Automobilzulieferer
Schaeffler gerät ins Schleudern

Bei dieser Übernahme geht inzwischen alles schief: Der Aufsichtsrat von Conti ist bestürzt über Verschuldung des Großaktionärs. Die Aufsichtsratssitzung des Automobilzulieferers Conti lieferte am Mittwoch teilweise dramatische Erkenntnisse über den Zustand des Großaktionärs Schaeffler. Nach Handelsblatt-Informationen braucht die Schaeffler-Gruppe Milliarden.

FRANKFURT. Die jüngste Aufsichtsratssitzung des Automobilzulieferers Conti lieferte dramatische Erkenntnisse über den Zustand des Großaktionärs Schaeffler. Nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen des Kontrollgremiums präsentierte die Investmentbank Perella Weinberg eine Analyse, nach der Schaeffler kurzfristig eine Eigenkapitalzufuhr von vier bis sieben Mrd. Euro benötigt.

Die Banker schätzen, dass die Nettoverschuldung Schaefflers mit derzeit elf Mrd. Euro sechsmal so hoch liegt wie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Üblicherweise gilt bereits ein 3:1-Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda als kritisch. Es bestehe deshalb starker Druck der Banken auf Konzernchefin Maria-Elisabeth Schaeffler, die Schuldenlast zu senken, hieß es am Mittwoch in der Sitzung.

Der Conti-Aufsichtsrat zeigte sich am Tag danach ernüchtert. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE sagte dem Handelsblatt: "Wir waren uns alle bewusst, welches Risiko in dieser Übernahme steckt. Aber das hier ist nun schon eine ganz besondere Situation. Wir müssen alle zusammen sehen, wie wir die Sache lösen."

Schaeffler lehnte gestern einen Kommentar zu den im Conti-Aufsichtsrat diskutierten Zahlen ab. Das Unternehmen hatte sich im Spätsommer eine Mehrheit an Conti gesichert und den Aktionären ein Angebot von 75 Euro pro Aktie unterbreitet. Fast 90 Prozent der Conti-Aktien wurden Schaeffler angedient. Inzwischen ist der Kurs massiv eingebrochen - aktuell liegt er bei rund 37 Euro.

Schaeffler will auf keinen Fall sofort die Mehrheit an Conti übernehmen, weil dann auch die Schulden des Reifenkonzerns aus Hannover konsolidiert werden müssten. Die überschüssigen Aktien sollen daher bei Banken geparkt und an Investoren weitergereicht werden. Dafür finden sich zurzeit aber kaum Interessenten.

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