Autonomes Fahren Wie die Autos denken lernen

Schon heute steuern Autos selbst durch den Stau und parken ein. Doch Baustellen oder Unfallstellen überfordern die smarten Fahrzeuge schnell. Nun müssen die Konzerne ihren Autos beibringen, selbst zu denken.
Auch autonome Fahrzeuge müssen erst Fahren lernen. Quelle: Here
Verkehr aus Sicht des Autos

Auch autonome Fahrzeuge müssen erst Fahren lernen.

(Foto: Here)

Ein Zebrastreifen in einer belebten Innenstadt kann eine perfekte Falle sein – zumindest für ein selbstfahrendes Auto. Wo ein menschlicher Fahrer sich langsam vortasten würde, handelt das Auto ganz rational. Es erkennt jeden Fußgänger als potenzielles Hindernis und wartet, wenn nötig, stundenlang.

Es sind Situationen wie diese, die in den Entwicklungszentren der Autoindustrie für Kopfzerbrechen sorgen. Mittlerweile können Autos ihre Umwelt schon gut erfassen. Über Sensoren erkennen sie andere Fahrzeuge und Fußgänger, Verkehrsschilder und auch Zebrastreifen. Doch aus den vielen Daten, die Autos heute schon sammeln, können sie nicht immer die beste Entscheidung treffen.

„Die Herausforderung wird es sein, den Autos das vorausschauende Fahren beizubringen“, sagt Aaron Dannenbring. Der US-Amerikaner leitet das Kartengeschäft von Here. Vor drei Monaten wurde der frühere Nokia-Kartendienst von Audi, BMW und Daimler übernommen. Die Hersteller brauchen die detaillierten Daten, um ihr autonomes Auto auf die Zukunft vorzubereiten.

Ab 2020 sollen teilautonome Systeme einen signifikanten Anteil an der verkauften Fahrzeugflotte ausmachen. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona kündete zuletzt Ford an, die Investitionen in die Weiterentwicklung zu verdreifachen.

„Egal, ob das Auto der Zukunft von Benzin, Diesel, Wasserstoff oder Sonnenlicht angetrieben wird – es wird immer durch eine riesige Menge an Daten angetrieben“, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor wenigen Wochen bei einer Rede auf dem CAR-Symposium in Bochum.

Millionen Daten sammeln Autos schon heute. In Zukunft – und das ist die Revolution – sollen sie ihre Daten auch teilen und gemeinsam daraus lernen.. „Man kann sagen, dass die aktuelle Generation von selbstfahrenden Autos gerade den Kindergarten verlassen hat”, sagt Zetsche.

Ein Auto, das heute selbstständig über die Autobahn fährt, kann zwar beschleunigen, überholen und bremsen. Doch schon bei Baustellen und Unfallsituationen ist das System oft überfordert. Parkt ein Auto in der zweiten Reihe auf einer Straße mit einer durchgezogenen Linie, wartet ein autonomes Auto dahinter. Die Maschinen von heute brechen keine Regeln.

Um in der Realität zu bestehen, müssen die Autos von den Menschen lernen. Der US-Autobauer Tesla schult seine Modelle darum nicht auf dem Testgelände, sondern auf der Straße. Der halbautonome Assistent, den Tesla in sein Model S verbaut hat, wertet die Daten der Fahrer aus – und trainiert so sein Auto. Ähnlich verfährt Daimler in der neuen E-Klasse.

Diese Autobauer investieren am meisten
Platz 15: Kia
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Ob neue Montagehallen oder Labors: Die Autoindustrie hat ihre Investitionen in den vergangenen Jahren zufolge deutlich hochgeschraubt. 51,9 Milliarden Euro haben die 16 größten Autohersteller der Welt in Fabriken, Forschungszentren und andere Bereiche gesteckt – gut 45 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2010. Das sind die Ergebnisse des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY). Dabei gehören Kia, Mazda (Platz 16) und Mitsubishi (Platz 14) zu den Schlusslichtern. Die Autobauer haben 2015 keine Investitionen getätigt.

Quelle: EY-Studie

Platz 13: Suzuki
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Grund für die höheren Anstrengungen ist die weltweit brummende Autokonjunktur – der Markt wird größer, also strengen sich die Firmen an, um mehr abzubekommenden vom größeren Absatz-Kuchen. Suzuki hat im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro in Projekte investiert. Insgesamt waren es 180 Investitionsprojekte.

Platz 12: Renault Group
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Von 2010 bis 2015 gingen die Investitionen Schritt um Schritt nach oben – zuletzt lag das Plus 2015 bei fast 50 Prozent. Einzig 2013 gab es ein Minus. Die französische Renault Group hat 500 Millionen Euro in Projekte gesteckt.

Platz 11: BMW Group
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Einer der Hauptprofiteure des weltweiten Investitionsbooms ist Deutschland: Seit 2010 wurden in Deutschland insgesamt 139 Investitionsprojekte im Gesamtwert von 20,7 Milliarden Euro durchgeführt – allein im vergangenen Jahr belief sich das Investitionsvolumen in Deutschland auf zwölf Milliarden Euro. 600 Millionen Euro kommen von BMW.

Platz 10: PSA Group
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700 Millionen Euro hat die PSA Group im vergangen Jahr ausgegeben. „Die Unternehmen haben jetzt das Geld, um langfristige Investitionen zu tätigen“, sagt Studienautor Peter Fuß.

Platz 9: Honda
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Mit Investitionen in neue Modelle und Produktionsverfahren will Honda jährlich mehr Autos verkaufen. 1,1 Milliarden Euro war das dem japanischen Konzern vergangenes Jahr wert.

Platz 8: Nissan
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Der Nissan Leaf ist das bisher weltweit meist verkaufte Elektroauto. Auch in Zukunft will der Konzern in dieser Sparte führend bleiben. Diese und andere Projekte kosteten den Autobauer im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr will Nissan 35 Millionen Euro in sein Elektroauto-Batteriewerk investieren.

Doch selbst diese Daten alleine würde nicht reichen, um ein vollautonomes Auto zu bauen, ist sich Here-Kartenexperte Dannenberg sicher. „Kein Autohersteller dieser Welt ist groß genug, um alleine ausreichendend Daten für effektive Echtzeit-Systeme zu sammeln“, sagt er. Die Autos müssen sich untereinander informieren, über ihre Geschwindigkeit, ihre Umgebung, über Staus und Unfälle. „Jedes Auto“, so drückt es Daimler-Chef Zetsche aus, „wird wie ein Neuron in einem globalen Verkehrsnetz agieren”.

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