„Automotive Innovations 2011“
Autobauer geben 50 Milliarden Euro für Forschung aus

Die 20 größten Autobauer der Welt gaben 2010 den Rekordwert von rund 50 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie hervor. Spitzenreiter ist VW.
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DüsseldorfDie 20 größten Autobauer der Welt gaben 2010 den Rekordwert von rund 50 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. 2009 lagen die Investitionen für F+ E bei 48,2 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren gaben die Konzerne erst 44,2 Milliarden Euro aus. Das ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie („Automotive Innovations 2011“) des Center of Automotive Managements in Bergisch Gladbach, das Professor für Automobilwirtschaft Stefan Bratzel führt. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt vor.

Der gewaltige Aufwand lohnt sich für die Unternehmen. „Die Innovationskraft der globalen Autokonzerne steigt auf einen neuen Höchstwert, und das sowohl quantitativ als auch qualitativ“, sagt Bratzel. Mit 634 ermittelten Innovationen und darunter 138 Weltneuheiten verzeichnet der Professor ein neues Rekordniveau.

Dominiert wird das Rennen um automobilen Fortschritt von den deutschen Unternehmen. Wie im Vorjahr liegt Volkswagen mit großem Abstand vorn, die Wolfsburger verzeichnen 128 Innovationen. Auf den zweiten Rang rückt Daimler mit 64 Neuheiten vor, im Jahr 2009 lagen die Stuttgarter noch auf Platz vier. Der Münchner Erzrivale BMW rückt um einen Platz auf Rang vier vor.

Deutlich aufholen konnten zwei internationale Hersteller: Der US-Konzern General Motors (GM) kommt vor allem dank seiner Töchter Opel und Chevrolet auf Rang drei, nachdem es im Vorjahr nur für Rang sechs gereicht hatte. „General Motors zeigt die größte Dynamik", so Bratzels Resümee.

Dazu trägt vor allem das Elektroauto Volt bei, das in Deutschland als Opel Ampera verkauft wird. Besonders die deutsche GM-Tochter Opel weist deutliche Fortschritte bei der Verbrauchssenkung der Motoren auf, bislang lagen die Rüsselsheimer auf diesem Feld im Vergleich zu Volkswagen etwas zurück. Dass GM so gut abschneide, dazu trage Opel einen großen Teil bei, sagt Bratzel. Chevrolet sei dem wichtigsten Innovationsträger auf den Fersen.

Erheblich verbessern kann sich auch Hyundai. Die Koreaner – für Volkswagen mittlerweile intern einer der stärksten Wettbewerber – rücken von Rang neun auf fünf vor. „Für einen Volumenhersteller aus Asien ist das eine bemerkenswerte Leistung“, sagt Bratzel. Hyundai wolle stärker in das Premiumsegment vorstoßen, dafür seien Innovationen wichtig.

Verlierer der Studie ist der japanische Branchenprimus Toyota. Im Jahr 2009 noch auf Rang zwei hinter dem europäischen Rivalen Volkswagen, stürzen die von Rückrufaktionen und Atomkatastrophe im Heimatland gebeutelten Japaner in der aktuellen Innovationsstudie auf Platz acht ab. Das sei mit Abstand die schlechteste Platzierung im Vergleich der Innovationsstärke unter den globalen Autokonzernen seit sein Institut im Jahr 2004 angefangen habe, systematisch zu messen, so Bratzel. Seine Erklärung: „Im Fall von Toyota kommen viele Sonderfaktoren zusammen“, sagt der Autoprofessor, „die Japaner mussten sich mehr auf Produktion und Qualität als auf Innovationen fokussieren.“

Dennoch bleibt es für Bratzel schwer nachvollziehbar, dass Toyota den Vorsprung bei alternativen Antrieben, den die Japaner mit dem frühen Einstieg in die Hybridtechnologie erworben haben, nicht besser ausnutzen. „Toyota droht den Wettbewerbsvorteil zu verschenken“, warnt Bratzel.

Die deutschen Hersteller - lange Zeit Nachzügler in der modernen Technologie, die den klassischen Verbrennungsantrieb mit einem emissionsfreien Elektromotor verbindet - holen deutlich auf. Rund die Hälfte der technologischen Anstrengungen des VW-Konzerns entfallen auf Antriebe – und bei der Mehrheit davon handelt es sich um alternative Formen wie die Hybridtechnologie und den reinen Elektroantrieb.

Insgesamt bleibt allerdings die Verbesserung der etablierten Verbrennungsmotoren in der Autoindustrie im Vordergrund, zeigt die Studie. Im Unterschied zur öffentlichen Fokussierung auf alternative Antriebsformen steigt die Zahl der Innovationen mit konventioneller Verbrennungstechnologie auf jetzt 160 Neuheiten weiter an.

Die Innovationen im Hybridbereich legen immerhin auf 88 zu – Neuerungen bei der Elektromobilität stagnieren dagegen mit 29 Innovationen. 

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