Industrie

Wie Autobauer mit Minis Geld verdienen wollen

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Große Verluste beim Smart

Ein Mann sitzt auf einer Messe in einem Smart „ForTwo“. Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler hat die Einbrüche im Kleinwagengeschäft zu spüren bekommen. Quelle: dpa
Ein Mann sitzt auf einer Messe in einem Smart „ForTwo“. Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler hat die Einbrüche im Kleinwagengeschäft zu spüren bekommen. Quelle: dpa

Daimler in Stuttgart hat dies mit dem Smart in den zurückliegenden 15 Jahren besonders schmerzhaft zu spüren bekommen. Von der ersten Modellreihe des Zweisitzers wurden zwar rund 1,4 Millionen Exemplare verkauft, aber das Produktionsziel von durchschnittlich 200 000 Autos jährlich wurde nur zu 54 Prozent erreicht. Statt wie geplant für durchschnittlich 12.000 Euro ließ sich der Winzling im Schnitt nur für etwa 9.000 Euro verkaufen. So bescherte der Smart dem Daimler-Mutterkonzern im Laufe der Jahre Verluste von rund 3,35 Milliarden Euro, errechneten die Experten des US-Analyseinstituts von Bernstein Research. Aus diesem Grund kürten sie den Zweisitzer im vergangenen Jahr zum größten Flop der europäischen Autoindustrie in jüngerer Zeit.

Das soll sich nun dank der Kooperation mit Renault ändern. Der neue Smart werde „vom ersten Auto an profitabel sein“, verspricht Markenchefin Winkler: „Wir haben einen starken Business Case, der uns ordentliche Gewinne einbringen wird.“

Die profitabelsten Autokonzerne der Welt

  • Platz 10

    Fiat-Chrysler - 2,15 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2013

    Durch die Fusion mit dem US-Autoriesen retten sich auch die Italiener in die Gewinnzone. Ohne Chrysler stünde unterm Strich ein Verlust von 188 Millionen Euro.

  • Platz 9

    Nissan - 3,28 Milliarden Euro Gewinn

    Die Japaner können beim Gewinn wieder leicht zulegen. Unterm Strich steht ein Plus von etwa zwei Prozent.

  • Platz 8

    Ford - 4,2 Milliarden Euro Gewinn

    Der operative Gewinn fällt bei Ford etwa sieben Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Dabei haben die Amerikaner mit dem Pickup F-150 das meistverkaufte Auto in den USA in ihren Reihen.

  • Platz 7

    General Motors - 4,68 Milliarden Euro Gewinn

    Eine Rückrufserie erschüttert derzeit das Vertrauen der Amerikaner in ihren größten Autokonzern. 2013 war davon noch nichts zu spüren. Der operative Gewinn legt um 13 Prozent zu.

  • Platz 6

    Honda - 4,87 Milliarden Euro Gewinn

    Bei den Japanern sorgt der schwache Yen für Rückenwind im Export. Der operative Gewinn legt um satte 35 Prozent zu.

  • Platz 5

    Hyundai/Kia - 7,16 Milliarden Euro Gewinn

    Das koreanische Duo kann beim operativen Gewinn nicht an die Vorjahre anknüpfen. Bei Hyundai sinkt der operative Gewinn um ein Prozent, bei Kia sogar um zehn Prozent.

  • Platz 4

    Daimler - 7,61 Milliarden Euro Gewinn

    Beim Profit verpassen die Schwaben das Treppchen nur knapp. Vor allem weil der operative Gewinn bereinigt um den Verkauf der EADS-Aktien um 14 Prozent sinkt.

  • Platz 3

    BMW - 7,99 Milliarden Euro Gewinn

    Auch bei den Münchener fällt der operative Gewinn um drei Prozent niedriger aus. Das reich aber immer noch für die Bronzemedaille.

  • Platz 2

    Volkswagen - 11,67 Milliarden Euro Gewinn

    Im Zwölf-Marken-Reich des VW-Konzerns geht es auch beim Profit leicht nach vorne. Zwei Prozent Plus stehen markenübergreifend unterm Strich. Für die Spitzenposition reicht das nicht.

  • Platz 1

    Toyota - 16,91 Milliarden Euro Gewinn

    Beim Profit kann kein anderer Hersteller den Japanern das Wasser reichen. Im Jahr 2013 steigt der operative Gewinn von Toyota um satte 132 Prozent.

  • Quelle

    Studie von Ernst & Young "Die größten Automobilhersteller weltweit" im April 2014.

Der Business Case, also das Geschäftsmodell, sieht so aus: Der neue Smart und der neue Renault Twingo wurden nicht nur gemeinsam entwickelt, sie werden auch gemeinsam gebaut: Die viertürige Version des Smart läuft zusammen mit dem Twingo in einem Renault-Werk im slowenischen Novo Mesto, 60 Kilometer südöstlich von der Landeshauptstadt Ljubljana, vom Band. Obendrein teilen sich alle Modelle eine Vielzahl von Teilen. Die kleinen Drei-Zylinder-Heckmotoren etwa liefert Renault, die Sitze und Assistenzsysteme steuert Daimler bei, das Doppelkupplungsgetriebe ein gemeinsamer Zulieferer

Etwa 60 bis 70 Prozent aller Teile beim Smart und beim Twingo seien identisch, sagt Ali Kassei, der bei Renault die Kleinwagenprojekte verantwortet. Smart-Chefin Winkler spricht lieber davon, dass etwa 90 Prozent der Teile, die der Fahrer sieht und anfasst, „markenspezifisch sind“. Aber auch sie weiß, dass die Hersteller Kleinautos „heute nicht mehr alleine entwickeln“ könnten. Denn erst zusammen kämen Daimler und Renault auf eine Jahresproduktion von über 200.000 Winzlingen.

Kleine Autos – kleine Gewinne: Renault etwa versuchte, dem Fluch der Zwerge bisher zu entrinnen, indem der Konzern die Produktion in Billiglohnländer verlegte und dort alte Technik recycelte. Der Erfolg der Renault-Billigmarke Dacia basiert auf dieser Strategie. Nissan wird diesem Weg mit der neuen Billigmarke Datsun folgen.

Die komplette Neuentwicklung eines Kleinwagens jedoch braucht mehr: eine ausgefeilte Plattformstrategie und mindestens 200.000 produzierte Fahrzeuge pro Jahr. Alleingänge kann sich da nur der VW-Konzern leisten, der den Aufwand auf eine Vielzahl von Modellen verteilen kann, seine sogenannte „New Small Family“ (NSF).

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Anderen bleibt nur die Allianz mit einem anderen Hersteller. So werden Toyota und der französische Autokonzern PSA (Peugeot und Citroën) ihr bereits 2002 gegründetes Joint Venture TPCA fortführen und weiterhin im tschechischen Kolin die Kleinwagen Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 108 produzieren. Technische Basis bleibt die Bodengruppe der ersten Modellgeneration.

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