Autosalon Paris
Messe ohne Mitte

Morgen beginnt der Autosalon in Paris. Die Hersteller haben kaum Grund zur Champagnerlaune. Der Markt in Europa trübt sich wieder ein. Verdient wird nur mit Kleinwagen, SUVs und Premiumfahrzeugen.
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ParisFür Europas zweitgrößten Autokonzern, PSA Peugeot/Citroën, ist der Autosalon in Paris eigentlich ein Heimspiel. Dieses Jahr wirkt es, als sei die alle zwei Jahre stattfindende Messe nicht mehr als eine Pflichtaufgabe. Über Erfolg und Misserfolg der nächsten Jahre entscheidet vor allem, ob es den Franzosen endlich gelingt, sich in lukrativen Märkten global zu etablieren. Das Auswärtsspiel ist für PSA wichtiger als das Heimspiel.

Darum will das Duo, das traditionell stark in der Mittelklasse unterwegs war, endlich eine starke Premiummarke aufbauen. Mit der einstigen Citroën Modellreihe DS verfolgen sie große Pläne. Sie soll mit Hilfe des neuen Anteilseigners Dongfeng endlich nicht nur in China Fuß fassen. Sie soll gleichzeitig das lukrative Premiumsegment erschließen – und die Franzosen so aus der Tristesse auf dem Heimatmarkt befreien. Vorerst ist die Marke nicht mehr als eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft – und muss mit teilweise heftigen Rabatten in den Markt geschubst werden.

Auch die Schwestermarke Peugeot zeigt in Paris eher Hoffnungsträger als neue Bestseller: Der 208 Hybrid Air 2L fährt mit einem Drucklufttank statt einer Batterie. Die Studie Quartz soll einen Ausblick geben, wie ein Nachfolger des Peugeot 3008 aussehen könnte. Von der Serie sind beide Fahrzeuge noch weit entfernt, für die Verkäufe sind sie daher erst mal irrelevant. Es gilt als wahrscheinlich, dass PSA in den kommenden Monaten weitere Marktanteile einbüßen und damit den Titel als zweitgrößter Autobauer Europas abgeben wird.

Die Franzosen gehören zu den größten Opfern des immer noch lahmenden Automarktes in Europa. Verkauft wird nur noch, was ganz klein und günstig oder ganz groß und teuer ist. Die Mittelklasse verliert an Bedeutung in Europa – darum feiern auch nur wenige Neuheiten aus diesem Segment ihre Premiere an der Seine. Während nach den Zahlen des Kraftfahrzeugbundesamtes im Jahr 1999 noch 22,5 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge der Mittelklasse zugerechnet werden konnten, waren es im Jahr 2013 nur noch 12,6 Prozent.

Drei große Trends sind verantwortlich für diese Entwicklung, sagt Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive der FHDW Bergisch-Gladbach. Zum ersten müssen die Hersteller Kleinwagen in ihre Flotte aufnehmen, um den strengen Abgasvorgaben gerecht zu werden. Zum Zweiten sei die Nachfrage nach SUV ungebrochen – zulasten der klassischen Mittelklasse. Und zum dritten sei der Markt für Erstwagen in Europa übersättigt, während der Markt für Zweitwagen noch Potential hat. „Hier sind vor allem kleine und günstige Fahrzeuge gefragt“, sagt Bratzel.

So verwundert es nicht, dass ausgerechnet die rumänische Renault-Tochter Dacia der größte Gewinner im Markt ist. Derzeit wächst keine Automarke so rasant wie die Rumänen. Mit 2,9 Prozent Marktanteil in Europa rangiert Dacia mittlerweile sogar vor Seat, Kia und Mazda – und legte alleine im ersten Halbjahr dieses Jahres um weitere 36 Prozent zu. Nach dem Erfolg des Sandero Stepway, der optisch ein wenig geländetauglicher daherkommt als das Standardmodell, will man nun auch den Dokker und den Lodgy als Stepway-Variante präsentieren. Auch deren Erfolg am Markt gilt als wahrscheinlich.

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