Automobilindustrie
Arbeitnehmer-Proteste bei Autobauern

Bei Opel in Rüsselsheim und beim Volkswagen-Werk Auto 5000 stehen die Zeiger auf Protest. Die rund 2000 VW-Arbeiter traten für mehr Gehalt in den Warnstreik und die 5000 Opelaner demonstrieren in Rüsselsheim gegen die Werkschließungspolitik des Mutterkonzerns General Motors (GM).

HB WOLFSBURG. Rund 2000 VW-Arbeiter von „Auto 5000“ in Wolfsburg sind nach Gewerkschaftsangaben erneut in den Warnstreik getreten. Bei einer Kundgebung am Dienstag bekräftigten sie ihre Forderung nach Einkommenserhöhungen von fünf Prozent. Angesichts der positiven Entwicklung beim VW-Touran - das Modell wird von den „Auto 5000“-Beschäftigten gebaut - sei die Forderung mehr als gerechtfertigt, argumentiert die IG Metall. Das Angebot der Arbeitgeber reiche nicht aus.

Die Tarifverhandlungen für die rund 3800 Arbeiter der VW-Tochter „Auto 5000“ waren Ende der vorigen Woche erneut ergebnislos vertagt worden. Es war bereits die vierte Runde. Eine von den Arbeitgebern angebotene Erhöhung der Entgelte von drei Prozent für 21 Monate lehnte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine als „Mogelpackung“ ab. „Auto 5000“-Verhandlungsführer Klaus Dierkes sagte dagegen, die „wettbewerbsfähigen Preise“ der VW-Tochter dürften nicht kaputtgemacht werden. Die Verhandlungen werden am 28. Juni fortgesetzt.

Auch 5000 Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim haben aus Angst vor weiterem Stellenabbau und Werksschließungen gegen die Geschäftspolitik des Mutterkonzerns General Motors (GM) demonstriert. „Wir werden nicht verschont bleiben“, warnte der europäische GM-Betriebsratschef Klaus Franz am Dienstag auf der Kundgebung vor den Werkstoren. Das Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sei ebenso wie die Komponentenfertigung in Kaiserslautern von Verlagerung ins Ausland bedroht. Das Werk in Bochum müsse mit vier Werken um den Bau der neuen Astra-Generation konkurrieren. „Das verschärft die Lage, denn rein rechnerisch sind zwei Werke in Europa zu viel“, warnte Franz.

Bis 2014 sieht der Betriebsrat in Europa rund 30 000 Arbeitsplätze bei GM und angeschlossenen Zulieferern bedroht. Das Corsa-Werk in Eisenach werde von einer neuen Fabrik in Warschau gefährdet. Der Konzern wollte die Vorwürfe am Dienstag nicht kommentieren. GM- Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte kürzlich aber drei Werke in Europa in Frage gestellt. Wegen hoher Verluste baut der angeschlagene weltgrößte Autobauer GM bis zum nächsten Jahr in Deutschland bereits 9000 der ehemals 32 000 Stellen ab.

Die Produktion am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim stand für zwei Stunden still. Der Protest richtete sich auch gegen die zunächst verschobene Schließung des portugiesischen GM-Werks in Azambuja mit 1150 Beschäftigten, das aus Kostengründen dicht machen soll.

Der Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, verlangte auf der Kundgebung in Rüsselsheim eine Verlagerungsabgabe für Unternehmen. „Konzerne, die Standorte verlagern, müssen alle Subventionen und öffentlichen Mittel an die Gesellschaft zurückzahlen“, sagte Peters.

Die Protestwelle gegen die Politik von General Motors soll auch in den nächsten Tagen weitergehen. Laut Betriebsrat sind in dieser Woche Aktionen in Ungarn, Österreich und Spanien geplant. In der kommenden Woche würden sich auch die Werke Eisenach und Bochum beteiligen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%