sagte Mercedes-Händlersprecher Peter Ritter der Branchenzeitung "Automobilwoche" laut einem Vorabbericht vom Samstag. Gefragt seien sogar höherpreisige Modelle, "die mit der Prämie gar nichts zu tun haben". Der Deutschland-Chef des japanischen Autobauers Toyota, Alain Uyttenhoven, sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe), durch die staatlichen Maßnahmen könnten 2009 eventuell doch noch 2,85 Millionen Neuzulassungen in Deutschland erreicht werden.

Uyttenhovens Aussage ist ein Eingeständnis, dass die Autobauer die Lage düsterer einschätzten, als in den offiziellen Prognosen der Verbände deutlich wird. So hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA), in dem die deutschen Hersteller organisiert sind, 2,9 Millionen Verkäufe als Ziel ausgegeben, dank der Prämie aber bereits Hoffnung geschöpft, die Drei-Millionen-Grenze nicht zu unterschreiten. Der Importeursverband VDIK hatte ebenfalls 2,9 Millionen als realistisch angesehen.

2008 waren die Neuwagenverkäufe insgesamt um zwei Prozent auf 3,09 Millionen zurückgegangen, in den letzten Monaten des vergangenen Jahres war das Minus aber deutlich höher ausgefallen. Im Januar 2009 betrug der Rückgang 14 Prozent. Zahlreiche Autobauer und Zulieferer haben mit Produktionsstopps und Kurzarbeit auf die Misere reagiert.Um der Branche zu helfen, zahlt die Bundesregierung 2 500 Euro Abwrackprämie für mindestens neun Jahre alte Autos, wenn ein neues gekauft wird.

Toyota-Manager Uyttenhoven setzt darauf, dass die Kunden stärker zu Fahrzeugen seiner Firma als zu denen anderer Hersteller greifen. "Unsere Kunden sind überproportional im Privatmarkt zu finden. Da nur Privatkunden die Prämie in Anspruch nehmen können, profitieren wir vielleicht mehr als andere davon", sagte er. Weniger rosig sieht BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson die Lage. Er sagte der "Wirtschaftswoche", "in der Art, wie diese Prämie konstruiert ist, zielt sie vor allem auf das untere Ende des Marktes". Der typische BMW-Kunde fahre nicht unbedingt ein Auto, das weniger wert sei als 2 500 Euro. Nur für solche Wagen aber lohne sich die Verschrottung.

Experten zufolge sind es vor allem Kleinwagen, die begehrt sind. Peugeot-Deutschland-Chef Olivier Dardart erwartet 12 000 Prämien-Verkäufe, wie er der "Automobilwoche" sagte. Die Bestellungen stiegen im Januar um über 80 Prozent, weil die Händler "vor allem ihre Bestände im Kleinwagenbereich schnell abverkaufen". Bei Fiat reduzierten sich die Lagerbestände drastisch. Mancher Händler fühle sich "sogar an die Zeiten der Wiedervereinigung erinnert", sagte ein Fiat-Sprecher der Zeitung. Opel und Volkswagen hatten bereits signalisiert, dass sie von der Prämie profitieren.

Trotz des Ansturms auf die Prämie schließt Wirtschaftsminister Michael Glos eine Aufstockung des 1,5-Milliarden-Euro-Budgets dafür aus. "Das Geld ist eine fixe Summe. Wenn die 600 000 (Autos) erreicht sind, ist die Aktion beendet", unterstrich er. Nach nur zehn Tagen sind 17 500 Anträge auf die Prämie beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingegangen. Experten rechnen mit mindestens einer Million Kaufinteressenten.

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