
PEKING. Der chinesische Autohersteller Geely hat sich chinesischen Quellen zufolge einen Standort für sein Volvo-Werk in China ausgesucht. Aus einer Mitteilung des Stadtbezirks Jiading im Nordwesten Shanghais geht hervor, dass Geely ein Grundstück in einer Gewerbezone erworben habe. Dort sollten ein neues Hauptquartier für Volvo China, ein Forschungszentrum und Produktionsanlagen errichtet werden. Baubeginn sei nächstes Jahr, die Fertigstellung sei für 2012 geplant, berichtet die Zeitung "Beijing Youth Daily". Volvo selbst teilte allerdings mit, eine Entscheidung über einen Standort in China sei noch nicht gefallen.
Chinesische Medien zitierten Quellen aus Jiading, dass eine Produktionskapazität von 300 000 Stück geplant sei. Es sei vor allem die Herstellung des kleineren Volvo-Modells C 30 sowie des Mittelklassekombis V 70 vorgesehen. In der Forschungseinrichtung sollen 200 bis 300 Ingenieure an Autos speziell für den chinesischen Markt tüfteln. Die chinesische Wirtschaftzeitung "21st Century Business Herald" hatte zuvor berichtet, Geely wolle die Limousine Volvo S 60 künftig in einem vorhandenen Werk in Chengdu bauen.
Produktion und Absatz in China sind ein wichtiges Element der Geely-Strategie, um den angeschlagenen schwedischen Hersteller Volvo wieder profitabel zu machen. Geely-Chef Li Shufu zufolge muss der Absatz auf 380 000 Autos pro Jahr steigen - zehnmal mehr als bisher. Das geht nur mit einer starken Präsenz im chinesischen Markt, der weltweit am schnellsten wächst und auch nach absoluten Zahlen die meisten Autos verkauft.
Fünfjähriger Entwicklungsplan
Doch der Geely-Chef will nicht nur den chinesischen Markt für die Marke Volvo öffnen, er will auch weltweit Oberklassewagen anbieten. "Wir wollen Spitzenautos bauen, die mit der S-Klasse von Mercedes-Benz und dem 7er-BMW konkurrieren", hatte Li Anfang des Monats nach Abschluss der Übernahme von Volvo gesagt und sich damit ehrgeizige Ziele gesetzt.
Geely hat chinesischen Berichten zufolge in den vergangenen sechs Monaten einen fünf Jahre reichenden Entwicklungsplan für Volvo erarbeitet. Bis 2015 soll demnach der Absatz auf 150 000 Autos steigen und Volvo in die Gewinnzone zurückkehren. Zuletzt hatte Volvo einen Verlust von rund einer halben Mrd. Euro im Jahr gemeldet.
Geely selbst setzt bisher jährlich auch nur 300 000 Fahrzeuge ab und galt vor dem Volvo-Deal als ehrgeiziger, aber weniger bedeutender Spieler. Der Auto-Bauer liegt auf Rang 27 der weltweiten Absatz-Hitliste. Geely hatte die schwedische Traditionsmarke Volvo mit Hilfe chinesischer Banken für 1,5 Mrd. Dollar von Ford übernommen.
Genau um den chinesischen Markt geht es. Der V70 für Europa wird weiterhin im schwedischen Torslanda, der S60 im belgischen Gent gebaut, wie der S40 und V50.
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