Autosalon Genf
Wie deutsche Autos zu Nichtrauchern werden sollen

Mit neuen Antrieben wollen die deutschen Autobauer ihre CO2-Emmissionen senken. In Genf stellen Audi, VW und BMW ihre Prestigeobjekte vor. Doch von der Marktreife sind die meisten Modelle noch weit entfernt.
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GenfWie bringt man einen Kettenraucher zur Abstinenz? Diese Frage stellen sich nicht nur Gesundheitspolitiker, sondern auch die EU-Kommission. Mit strikten Vorgaben zwingt Brüssel die deutschen Premiumhersteller, den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge zu senken. In Genf zeigen die Autobauer, wie der Ausstieg funktionieren soll.

Es war 2012, als Greenpeace-Aktivisten die große Volkswagen-Pressekonferenz auf dem Autosalon in Paris sprengten. „Volkswagen, wir rauchen“ , stand auf ihrem Transparent. Eine Blamage, die sich nicht wiederholen soll. In Genf will Volkswagen der Welt darum beweisen, dass der Konzern zum Nichtraucher werden kann. Schon auf dem Markenabend verkündete VW neue, ehrgeizigere Klimaziele. Bis 2018 will der Konzern nicht nur der größte, sondern auch der umweltfreundlichste Autobauer werden. „Das ist ein guter Tag für den Klimaschutz“, lobte selbst Greenpeace die Ankündigung.

Ganz freiwillig ist die Nichtraucherinitiative von Volkswagen allerdings nicht. Denn der Konzern muss den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer sinken, so verlangt es eine EU-Richtlinie. Ein Wert, von dem insbesondere die Premiummarken des Konzerns noch weit entfernt sind. Um weiter Bugattis, Bentleys und Porsches bauen zu können, muss VW den Antrieb umbauen.

Der Schlüssel dazu soll die Plug-In-Hybrid-Technologie sein, ein Zwitter aus Verbrenner und Elektromotor, dessen Lithium-Ionen-Batterie über die Steckdose geladen werden kann. Vor einem Jahr hatte der VW-Aufsichtsrat beschlossen, bis 2016 knapp 33 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten zu investieren – und die ersten Ergebnisse sind in Genf sichtbar.

Zum einen das Modell des guten Willens: der XL1. Das erste Ein-Liter-Auto des Konzerns eröffnete nicht nur den Markenabend. Der Plug-In-Hybrid, der auf 100 Kilometer nur noch 0,9 Liter verbraucht, bekommt auch auf der Messe seinen großen Auftritt. Er wird in einer Kleinserie von 250 Stück produziert wird, über den Preis schweigt VW sich noch aus. Patriarchen-Gattin Ursula Piëch hat sich ein Exemplar für 100.000 Euro gesichert. Bei 1700 Arbeitsstunden, die in einen XL1 investiert werden müssen, ein guter Preis. Doch es dürfte nicht viele Autokäufer geben, die diese Summe in einen VW investieren.

Kommentare zu " Autosalon Genf: Wie deutsche Autos zu Nichtrauchern werden sollen"

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  • Neue Autos? Früher kam man vorn von links nach rechts . Heute unmöglich. Früher aus Sicherheitsgründen: Türen grundsätzlich nur vorn. Und heute? Früher wurden die Türen durch seitliche Gummileisten geschützt. Und heute? Es müsste Pflicht sein, einen Heckscheibenwischer zu haben. Nur in Deutschland regnet es nicht, so Audi- und BMW verkäufer. Da benötigt man keinen Heckscheibenwischer.

  • Natürlich, das Auto als "Kettenraucher". Was sind dann die Industrie (vor allem mit Emissionshandel), sowie die Schifffahrt?

  • Wir fahren also alle demnächst Autos mit Elekromotoren, die einen geringen CO2 Ausstoß haben, und fühlen uns sehr edel dabei. Dumm nur, dass in Deutschland der größte Stromlieferant die Braunkohle ist, die wiederum der schmutzigste Energielieferant überhaupt ist.

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