Automobilindustrie
Karmann hofft auf Geld aus Vertrag mit Chrysler

Der Automobilzulieferer Karmann versucht, vor der betriebsbedingten Kündigung stehenden Mitarbeitern doch noch eine Abfindung zu zahlen. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter einigten sich in einem Verhandlungsmarathon darauf, zukünftige Zahlungseingänge des Unternehmens weitgehend für Abfindungen zu verwenden.

HAMBURG. Der klamme Osnabrücker Lohnfertiger und Automobilzulieferer Karmann versucht, vor der betriebsbedingten Kündigung stehenden Mitarbeitern doch noch eine Abfindung zu zahlen. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter einigten sich in einem Verhandlungsmarathon darauf, zukünftige Zahlungseingänge des Unternehmens weitgehend für Abfindungen zu verwenden, wie die IG Metall gestern in Osnabrück mitteilte.

Konkret geht es um einen von Karmann erhobenen Anspruch in Millionenhöhe gegen den US-Autokonzern Chrysler, den die Niedersachsen vor einem internationalen Schiedsgericht in London durchzusetzen versuchen. Ein Gütetermin ist für den Frühsommer angesetzt. Die abschließende Entscheidung erwarten die Karmann-Manager bis Herbst 2009.

Aus Sicht der Niedersachsen haben die Amerikaner als Auftraggeber beim Auslauf der von Karmann produzierten Chrysler-Modelle vom Typ Crossfire Verträge verletzt. Die Produktion musste Ende 2007 vorzeitig beendet werden, womit die Stückzahl unter den Erwartungen blieb und Anlagen und Mitarbeiter nicht ausgelastet waren. Insgesamt wurden in Osnabrück 76 000 Crossfire gebaut. Coupé und Cabrio auf Basis des Mercedes-SLK-Vorgängers floppten durch eine Fehlschätzung des Währungskurses: Der steigende Euro verteuerte den Export in die USA vom Start des Projekts bis zu seinem Ende um fast 70 Prozent.

Der IG Metall zufolge könnte die Größenordnung einer möglichen Entschädigung durch Chrysler den Abfindungsbedarf decken. Die Gewerkschaft beziffert das Gesamtvolumen auf rund 50 Mio. Euro. Das Unternehmen muss 1 340 der aktuell 3 315 Beschäftigen aufgrund des Aus für den Fahrzeugbau kündigen. Die großen Autokonzerne stellen inzwischen auch Nischenmodelle wie Cabrios verstärkt selbst her. Karmanns angespannte wirtschaftliche Situation lässt im Gegensatz zu früheren Sozialplänen keine Abfindung zu. Die drei Eignerfamilien sehen sich nicht in der Lage, das nötige Geld bereitzustellen - für Osnabrücks IG-Metall-Chef Hartmut Riemann ein "Armutszeugnis für die Sozialverantwortung der Gesellschafter".

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