Automobilindustrie
Die Partnersuche der Autokonzerne

Wenn nicht jeder eigene Scheibenwischer und Sitze baut, können die Autobauer viel Geld sparen – auch zum Vorteil der Kunden. Nach dem „Kartellgate“ jedoch dürften viele mit Allianzen erstmal vorsichtig sein.
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MünchenDeutsche Autokonzerne kaufen gemeinsam ein, bauen zusammen Motoren, entwickeln neue Techniken. Von solchen Allianzen könnten noch viel mehr Beteiligte profitieren, sagen Branchenexperten. Doch die neuen Kartellvorwürfe gegen VW, Daimler, BMW, Audi und Porsche bremsen Kooperationen aus und werfen ein schlechtes Licht auf Projekte, die den Kunden eigentlich Vorteile bringen sollen.

Ohne Zusammenarbeit auf Zukunftsfeldern seien die deutschen Autobauer „auf gutem Weg, die Technologieführerschaft in Europa zu verlieren“, sagt Stefan Randak vom Beratungsunternehmen Atreus. Auch der Autoexperte und Aufsichtsratschef der Unternehmensberatung Roland Berger, Marcus Berret, meint: „Die Autoindustrie bräuchte viel mehr Kooperation“. Ein einzelner Hersteller allein könne die heutigen Herausforderungen kaum stemmen.

Doch was ist erlaubt, was ist kartellrechtlich verboten? „Es kommt immer auf den Einzelfall an“, sagt Bundeskartellamts-Sprecher Michael Detering. In Paragraf 1 des Kartellgesetzes heißt es: Vereinbarungen zwischen Unternehmen, die den Wettbewerb verfälschen, sind verboten. In Paragraf 2: Sie sind doch erlaubt, wenn sie dem Verbraucher nützen oder dem wirtschaftlichen oder technischen Fortschritt dienen.

„Natürlich können Wettbewerber miteinander reden“, erläutert Detering. „Auch Kooperationen zweier Konkurrenten können okay sein.“ Als Daimler, BMW und Audi zusammen den Kartendienst Here kauften, lobte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt ausdrücklich, dass sich die deutschen Autohersteller zusammentun, „um bei der Entwicklung selbstfahrender Autos vorne zu liegen und dieses Feld nicht US-Konzernen wie Google überlassen“. Gemeinsame Entwicklungen bei Batterien und Ladestationen könnten dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen.

BMW darf auch mit Toyota an der Entwicklung des Brennstoffzellen-Autos arbeiten. Daimler darf Motoren an Aston Martin und an Renault-Nissan liefern. BMW und Daimler dürfen sich beim Einkauf zusammentun. „Solche Kooperationen sind Alltagsgeschäft“, sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hilft sogar bei der Partnerwahl: Auf seinem „Kooperationsportal“ werden Wünsche und Angebote abgeglichen und zusammengeführt.

„Wenn nicht jeder seinen eigenen Scheibenwischer oder seinen spezifischen Fahrzeugsitz entwickeln und bauen lassen würde, könnte die Industrie viel Geld sparen“, sagt Berret. Bei doppeltem Volumen können die Kosten eines Bauteilen 10 bis 15 Prozent sinken. Und mit deutlich mehr Standardisierung „ließen sich locker 20, wenn nicht sogar 25 Prozent der Fahrzeugkosten sparen.“ Beim heutigen Preiskampf im Autohandel würde vor allem der Kunde profitieren.

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Die Zusammenarbeit wird eingebremst

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