Autostudie
Die falsche Bescheidenheit der Chinesen

Chinas Autokonzerne spielen auf dem Weltmarkt derzeit noch keine Rolle. Das soll sich in den nächsten zehn Jahren ändern, sagt eine Studie von Ernst & Young. Die chinesische Offensive ist staatlich geplant.
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DüsseldorfFür Volkswagen sähe es düster aus, gäbe es China nicht. In den USA schrumpfte der Absatz der Wolfsburger zuletzt und auch in Europa hat den Branchenprimus die Absatzkrise längst erfasst. Ganz anders das Bild in Fernost: Trotz eines stagnierenden Gesamtmarktes eilt Volkswagen in China von Rekord zu Rekord. In den ersten drei Quartalen verkauften die Wolfsburger 1,79 Millionen Fahrzeuge – satte 18,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bisher ist China für die internationalen Automobilriesen vor allem ein Absatzmarkt, die chinesische Konkurrenz fährt international noch unter ferner liefen: Auf dem größten Automarkt der Welt werden jährlich 15,5 Millionen Fahrzeuge verkauft und ein Umsatz von 617 Milliarden Euro erwirtschaftet, doch es dominieren die ausländischen Hersteller. Unter den zehn größten Automarken in China sind acht Joint Ventures mit ausländischen Konzernen.

Doch China will mehr sein als ein Absatzmarkt. In einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) gehen zwei Drittel der befragten chinesischen Automanager davon aus, dass die Chinesen sowohl als Hersteller als auch als Zulieferer an Bedeutung gewinnen werden. Auch der amerikanische und europäische Markt rückt immer mehr ins Visier. 78 Prozent erwarten, dass chinesische Fahrzeuge auch in den westlichen Märkten in größerem Umfang verkauft werden. 43 Prozent rechnen mit der Expansion schon innerhalb der nächsten zehn Jahre .Auch EY-Autoexperte Peter Fuß ist überzeugt: „In den nächsten fünf Jahren werden wir chinesische Marken auch auf unseren Straßen sehen.“

Bisher ist der China-Handel im Autosektor noch fast eine Einbahnstraße. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts exportierte Deutschland 2012 Kraftwagen und -teile im Wert von 19,3 Milliarden Euro ins Reich der Mitte, die Importe lagen mit 0,9 Milliarden Euro weit darunter.

Darum ist der internationale Erfolg der chinesischen Autohersteller nun Staatsaufgabe: Bis 2016 will Chinas Führung auch in der Autoindustrie zum Exportweltmeister werden. Mindestens ein Hersteller soll dafür in die Top Ten der weltgrößten Autobauer aufsteigen. Saic soll die Exporte um mehr als 130 Prozent im Jahr steigern. 2015 will der Konzern 800.000 Fahrzeuge ins Ausland verkaufen. Auch bei Dongfeng sind die Wachstumsziele hoch: Bis 2016 strebt der Hersteller jedes Jahr 50 Prozent Zuwachs auf dann 300.000 Fahrzeuge an.

Die Zentralregierung in Peking hat auch eine Einkaufsliste für Zulieferbetriebe in der Schublade - vom Kugellager über Hydraulik- bis zu Gummiteilen. Soll sollen sich die heimischen Unternehmen über Joint Ventures oder Übernahmen Know-how ins Haus, berichtet EY-Partnerin Yi Sun. Mehr noch: „Zum Teil finanzieren die Provinzregierungen die Geschäfte mit bis zu einem Drittel.“

Kommentare zu " Autostudie: Die falsche Bescheidenheit der Chinesen"

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  • Jaja, und vor 20 Jahren hieß es, die chinesischen Auslandsstudenten kehren alle der Heimat den Rücken. Wenn Sie wiederum diese billige Gegenpropaganda glauben, dann sollte es nicht verwundern, wenn der Rollback (= chinesische Staatspropagnada aus dem Munde Nicht-Chinesischer-Staatsangehöriger) kommt!

  • Nachdem mittlerweile schon bei Crashtests Bestnoten erzielt werden, wird es nicht mehr lange dauern, bis die Chinesen auch im Automobilsektor an die Spitze drängen. Man kooperiert noch ein wenig mit den Europäern, kopiert und optimiert, und schickt sie dann nach Hause.

  • Bring Argumente, nichtssagende Beleidigungen bringen mir keine Erkenntnis. Im Übrigen bin ich mit den deutschen Weichbirnen die mal wieder die Blockparteien im Bundestag bestätigt haben, als allerletzter einverstanden, ich brauche von einem auswärtigen Brasilianer keine Belehrungen, in dessen Land nur Korruption total herrscht.
    Wir sind deshalb in keiner guten Situation, weil wir von unseren Politikern in betrügerische multinationale Strukturen gepresst wurden und deren Gier jetzt ausgeliefert sind.
    Dennoch ist unsere Situation noch wesentlich besser als die anderer Länder, soviel Durchblick sollte man schon haben!

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