Autovermietung
Daimler will Car Sharing global ausweiten

Der Autobauer will sein Konzept möglichst schnell ausbreiten. Verhandlungen mit Städten in Deutschland und Europa laufen. Der Konzern muss um junge Kunden kämpfen - denn in entwickelten Gesellschaften lässt der Stellenwert des Kultobjekts Auto stark nach.
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HAMBURG. Der Daimler-Konzern will sein in Ulm und in Austin, USA, erprobtes Modell zum kurzzeitigen Vermieten von Autos möglichst schnell in Großstädten weltweit anbieten. "Das Interesse ist groß", sagte Daimler-Vorstand Thomas Weber gestern in Hamburg, "wir sprechen mit allen gleichzeitig."

Weber legte sich nicht konkret auf Regionen fest, nannte aber explizit Berlin und Stuttgart als Kandidaten. Asien sei interessant, Vorrang hätten aber Europa und USA.

Als erste Metropole startet Hamburg im ersten Quartal 2011 mit einer Flotte aus 300 umgerüsteten Autos der Daimler-Tochter Smart. Anbieter ist ein Unternehmen, an dem Daimler 25 Prozent und der Autovermieter Europcar 75 Prozent hält. Verfügbar sind die Zweitürer im Bereich der Innenstadt rund um die Alster und bis nach Altona.

Die Kunden nutzen die Fahrzeuge mit ihrem Führerschein, der zuvor durch eine Plakette des Anbieters "Car2go" präpariert sein muss. Pro genutzter Minute fallen 29 Cent an - inklusive Benzin und Parkgebühren, die das Unternehmen mit der Stadt abrechnet.

Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) nannte es gestern bei der Präsentation des Konzepts "die Herausforderung des 21. Jahrhunderts" für die Autoindustrie, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit zu verbinden. Die Branche müssen angesichts von verstopften Großstädten und Staus ausgetretene Pfade verlassen.

Umweltsenatorin Anja Hadjuk vom grünen Koalitionspartner ging einen Schritt weiter. Aus Sicht der GAL-Politikerin muss das Car-Sharing-Modell zeigen, "dass der Verzicht auf das eigene Auto geleistet werden kann, ohne auf Mobilität zu verzichten". Die Stadt lässt Car2go wissenschaftlich begleiten.

Mobilität statt Besitz eines Autos als Ziel krempelt die vor allem dank der steigenden Nachfrage aus den Schwellenländern kurzfristig wieder brummende Autoindustrie um. Dazu kommt, dass Untersuchungen zeigen, dass der Stellenwert des Kultobjekts Autos in entwickelten Gesellschaften stark nachlässt.

Daimler ist der Erosionsprozess schmerzlich bewusst. "Wir brauchen solche Konzepte, um unsere Autos langfristig zu verkaufen", räumte Forschungs- und Entwicklungsvorstand Weber gestern ein. Der Autobauer wende sich mit Projekten wie Car2go an den "Teil der globalen Kunden, für den der Kauf von Autos nicht mehr in dem Maß attraktiv ist", unterstrich Weber.

Im Vordergrund stehen jüngere Menschen, die Internet und iPhone mehr begeistert als Automodelle. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der 18-jährigen Führerschein-Neulinge um knapp 20 Prozent zurück auf 242 786, wie Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes belegen. In Ulm mache die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen 60 Prozent der mehr als 20 000 Kunden aus, sagte Car2go-Chef Robert Henrich. Weber will speziell Smart promoten und damit die Fabrik im französischen Hambach auslasten.

Für ein Projekt in Paris, um das sich Daimler bewirbt, ist auch eine Elektroversion der A-Klasse von Mercedes geplant.

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