Autosalon in Paris
Autobranche ohne Glanz

In anderen Jahren ließ die Autobranche stolz ihre neuen Karossen beim Autosalon in Paris vorfahren. Dieses Mal verderben die rapide sinkende Nachfrage und die Finanzkrise den Autobauern die Laune.

HB PARIS. Dabei hätten die Hersteller gerne Schlagzeilen mit neuen, umweltfreundlichen Modellen gemacht. Doch wenige Tage vor der Eröffnung der Messe in der französischen Hauptstadt lenken die Zuspitzung der weltweiten Finanzkrise und extrem schlechte Absatzzahlen vom weltgrößten Automarkt USA alle Blicke auf die Geschäftslage der Autobauer.

Dabei waren die Firmen gut präpariert nach Paris gekommen, um das Zeitalter des grünen Automobils auszurufen. Mit einer Flut von Prototypen wie dem sparsamen Kleinwagen A1 von Audi, dem Elektroauto Volt von GM bis hin zur Ankündigung von Peugeot für einen besonders verbrauchsarmen Diesel-Hybridwagen setzen die Hersteller voll auf die Umweltwelle.

Noch hat aber keiner ein richtiges Zugpferd auf der Straße, das Verbraucher überzeugen könnte, die jeden Euro oder Dollar zweimal umdrehen müssen. Serienreife Elektroautos kommen erst nach 2010 auf den Markt. Bis dahin dauert ohnehin die Durststrecke, die die Hersteller als Folge der weltweit grassierenden Finanzkrise erwarten.

"2009 wird nicht besser als 2008", sagte Ford-Chef Alan Mulally. "Wir werden bis 2010 keine Erholung sehen." Auch andere Automanager sprechen auf der Messe offen von Krisenstimmung. BMW-Chef Norbert Reithofer rechnet nicht vor Mitte 2009 mit einer Erholung in den Automärkten in den USA und Europa. Der Chef des Europageschäfts von General Motors, Carl-Peter Forster, warnte vor weiteren Stellenstreichungen und Werksschließungen in der Branche. Von dem Opel-Mutterkonzern seien jedoch keine weiteren Ankündigungen zu erwarten. Forster zufolge ist die Laune der Verbraucher so schlecht wie seit der Krise Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Schuld daran sei nicht nur die Finanzkrise, sondern auch die Inflation, ein schwacher Häusermarkt und hohe Zinssätze.

Nach sieben fetten Jahren stehe der Branche eine zwei bis drei Jahre dauernde Talsohle bevor, erwartet Detlef Wittig, Vertriebschef von Volkswagen. Europas größter Autokonzern sieht sich dank seines breiten Modellangebots mit dem Bestseller Golf in inzwischen sechster Generation an der Spitze und dem verkaufsstarken A4 der Tochter Audi "relativ besser gerüstet" als die Konkurrenz. BMW will mit verbrauchs- und schadstoffarmen Fahrzeugen punkten.

Während die europäischen Hersteller die milliardenschweren Entwicklungskosten für Spritspartechniken und Kleinwagenkonzepte selber schultern, greifen die USA ihrer kriselnden Autoindustrie mit einem 25 Milliarden Dollar schweren Kreditprogramm unter die Arme. Das treibt die deutschen Hersteller auf die Barrikaden, zumal die Großen unter ihnen selbst in den USA produzieren. Deshalb wollen sie in Gesprächen mit den US-Behörden eigene Ansprüche anmelden. Andernfalls wollen sie die Staatsknete als Wettbewerbsverzerrung anprangern.

Volkswagen denkt bereits über Einschnitte nach. "Wenn sich die Märkte weltweit weiter so dramatisch entwickeln, müssen wir über die Drosselung der Produktion nachdenken", sagte ein Spitzenmanager der Agentur Reuters. Schwierig ist die Lage bei Seat in Spanien, wo der Absatz wegen der Immobilienkrise eingebrochen ist. Seat kappt ab November die Produktion um fünf Prozent. BMW will sich die Entwicklung in Europa genau ansehen und eventuell die Produktion ebenfalls weiter kürzen. Dazu würden flexible Instrumente wie Leiharbeit und Arbeitszeitkonten genutzt.

Der Konzern hat bereits angekündigt, bis zu 25 000 für den US-Markt bestimmte Autos gar nicht erst zu bauen und 20 000 Fahrzeuge in Märkte umzuleiten, wo sie mehr Gewinn abwerfen. Allerdings greife die wirtschaftliche Schwäche auf immer mehr Länder über, warnte Vorstandschef Reithofer.

In Schwellenländern, in denen die Autobauer wegbrechende Absätze auf ihren Heimatmärkten USA und Westeuropa bisher wettmachen können, zeichnet sich ein langsameres Wachstum ab. "In Osteuropa wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel", sagte ein Spitzenmanager. Im aufstrebenden China, wo alle Hersteller mit Blick auf bislang zweistellig wachsende Absätze ihre Kapazitäten erhöht haben, ist die erhoffte Euphorie nach der Olympiade ausgeblieben. Auch im bisher boomenden Südamerika stellen sich die Hersteller auf eine schwächere Nachfrage ein.

Auch Weltmarktführer Toyota stellt seine Pläne auf den Prüfstand. Mitsuo Kinoshita, Topmanager bei dem japanischen Autobauer, sagte, die Bankenkrise treffe zunehmend die Verbraucher. Toyota erwäge nun, seine Verkaufsziele für dieses und das nächste Jahr zu überdenken.

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