Automobilkonzern SAIC gelingt der Einstieg auf dem europäischen Markt
Chinesen übernehmen Kontrolle bei MG Rover

Der chinesische Autoriese Shanghai Automotive Industry Corp (SAIC) wird mit MG Rover eine weitreichende Kooperation eingehen. SAIC werde dabei 70 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen halten, in dem die Rechte, die Marken und das Kernvermögen der beiden Autobauer vereinigt werden sollen, dieses bestätigte ein Sprecher von MG-Rover.

HB LONDON. Die frühere BMW-Tochter MG Rover erhält das dringend benötigte Kapital und sichert 6 100 Arbeitsplätze in ihrem Werk in Longbridge. Die beiden Produktionsgesellschaften in Birmingham und Schanghai bleiben unabhängig. „Das ist keine Übernahme, sondern eine Partnerschaft“, erläuterte der Sprecher. Dennoch: Die Chinesen haben künftig faktisch das Sagen bei MG Rover. MG Rover war der letzte große britische Autohersteller, der nicht in ausländischer Hand war.

Die Zusammenarbeit bedarf noch der Zustimmung Chinas. Das Projekt soll der Regierung in Peking bis Jahresende vorgelegt werden. Die Zustimmung werde Ende Januar erwartet.

Angepeilt werde die gemeinsame Produktion von einer Million Autos pro Jahr, die in Europa und China verkauft werden sollen. SAIC und MG Rover wollen in das Gemeinschaftsunternehmen rund eine Mrd. Pfund (umgerechnet rund 1,4 Mrd. Euro) investieren. So viel werde es kosten, eine neue Modellreihe zu bauen, die 2006 mit dem Nachfolger der Limousine Rover 45 starten soll, sagte der Sprecher. Ein Kleinwagen, eine große Limousine und ein Sportwagen sollen folgen. „Der Plan wäre, alle Modelle an beiden Standorten zu bauen“, erklärte MG Rover.

SAIC ist der zweitgrößte chinesische Autohersteller und einer der bedeutendsten lokalen Produktionspartner von Volkswagen und General Motors in dem Land. Die finanzstarken Chinesen wollen zum eigenständigen Autobauer werden und haben große Ambitionen auch im Auslandsgeschäft: Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 zu den sechs weltgrößten Autoherstellern zu gehören. Im Zuge seines Expansionskurses hatte SAIC kürzlich den koreanischen Konkurrenten Ssangyong Motor übernommen. Bislang besitzen die Chinesen aber keine eigene Marke.

So wie SAIC drängen derzeit mehrere asiatische Anbieter auf den europäischen Markt. Der chinesische Autohersteller Chery plant den Aufbau einer Produktionsstätte in Osteuropa und will seine neuen Modelle von italienischen Designern gestalten lassen. Toyota und Hyundai errichten ebenfalls Autofabriken in Osteuropa.

Mit den Chinesen als Partner will die britische Rover-Gruppe ihre langjährige Krise beenden. Das Unternehmen war vor vier Jahren von BMW für den symbolischen Preis von zehn Pfund an die britische Investorengruppe Phoenix verkauft worden, nachdem der Münchener Konzern seine jahrelangen Bemühungen um eine Sanierung aufgegeben hatte.

Doch auch die Phoenix-Investoren schafften es bislang nicht, MG Rover in die Gewinnzone zu führen. Die Verkäufe des britischen Konzerns (Jahresumsatz rund 1,7 Mrd. Pfund) sinken weiter: Statt dem angepeilten Verkauf von europaweit 200 000 Stück wurden 2003 nur 140 000 Fahrzeuge abgesetzt. Die Produktion im Stammwerk Longbridge war zeitweise nur zu 60 Prozent ausgelastet.

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