Autostudie

Die falsche Bescheidenheit der Chinesen

Chinas Autokonzerne spielen auf dem Weltmarkt derzeit noch keine Rolle. Das soll sich in den nächsten zehn Jahren ändern, sagt eine Studie von Ernst & Young. Die chinesische Offensive ist staatlich geplant.
Update: 09.10.2013 - 16:38 Uhr 11 Kommentare
Auf der China Motor Show in Shanghai feiern etliche Modelle ihre Premiere, die nur für den Heimatmarkt bestimmt sind. Quelle: ap

Auf der China Motor Show in Shanghai feiern etliche Modelle ihre Premiere, die nur für den Heimatmarkt bestimmt sind.

(Foto: ap)

DüsseldorfFür Volkswagen sähe es düster aus, gäbe es China nicht. In den USA schrumpfte der Absatz der Wolfsburger zuletzt und auch in Europa hat den Branchenprimus die Absatzkrise längst erfasst. Ganz anders das Bild in Fernost: Trotz eines stagnierenden Gesamtmarktes eilt Volkswagen in China von Rekord zu Rekord. In den ersten drei Quartalen verkauften die Wolfsburger 1,79 Millionen Fahrzeuge – satte 18,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bisher ist China für die internationalen Automobilriesen vor allem ein Absatzmarkt, die chinesische Konkurrenz fährt international noch unter ferner liefen: Auf dem größten Automarkt der Welt werden jährlich 15,5 Millionen Fahrzeuge verkauft und ein Umsatz von 617 Milliarden Euro erwirtschaftet, doch es dominieren die ausländischen Hersteller. Unter den zehn größten Automarken in China sind acht Joint Ventures mit ausländischen Konzernen.

Doch China will mehr sein als ein Absatzmarkt. In einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) gehen zwei Drittel der befragten chinesischen Automanager davon aus, dass die Chinesen sowohl als Hersteller als auch als Zulieferer an Bedeutung gewinnen werden. Auch der amerikanische und europäische Markt rückt immer mehr ins Visier. 78 Prozent erwarten, dass chinesische Fahrzeuge auch in den westlichen Märkten in größerem Umfang verkauft werden. 43 Prozent rechnen mit der Expansion schon innerhalb der nächsten zehn Jahre .Auch EY-Autoexperte Peter Fuß ist überzeugt: „In den nächsten fünf Jahren werden wir chinesische Marken auch auf unseren Straßen sehen.“

Bisher ist der China-Handel im Autosektor noch fast eine Einbahnstraße. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts exportierte Deutschland 2012 Kraftwagen und -teile im Wert von 19,3 Milliarden Euro ins Reich der Mitte, die Importe lagen mit 0,9 Milliarden Euro weit darunter.

Darum ist der internationale Erfolg der chinesischen Autohersteller nun Staatsaufgabe: Bis 2016 will Chinas Führung auch in der Autoindustrie zum Exportweltmeister werden. Mindestens ein Hersteller soll dafür in die Top Ten der weltgrößten Autobauer aufsteigen. Saic soll die Exporte um mehr als 130 Prozent im Jahr steigern. 2015 will der Konzern 800.000 Fahrzeuge ins Ausland verkaufen. Auch bei Dongfeng sind die Wachstumsziele hoch: Bis 2016 strebt der Hersteller jedes Jahr 50 Prozent Zuwachs auf dann 300.000 Fahrzeuge an.

Die Zentralregierung in Peking hat auch eine Einkaufsliste für Zulieferbetriebe in der Schublade - vom Kugellager über Hydraulik- bis zu Gummiteilen. Soll sollen sich die heimischen Unternehmen über Joint Ventures oder Übernahmen Know-how ins Haus, berichtet EY-Partnerin Yi Sun. Mehr noch: „Zum Teil finanzieren die Provinzregierungen die Geschäfte mit bis zu einem Drittel.“

„Zuerst werden die Billigmarken angegriffen“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

11 Kommentare zu "Autostudie: Die falsche Bescheidenheit der Chinesen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jaja, und vor 20 Jahren hieß es, die chinesischen Auslandsstudenten kehren alle der Heimat den Rücken. Wenn Sie wiederum diese billige Gegenpropaganda glauben, dann sollte es nicht verwundern, wenn der Rollback (= chinesische Staatspropagnada aus dem Munde Nicht-Chinesischer-Staatsangehöriger) kommt!

  • Nachdem mittlerweile schon bei Crashtests Bestnoten erzielt werden, wird es nicht mehr lange dauern, bis die Chinesen auch im Automobilsektor an die Spitze drängen. Man kooperiert noch ein wenig mit den Europäern, kopiert und optimiert, und schickt sie dann nach Hause.

  • Bring Argumente, nichtssagende Beleidigungen bringen mir keine Erkenntnis. Im Übrigen bin ich mit den deutschen Weichbirnen die mal wieder die Blockparteien im Bundestag bestätigt haben, als allerletzter einverstanden, ich brauche von einem auswärtigen Brasilianer keine Belehrungen, in dessen Land nur Korruption total herrscht.
    Wir sind deshalb in keiner guten Situation, weil wir von unseren Politikern in betrügerische multinationale Strukturen gepresst wurden und deren Gier jetzt ausgeliefert sind.
    Dennoch ist unsere Situation noch wesentlich besser als die anderer Länder, soviel Durchblick sollte man schon haben!

