Autoprofessor Dudenhöffer zum Kartendeal
„Der Vorsprung von Here kann schnell schmelzen“

Mit der Übernahme des Kartendienstes Here steigen Audi, BMW und Daimler ins Datengeschäft ein. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer erklärt im Interview, warum Google den Deutschen trotzdem weiter gefährlich werden kann.
  • 2

Für 2,8 Milliarden Euro haben Audi, BMW und Daimler gemeinsam den Kartendienst Here von Nokia übernommen. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen, erläutert, welche Herausforderungen die Autobauer nun bewältigen müssen – und warum Google am Ende trotzdem die Nase vorne haben könnte.

Herr Dudenhöffer, die Übernahme von Nokia Here wird von einigen Marktbeobachtern als „Zeitenwende für die deutsche Autoindustrie“ bezeichnet. Wie bewerten Sie den Deal? Können die deutschen Autobauer Google nun die Stirn bieten?
Für wichtige Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren sind hochpräzise Karten unverzichtbar. Von daher ist es nachvollziehbar und wichtig, dass sich die Automobilbauer um dieses Thema kümmern und nicht alles Google überlassen. Die Frage ist, ob das der Weisheit letzter Schluss ist. Es kommt sehr darauf an, wie schnell sich die Autobauer in dieser neuen Branche zurechtfinden.

Viele sprechen von einem „historischen Schulterschluss“. Kann so eine Kooperation zwischen Wettbewerbern wirklich gelingen?
Wir haben in der Vergangenheit schon gesehen, wie die Autobauer sich gemeinsam bemühten, digitale Zukunftsprojekte voranzutreiben. Vor etwa zehn Jahren haben Daimler-Chrysler, General Motors und Ford beispielsweise mit Covisint versucht, eine gemeinsame Internet-Plattform für den elektronischen Einkauf zu schaffen. Später haben sich PSA Peugeot/Citroën, Renault und Nissan angeschlossen. Nüchtern betrachtet war das Projekt aber schon nach wenigen Jahren kläglich gescheitert.

Woran lag das?
Andere haben die Technologie besser beherrscht als die Autobauer damals. Da ging der Lernprozess nach meiner Einschätzung nicht schnell genug und man hat sich zu große Ziele gesetzt. Auch damals wollte man die ganze Welt damit ändern, nur noch in Auktionen kaufen und Milliarden von Dollar sparen. Das waren alles Luftblasen. Die Gefahr ist groß, dass man auch heute viel Lehrgeld bezahlt, weil man die Branche nicht gut genug kennt.

Aber in der Autobranche gilt Here doch schon heute als der wichtigste Lieferant von hochpräzisen Karten…
Wichtiger als die reinen Karten sind die Dienste, die man mit den Karten entwickelt. Das geht weit über das Auto hinaus und fällt darum nicht unbedingt in die Kernkompetenz der Autobauer. Google und Apple sind in dieser Branche aufgewachsen und kennen sich aus.

Noch steht nicht fest, wie genau die neue Gesellschafterstruktur aussehen wird. Die drei Käufer haben jeweils ein Drittel von Here übernommen. Eine gute Lösung?
Besser wäre es sicher gewesen, Investoren an Bord zu haben, die besser bündeln und vernetzen können und damit andere Autobauer und Branchen smarter beliefern könnten, wie etwa Bosch, Continental und Internetgrößen wie die chinesische Baidu. Es bleibt das Kernproblem, dass hier drei starke Wettbewerber versuchen, gemeinsam etwas zu stemmen. Diese Wettbewerber wollen sich unterscheiden. Von daher wird man die strategischen Ziele nicht immer unter einen gemeinsamen Hut bringen können. Selbst wenn man sich darauf verständigt, als Gesellschafter nicht ins operative Geschäft einzugreifen. Als Gesellschafter stellt man ja strategische Weichen. Und die können sich unterscheiden.

Seite 1:

„Der Vorsprung von Here kann schnell schmelzen“

Seite 2:

„VW könnte das Konstrukt dominieren“

Kommentare zu " Autoprofessor Dudenhöffer zum Kartendeal: „Der Vorsprung von Here kann schnell schmelzen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gedruckte Teile aus 3d-Druckern werden NIE adäquate Teile für mechanisch beanspruchte Bauteile liefern. Warum wohl gibt es in heutigen Autos z.B. hochqualitative und hochfeste Schmiedeteile, wenn man die gleiche Geometrie auch in Plastik machen könnte.
    Dudenhöffer ist Betriebswirtschaftler - das war die Generation von Leuten wie LOPEZ, die Opel an den Rand des Bankrotts trieb.

  • Das sieht nachneinem gutem Deal aus, 2,7 Mia. für den weltweit besten Kartendienst.
    Nokia hatte ihn 2.008 für 5,7 Mia. gekauft, viel Geld hineingesteckt und ihn dann nach der Umbenennung zu Here für alle Systeme geöffnet.
    Die drei Autobauer kennen sich gut, wie ohnehin das einander Kennen in der Autobranche inniger ist, als in vielen anderen Branchen.
    Das sie schnell und radikal-konsequent mit Anderen,mwie z.B. Yelp, Baidu usw. kooperieren müssen, dürfte ihnen klar sein.
    Sie haben ja die Fehlentscheidung nun direkt vor Augen, die zum Absturz ganzer Konzerne führen können, der Verkäufer, Nokia, hatnes ja beeindruckend vorgemacht.
    Erst kauften sie alle Anteile von ihrem altem Betriebssystem Symbian für Milliarden zusammen, was extrem Code-Zeilen hungrig und für graphische Oberflächen ungeeignet war, doch weil sie diese Milliarden investiert hatten reagierten sie vollkommen falsch aufbdie Apple Herausforderung und setzten einseitig aufbeine Flut von neuen Modellen und Funktionen, womit sie beeindruckend schnell unterging.
    Es ist unglaublich, was dort zwei Manager nach dem Jahr 2.000 angerichtet haben.
    Das deutsche Auto-Tripple ist also gewarnt, ihre Industrie steht vor gigantischen Herausforderungen, neben der Elektrifizierung im Allgemeinem sollten sie sich gut überlegen, ob sie die Produktion von Batteriezellen weiterhin außen vor lassen.
    Wahrscheinlich wird derjenige in Zukunft die Nase vorn haben, der beim 3 D-Druck in Zukunft die Entwicklung anführt, nicht nur ganze Häuser werden in wenigen Tagen gedruckt, auch Autos und dies mit unterschiedlichsten Materialien, auch Receykelten!
    Wenn Apple seine ersten Schritte, voelleicht mit BMW hinter sich hat, dann werden sie früher oder später auf diese Technologie setzen, denn jeder weiß wie weit und der der Weg ist, als Hersteller konventioneller Autos, seien es Elektroflitzer oder Benziner, damit Geld zu verdienen und die gigantische Logistik mit mehr als 15.000 Teilen pro Fahrzeug klarzukommen!
    Das gedruckte Auto kommt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%