Automobilindustrie
Chinas Oberklasse fährt deutsch

Von Krise keine Spur: Der Verkauf teurer Top-Limousinen und Sportwagen boomt in China wie nie zuvor. Edle und teuer importierte Autos gehören zur Visitenkarte vermögender Chinesen. Experten erwarten, dass sich in zehn Jahren die Premiumklasse stärker entwickeln wird als der Massenmarkt.
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PEKING. Bei Klaus-Dieter Schadewald sollen sich die Gäste wohlfühlen. Elegante Sitzgruppen, umgeben von strahlendem Weiß, leise Musik - dazu auf Wunsch einen frischen Espresso. Im Pekinger Phaeton-Schauraum von Volkswagen bekommen die Kunden einen Service der besonderen Art. "Diese Phaeton-Center gibt es bislang nur in China", sagt Schadewald voller Stolz. Drei sind es bislang, noch einmal so viele sollen im nächsten Jahr dazukommen.

Denn China wird spätestens 2010 der größte Markt für die Edelmarke von Volkswagen sein. Dieses Jahr wird der größte europäische Autohersteller dort rund 2000 Phaeton verkaufen. "Nächstes Jahr schaffen wir 2 500 bis 3 000 Stück", sagt Schadewald. "Dann sind wir Nummer Eins."

Seit fünf Jahren ist er in China für die Importe des Wolfsburger Konzerns zuständig - auch für den Phaeton-Verkauf. Krise? Der VW-Manager schüttelt lachend den Kopf. Im neuen Pkw-Land China springt die teure Topklasse gerade erst an. Laut Statistik gibt es in China 364 000 Millionäre. Edle und teuer importierte Autos gehören zur Visitenkarte.

Und während in Deutschland ein Drittel aller Pkw-Verkäufe auf das Premium-Segment entfällt, liegt der Anteil in China bislang bei nur fünf Prozent. "China bietet darum viel mehr Chancen für eine Expansion als die satten Märkte in Amerika oder Europa", sagt Vivien Chan, Analystin bei Sinopac Securities in Hongkong.

Chinesen zahlen bar

Das Verrückte: Die Oberklasse kostet in der Volksrepublik rund doppelt so viel wie in Europa. Grund ist vor allem eine deftige Luxussteuer auf importierte Limousinen. Ob die S-Klasse von Mercedes, ein Audi A8 oder die 7er-Reihe von BMW - Preise ab 150 000 Euro sind normal. "Dennoch zahlen die meisten Kunden bei uns bar", sagt Phaeton-Mann Schadewald. Kein Wunder, dass um diese Kunden ein heftiger Kampf tobt. "Lange Zeit hatte Audi diesen Markt für sich allein", sagt Christoph Stark, Chef von BMW in China. Doch das sei nun vorbei. So war bei der Pekinger Parade zum 60. Jahrestag der Volksrepublik Anfang Oktober eine Polizeiflotte der Marke BMW nicht zu übersehen. Mercedes kündigte vergangene Woche an, man wolle in China nun den Rivalen BMW überholen. Audi ist da noch nicht in Reichweite. Denn während die VW-Tochter Audi relativ früh im Reich der Mitte angetreten war, fahren die Späteinsteiger Mercedes und BMW den Ingolstädtern bei den Verkaufszahlen deutlich hinterher. Mit 123 400 verkauften Wagen hat Audi bis Ende Oktober schon mehr Fahrzeuge verkauft als im ganzen vorigen Jahr.

Doch inzwischen fahren Chinas Behörden und Staatsfirmen gern auch mit dem Stuttgarter Stern oder mit dem "edlen Pferd", wie BMW auf Chinesisch heißt. Gerade im Flottengeschäft gebe es für die Premiumhersteller viel Potenzial, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Noch liege der Anteil der Dienstwagen am PKw-Absatz in Schwellenländern bei nur einem Viertel. Und gerade im Chauffeur-Land China wollen Vertreter von Behörden und Firmen ganz große Limousinen, heißt es in der Studie.

BMW-Manager Stark ist überzeugt, dass sich der Pkw-Boom in China von den Kleinwagen zur Oberklasse verschieben wird: "In zehn Jahren wird sich in China die Premiumklasse stärker als der Massenmarkt entwickeln." Liegt das Verkaufsvolumen heute bei unter 400 000 Limousinen im Jahr, könnten dann schon in ganz China 1,5 Millionen teure Edelfahrzeuge verkauft werden.

Panamera weckt Interesse

Auch bei der Topmarke Mercedes setzt man darum mit seiner frisch frisierten S-Klasse auf das Reich der Mitte. "China ist genau der richtige Markt für die S-Klasse", zeigt sich Ulrich Walker, Mercedes-China-Chef, überzeugt. Auf der im südchinesischen Guangzhou laufenden Automesse werden die Stuttgarter weitere China-Modelle ankündigen. Denn China ist bereits der viertgrößte Markt für die Marke aus Stuttgart.

Wie Daimler geht man auch beim Sportfahrzeughersteller Porsche für China von einem Absatzzuwachs von 50 Prozent aus. Vor allem für den Panamera gebe es großes Interesse, heißt es bei der Jebsen Group in Hongkong, dem größten Porsche-Händler vor Ort. Der im März in Schanghai vorgestellte Familien-Flitzer mit vier Türen verkaufe sich sehr gut. Das Debut in Schanghai - in der Spitze eines Wolkenkratzers - war nicht nur eine spektakuläre Weltpremiere, sondern auch ein klares Signal: China ist für Porsche bald der zweitgrößte Absatzmarkt hinter den USA.

Porsche will ein Fünftel seiner weltweit 20 000 Panamera in China absetzen - obwohl das Modell dort 300 000 Euro kostet. Da müssen die Verkäufer von Phaeton, Audi & Co schon was bieten. Ein Händler in Chengdu bietet seine teuren Limousinen jetzt an exklusiven Verwöhn-Wochenenden im Luxushotel an.

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