Autonomes Fahren: Raum Stuttgart soll zum Cyber Valley werden

Autonomes Fahren
„Das Gehirn für selbstfahrende Autos kommt von Bosch“

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Raum Stuttgart soll zum Cyber Valley werden

Der Industriekonzern tritt damit auch in direkte Konkurrenz mit den Internet- und IT-Giganten. Und die Konkurrenz schläft nicht. Intel will Mobileye, den israelischen Hersteller intelligenter Kameras, für 14 Milliarden Euros übernehmen, wie Anfang der Woche bekannt wurde.

Denner setzt auf die eigene Stärke, Zukäufe von Entwicklungsdienstleistern und die Autokompetenz des Konzerns. Langfristig will er zusammen mit Universitäten im Raum Stuttgart ein Cyber-Valley aufbauen und nach dem Vorbild des Silicon Valley ein Cluster aus Industrie, Forschung und Start-ups für Künstliche Intelligenz schaffen.

Der Autocomputer ist aber nicht der einzige Vorstoß, sich Wertschöpfung beim selbstfahrenden Auto zu sichern: Bosch startet eine neue Software-Plattform, mit dem sperrig englischen Namen „Bosch Automotive Cloud Suite“. Sie soll das technologische Herzstück für Services und Dienste rund ums vernetzte Auto werden.

Geht es nach den Vorstellungen der Schwaben, dann bemerkt das Auto der Zukunft, dass der Fahrer in wenigen Tagen ein ganztägiges Arbeitstreffen direkt neben einer Werkstatt hat, und meldet das Auto dort für eine Inspektion an. Durch die Bordsensorik weiß das System auch, welches Ersatzteil benötigt wird und bestellt es gleich mit.

Dem Fahrer wird diese Lösung vorgeschlagen. Er muss nur noch zustimmen. Das Auto soll zum persönlichen Begleiter werden. Im Zweifelsfall kennt das Auto auch den Terminkalender, weiß, dass Valentinstag ist und man zumindest Blumen oder Pralinen der Partnerin an Feierabend mitbringen sollte.

Weitere Geschäftsfelder will sich Bosch mit einem System für Datensicherheit erschließen. Mit „Blockchain“ sollen sich beispielsweise Vereinbarungen, Verträge und Zahlungen sicher und ohne Beteiligung Dritter – wie etwa Banken oder PayPal – durchführen lassen. Die Basis ist eine Art dezentrale Datenbank, die die auf ihr hinterlegten Informationen auf tausende Rechner verteilt. Das macht die Daten fälschungssicher und die Verbraucher sind weniger abhängig von einem einzelnen Rechenzentrum.

Alle Projekte zur Künstlichen Intelligenz, Cloud oder Datensicherheit haben für den Konzern hohe Bedeutung weit über den Autobereich hinaus. Der traditionelle Industriekonzern mit über 70 Milliarden Umsatz treibt das Thema Vernetzung seit der Berufung von Denner vor fünf Jahren massiv und mit sehr hohem Aufwand voran. Die Schwaben haben ein Heer von inzwischen 15000 Softwareentwicklern und einen eigenes Softwarehaus.

Für den Konzern ist die digitale Ausrichtung überlebenswichtig, da niemand weiß, wie schnell der Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto gehen wird. Geht es schneller als erwartet, bricht dem Konzern mit der Einspritztechnologie die wichtigste Cashcow weg.

Zudem ist Bosch als Zulieferer der Steuerungssoftware für Volkswagen in den Diesel-Abgasskandal verwickelt. Die Schwaben halten sich weiter für unschuldig, haben aber bereits 300 Millionen Euro Schadenersatz in den USA gezahlt, um langwierige Prozesse zu vermeiden.

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Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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  • "Geht es nach den Vorstellungen der Schwaben, dann bemerkt das Auto der Zukunft, dass der Fahrer in wenigen Tagen ein ganztägiges Arbeitstreffen direkt neben einer Werkstatt hat, und meldet das Auto dort für eine Inspektion an. "

    Das erscheint mir dann doch als zu kurz gedacht: Warum soll ich noch einen teuren Privatwagen in der Garage stehen haben, wenn ich via z.B. eine Uber App oder ähnliches innert Minuten ein autonomes Fahrzeug beliebiger Fahrzeugklasse anfordern kann? Um Inspektionen brauchen wir uns nicht mehr zu kümmern und die lästige Parkplatzsuche gibt es auch nicht mehr.

    Es braucht auch deutlich weniger Parkplätze weil, weil die Autos nicht mehr 23 Stunden/Tag herumstehen, sondern meist unterwegs sind. Die datentechnische Herausforderung besteht dann darin, diese riesige Flotte(n) an autonom fahrenden Fahrzeugen zu steuern und optimal einzusetzen. Ob Bosch hier eine Chance hat?

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