Automobilzulieferer
Der lange Schatten des Herrn López

In der Automobilzuliefererindustrie rollt eine regelrechte Pleitewelle. Ein Grund dafür ist José Ignacio López: Vor 15 Jahren sorgte der VW-Einkaufschef als knallerharter Kostenkiller für Angst und Schrecken - und einen massiven Preisdruck in der Branche.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das Vorurteil ist verbreitet - aber häufig falsch. Die meisten Unternehmen, so glaubt die Öffentlichkeit, melden Insolvenz an, weil ihnen die Schulden bis zum Hals stehen. Tatsächlich gehen die meisten Firmen pleite, weil sie zahlungsunfähig sind.

Das gilt auch für die hochverschuldeten Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren. In der aktuellen Krise geben die Banken nur dann noch zusätzliche Kredite, wenn die Finanzinvestoren zugleich frisches Eigenkapital nachschießen. Da aber beide Seiten das Risiko scheuen, ist das Ende programmiert. Fast alle aktuellen Insolvenzfälle sind Firmen im Besitz von Finanzinvestoren, so etwa der Modellbahnhersteller Märklin (Kingsbrigde) und der Autozulieferer Edscha (Carlyle).

Doch speziell in der Autozulieferindustrie, in der eine regelrechte Pleitewelle anrollt, haben die Experten auch einen anderen Grund für das Übel ausgemacht: "Es ist der lange Schatten des Herrn López", sagt einer der führenden Insolvenzverwalter Deutschlands. Gemeint ist der frühere VW-Einkaufschef José Ignacio López, der als knallharter Kostenkiller vor etwa 15 Jahren in der Branche Angst und Schrecken verbreitete. Der von ihm ausgelöste massive Preisdruck habe über Jahre dazu geführt, dass die Margen der Zulieferer auf ein Minimum fielen, berichtet der Experte. Mehr als 1,5 Prozent Umsatzrendite akzeptierten viele Autohersteller bei ihren Lieferanten nicht, heißt es in der Branche. Folge: Die mittelständisch geprägten Hersteller von Bremsen, Spiegeln oder Antriebsteilen konnten keine finanziellen Reserven bilden.

Ungewöhnlich an der aktuellen Insolvenzwelle ist nicht nur die schnelle Folge von Firmenpleiten. Ungewöhnlich ist jetzt häufig auch die Zusammensetzung der Gläubigerversammlung. Traf sich dort vor Jahren eine Hand voll Hausbanken, so sitzen den Insolvenzverwaltern heute oft Dutzende von Geldgebern gegenüber, viele davon aus dem Ausland. Durch die Verbriefung von Forderungen haben die Banken ein unüberschaubares Finanzierungsgeflecht geschaffen - mit Gläubigerrechten in komplizierter Rangfolge.

Die Folge: Am Tisch sitzen oft mehr als 50 Gläubiger. Und die seien "total zerstritten", berichtet ein Betriebsrat. Den Insolvenzverwalter habe er daher erst einmal damit beauftragt, der Firma dieses "Finanzchaos vom Hals zu schaffen".

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