Automobilzulieferer
Schaeffler soll Zugeständnisse machen

Die geplanten Staatshilfen für den Zulieferkonzern Continental stoßen auf Widerstand. Arbeitnehmer und Politik stellen Bedingungen für Staatshilfe, Großaktionär Scheffler soll Zugeständnisse machen. Niedersachsen will den Standort sichern.

DÜSSELDORF.Die geplanten Staatshilfen für den Zulieferkonzern Continental stoßen auf Widerstand. Contis Großaktionär Schaeffler müsse Zugeständnisse machen, um die finanzielle Unterstützung durch die Länder Niedersachsen und Bayern sowie den Bund zu erhalten, sagten Arbeitnehmervertreter gestern dem Handelsblatt.

Konkret werden drei Forderungen erhoben: Das verschwiegene Familienunternehmen selbst soll transparent werden und seine Bilanz wie ein börsennotiertes Unternehmen veröffentlichen. Ein mitbestimmter Aufsichtsrat soll erstmals in der Schaeffler-Gruppe installiert werden. Zudem wird von den Arbeitnehmern ein "schlüssiges Gesamtkonzept" für die geplante gemeinsame Autozuliefersparte und die Gummi-Gruppe angemahnt.

Bayern und Niedersachsen prüfen derzeit Hilfen für den neuen Autozulieferer-Verbund, der in der Auto- und Finanzkrise stark unter Druck geraten ist. Geplant sind zunächst jeweils 500 Mio. Euro. Staatliche Kredite oder Bürgschaften wären aber ein Fall für die EU-Kommission - Brüssel würde prüfen, ob es sich um unerlaubte Subventionen handelt.

Bund und Länder wollen am Donnerstag bei einem Spitzentreffen in Berlin über mögliche Hilfen verhandeln. Aus Sicht der Bundesregierung kommt grundsätzlich nur die Gewährung von Sicherheiten in Betracht: "Über Beteiligungen reden wir nicht", hieß es in Berlin. Zunächst sei es entscheidend, von den Unternehmen einen vertretbaren Businessplan vorgelegt zu bekommen. Es könne nicht nur darum gehen, Zeit zu kaufen.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will der hoch verschuldeten Zuliefergruppe aus Schaeffler und Conti nur beispringen, wenn das dem Land nützt. "Geld wird es nur für den Standort Niedersachsen geben", hieß es in Regierungskreisen. Damit dürfte sich das Engagement auf die Gummi-Gruppe als traditionellen Conti-Kern beschränken.

Um Niedersachsens Interessen zu schützen, stützt Wulff sich auf Contis scheidenden Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg, der die geplante Verselbstständigung der Gummi-Gruppe beaufsichtigen soll. Zu dieser gehören die Reifensparten und der Schlauchspezialist Conti-Tech. Dazu bleibt von Grünberg zumindest vorerst Mitglied des Conti-Kontrollgremiums.

Das Zusammenwachsen der zukunftsträchtigen Zulieferbereiche von Schaeffler und Continental ist dagegen Sache von Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. Unter seiner Federführung soll in den nächsten Wochen ein Konzept entstehen. Wie die beiden rechtlich verschmelzen sollen, sei aber noch unklar, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. Erst einmal seien dazu Unternehmensbewertungen nötig. Fest steht aber, dass der Schlüsselteil der Unternehmensgruppe börsennotiert sein soll.

Contis designierter Aufsichtsratschef Rolf Koerfer will sich zu den geplanten Staatshilfen nicht äußern. Ihm kommt es darauf an, so schnell wie möglich einen handlungsfähigen Aufsichtsrat zu erhalten. In den nächsten Tagen soll das Amtsgericht Hannover die vier nominierten Vertreter von Schaeffler benennen. Neben Koerfer sind das die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg Schaeffler und Firmenchef Jürgen Geißinger. Vorher müssen aber vier bereits benannnte Räte der Kapitalseite zurücktreten. Da man sich im Rahmen der Krisensitzung am vergangenen Samstag nicht einigen konnte, wurden schließlich die ausgewählt, die zuletzt in das Kontrollgremium aufgerückt sind, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

Die Investoren reagierten verschreckt auf die mögliche Staatshilfe. Die Continental-Aktie stürzte zeitweise um bis zu 28 Prozent ab und notierte so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr. An der Börse war der Konzern damit nur noch gut zwei Milliarden Euro wert. Für den Kauf von 90 Prozent der Conti-Aktien hatte der fränkische Rivale Schaeffler Anfang des Jahres noch rund zehn Milliarden Euro gezahlt.

In Politik und Wirtschaft fanden die Pläne ein geteiltes Echo. Die IG Metall will Staatshilfen nur zustimmen, wenn sie mit strengen Auflagen verbunden sind. Der Ethikverband der deutschen Wirtschaft lehnte Staatshilfen für die Autozulieferer dagegen ab.

Chronologie des Übernahmekampfes um Continental

15. Juli 2008: Schaeffler kündigt ein Übernahmeangebot über 69,37 Euro pro Aktie in bar an.

16. Juli: Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer kündigt Gegenwehr gegen die Übernahme an.

30. Juli: Die Schaeffler-Gruppe legt ein offizielles Übernahmeangebot vor. Im Zuge eines Swap-Geschäftes vom 17. März hat Schaeffler Zugriff auf 28 Prozent des Conti-Anteils.

21. August: Continental und Schaeffler erzielen eine friedliche Einigung. Schaeffler erhöht das Angebot und beschränkt sein Engagement innerhalb von vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung.

2. September: Schaeffler besitzt inzwischen 48,3 Prozent der Conti-Anteile.

14. November: Schaeffler bekommt von der EU grünes Licht für die formelle Anmeldung der Übernahme, die stark gesunkenen Conti-Aktien schießen mit plus 26,98 Prozent auf 37,27 Euro hoch.

8. Januar 2009: Schaeffler schließt die Übernahme mit der Auszahlung der Aktionäre ab und ist mit einem Anteil von 49,9 Prozent Conti-Großaktionär. Schaeffler bezahlt mit 75 Euro je Aktie mehr als doppelt so viel wie den aktuellen Kurswert. Für die Übernahme hatte der Konzern milliardenschwere Kredite ausgehandelt.

20. Januar: Der Streit eskaliert. Schaeffler wirft dem Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg Sabotage vor und verlangt seinen sofortigen Rückzug.

24. Januar: Auf Druck von Schaeffler tritt von Grünberg zurück. Neuer Vorsitzender des Conti-Aufsichtsrats wird Schaeffler-Vertreter Rolf Koerfer. Schaeffler zieht mit vier Vertretern in das Kontrollgremium ein, darunter auch Maria-Elisabeth Schaeffler.

25. Januar: type="unknownISIN" value="Bayern">Bayern und Niedersachsen wollen den Konzernen mit voraussichtlich jeweils einer halben Mrd. Euro zur Seite springen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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