Automobilindustrie
ZF Friedrichshafen leidet unter Lkw-Krise

Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen rechnet 2009 mit einem dramatischen Rückgang bei der Produktion von Nutzfahrzeuggetrieben. Alleine am Hauptstandort Friedrichshafen dürften 52 Prozent weniger Getriebe als 2008 gebaut werden.

HB FRIEDRICHSHAFEN. Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen rechnet 2009 mit einem dramatischen Rückgang bei der Produktion von Nutzfahrzeuggetrieben. Alleine am Hauptstandort Friedrichshafen dürften 52 Prozent weniger Getriebe als 2008 gebaut werden, sagte Rolf Lutz, Leiter des Unternehmensbereichs, am Montag. Weltweit wird ZF nach den bisherigen Prognosen 31 Prozent weniger Getriebe fertigen.

Folge der weltweiten Lastwagenkrise: Die Kurzarbeit in Friedrichshafen wird stark ausgeweitet, zudem werden die befristeten Verträge von 540 Mitarbeitern nicht verlängert. Auch im Ausland gehen Arbeitsplätze verloren. "Aber wir wollen hier die Stammbelegschaft halten", versicherte Lutz. Derzeit arbeiten 2 500 Produktionsmitarbeiter am Bodensee kurz. Lutz erwartet, dass bald ein Großteil der 2 300 Mitarbeiter in Verwaltung und Entwicklung kurzarbeiten wird. Die Verhandlungen laufen derzeit.

ZF erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit Nutzfahrzeuggetrieben 12,6 Milliarden Euro und damit knapp ein Drittel haben seines Gesamtumsatzes. Wann wieder ein Aufschwung einsetzen werde, vermochte Nutzfahrzeugchef Lutz nicht zu sagen. Derzeit sei auch schwer abzuschätzen, wie viele Aufträge in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten seien. Das Unternehmen geht bisher davon aus, nur noch 308 000 statt 505 000 schwere Getriebe bauen zu können. "Ich habe noch nie erlebt, dass alle wichtigen Märkte der Welt sich in der Rezession befinden", sagte Lutz. Immerhin sei man froh, keine Marktanteile an Wettbewerber zu verlieren. "Wir rüsten uns für den nächsten Aufschwung", sagte er auch unter Hinweis auf die unverminderte Fortsetzung der Produktoffensive etwa mit Hybridlösungen. Nicht glücklich zeigt sich ZF über eine eventuelle Hilfe für die Zulieferkonkurrenz von Schaeffler-Conti. Man sei zum Beispiel bei Kupplungen direkter Konkurrent zur Schaeffler-Firma LUK-- "da wären wir über Staatshilfe nicht sehr erbaut", sagte ein Sprecher.

Lutz blickte trotz dramatischer Einbrüche im vierten Quartal auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2008 zurück. Immerhin wurde noch ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 2,2 Mrd. Euro im Nutzfahrzeugbereich erlöst. Die Mitarbeiterzahl stieg sogar um 13 Prozent auf 8 362, vor allem weil wegen des Booms Leiharbeiterstellen in befristete Jobs umgewandelt wurden. Diese würden aber zwischen Mitte 2009 und 2010 auslaufen. Nach Rekordinvestitionen vor allem am Bodensee in Produktions- und Entwicklungseinrichtungen will ZF nun so viele Investitionen wie möglich ins Jahr 2010 schieben.

dpa-afx

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