  • Diese Jubelarien von Halb-wissenden sind nur langweilig und erbärmlich.
    Wer nicht gewillt ist tiefer zu blicken bzw. hinter die Fassaden zu schauen sollte doch bitte mal das Maul halten! Was soll diese unreflektierte chinesische Staatspropaganda?!!!
    Die Chinesen bauen Städte für hunderttausende von Menschen die anschließend kaum einer bewohnt z. B. New Ordos etc..
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/retortenstadt-new-ordos-chinas-boomende-geisterstadt-a-737810.html
    Super effektiv und sinnvoll angelegtes Geld?!

    Die Schuldensituation von einigen Kommunen, Unternehmen und Privatleuten in China ist eine einzige Katastrophe, wenn diese Kreditblase platzt und wenn im Zuge dessen die Immobilienblase dann auch noch platzt wird es richtig ungemütlich, dagegen war die Lehmannpleite gar nichts. Die Umweltsituation in den meisten Städten Chinas würde man hier als schreckliches Verbrechen bezeichnen und verfolgen. Hochrangige westliche Manager wollen deshalb nicht länger als zwei Jahre in China arbeiten und schon gar nicht ihre Familien in China leben lassen, chinesische Millionäre wandern massenhaft aus.
    Wunderbares tolles China, ihr wisst doch gar nichts!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Chinesen sind nicht so blöd wie unsere Politiker. Anstatt das Geld in marode Banken zu pumpen wird das Geld sinnvoll investiert.

  • Wasser aus Tibet:

    http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/tibet-104.html

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/staudamm-in-tibet-indien-beunruhigt-ueber-chinesisches-projekt-11070400.html

    http://www.arte.tv/guide/de/043956-000/kampf-um-tibet

  • China sich mit Indien arangieren?!
    So einen Blödsinn kann man doch nicht ernsthaft schreiben, wenn man wüsste, dass China dabei ist Indien, Pakistan und Bangladesch langfristig das Wasser abzugraben mit dem insgeheim geplanten Jahrhundertprojekt "Himmlischer Kanal". Wasser welches aus Tibet kommend und heute seinem natürlichen Lauf zur indischen Seite abläuft soll mit dem größten Bauwerk aller Zeiten in den trocknen Norden Chinas umgeleitet werden und dort chinesische Megastädte versorgen. Die Menschheit hat schon die schrecklichsten Kriege erlebt, aber die zukünftigen Kriege um Wasser werden alles dagewesene in den Schatten stellen. Chinesen und Inder sind sich in einem Punkt völlig einig, in dem Punkt der gegenseitigen totalen Abneigung zueinander. Die Chinesen sind brutal ignorant und hegemonial zur unmittelbaren Nachbarschaft und freundlich werbend zu anderen z. B. Afrika.
    Im Übrigen wird VW von der Familie Piech, der Familie Porsche und dem Land Niedersachsen niemals verkauft, schon gar nicht gegen Dollar. Wenn chinesische Unternehmen in Europa Produkte verkaufen wollen, bitte schön herzlich gerne, aber sie müssen genauso mit hohen Einfuhrzöllen behandelt werden wie ausländische Produkte in China. Jede Produktionseinheit in China darf von Ausländern nur unterhalb von 50 % im Eigentum sein. Warum Chinesen in Europa zu 100 % alles erwerben können ist nicht nachvollziehbar und gerecht und muss in der einen oder anderen Richtung geändert werden. China hat derart viele Probleme, es ist noch lange nicht ausgemacht das alles so schön weiter läuft wie bisher. Wer natürlich nur der chinesischen Staatspropaganda geistig folgen kann, wird auf jeden Fall in der Zukunft noch manche Überraschung erleben. Auch in China wird nur mit Wasser gekocht!

  • @orakel
    Was verstehen Sie unter Fairnis?
    Fairnis gegenueber dem eigenen Volk? Dann ist alles was sie den Chinesen vorwerfen von den Chinesen richtig gemacht!
    Fairness, auch Unterwuerfigkeit genannt, gegenueber Staaten die gesteuert sind durch die Finanzoligarchie?
    Dann haben sie allerdings recht, sind aber total Hirngewaschen oder einer der Systemschreiberlinge die sich in den Kommentarbereichen tummeln! Ich tippe mal auf letzteres.

  • In China gibt es keine fairen Geschäftsbedingungen für ausländische Firmen.

    Die erzwungenen Joint-Venturees dienen ausschließlich dem Ziel, möglichst viel Know-How zu stehlen.

    VW wurde beispielsweise gezwungen, eine Fabrik in einer
    Unruheprovinz zu errichten.

    Bei Bedarf übt der chin. Staat Druck aus, indem er die Zölle massiv erhöht.

    Auch staatlich gelenkte unfäire, unsachliche Kritik an ausländischen Produkten in chin. Medien gabs bereits.

    Und wenn sonst nichts hilft, wird einfach der "Volkszorn der chin. Massen" auf den Straßen inszeniert, bis den
    chin. Forderungen nachgegeben wird.

    Ein durch und durch mafiöses Land.

    Zugegeben, VW erwirtschaftet in China Jahr für Jahr
    Absatzrekorde.

    Aber wie lange noch ?

    Die Chinesen erlauben nur eine kleine Beteiligung (nie einen 100% Kauf eines chin. Unternehmens, währenddessen
    sie in Europa eine Firma nach der anderen aufkaufen.

    Staatl. Bauvorhaben:

    In Europa und Anderswo ergattern die Chinesen viele Aufträge, während gleichzeitig in China ausschließlich
    einheimische Firmen öffent. Bauaufträge bekommen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%