Automobilindustrie
Zulieferer auf dem Weg ins Tal der Tränen

Beim Autozulieferer Schaeffler droht offenbar ein großer Stellenabbau. Und das könnte erst der Anfang sein. Der gesamten Zulieferindustrie steht ein heißer Winter bevor. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PA Consulting Group rollt auf die Branche eine Konsolidierungswelle zu. 200 Betriebe könnten in die Insolvenz gehen - 100 000 Jobs wackeln.

HB DÜSSELDORF. Sie heißen Stankievicz, TMD Friction, Edscha, Getrag - und Schaeffler. Die Liste der Zulieferer, die durch die Absatzkrise in der Automobilindustrie in massiven Schwierigkeiten steckte oder es noch tut, ist lang. Und sie dürfte noch länger werden. "Bis Ende 2010 werden voraussichtlich 200 Unternehmen in der Branche in Gefahr geraten", sagt Thomas Brand, Berater bei der Unternehmensberatung PA Consulting Group. Damit, so Brand, stehen letztlich auch bis zu 100 000 Jobs der 320 000 Arbeitsplätze in der Branche (Stand 2007) auf der Kippe.

"Die Zulieferindustrie steht also erst noch vor einer großen Krise", sagt Brand. Das liegt laut einer aktuellen Studie von PA Consulting Group, die Handelsblatt.com vorliegt, vor allem an Überkapazitäten. Die Kapazitätsauslastung der rund 1300 Betriebe in Deutschland ist dramatisch gefallen. Lag sie 2007 noch bei 92 Prozent, dürften es Ende dieses Jahres wohl nur noch 75 Prozent sein. Die Gewinnschwelle liegt laut den Beratern allerdings bei 85 Prozent.

Mit Kurzarbeit versuchen viele Zulieferer die seit der Autorkrise eingetretene Auftragsflaute abzumildern. Aber aus Gesprächen mit zahlreichen Unternehmen wollen Brand und seine Kollegen erfahren haben, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Ganz besonders deshalb, weil der US-Automarkt nach wie vor eine lange Talsohle durchschreitet und die verschiedenen staatlichen Subventionsprogramme für den Autoabsatz - etwa die deutsche Abwrackprämie - spätestens im kommenden Jahr auslaufen werden. Experten wie Autohandel rechnen unisono dann mit einer Absatzdelle.

Schlechte Nachrichten für die Branche. Die Konsequenz ist klar: Fällt die Kurzarbeit aus und bleiben die Auftragseingänge weiter niedrig oder brechen gar noch weiter ein, müssen Kapazitäten heruntergefahren werden.

Das wissen die Unternehmen, das weiß auch die Politik. Und da in diesem Jahr neben verschiedenen anderen Wahlen auch die des Bundestages ansteht, "wird die Katze wohl erst nach der Bundestagswahl aus dem Sack gelassen", sagt Brand. Denn Kapazitätsabbau geht oft auch mit Stellenstreichungen einher - ungünstig in einem Wahljahr. Die Pläne sollen vielerorts schon in der Schublade liegen. Die Zeit drängt. "Wer 2011 eine reine Weste haben will, muss frühzeitig die richtigen Schritte ergreifen", sagt Brand.

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