Autozulieferer
Araber wollen Conti-Werk übernehmen

Die Investorengruppe MAG aus Dubai hat einen möglichen Kauf des französischen Continental-Werkes in Clairoix an Bedingungen geknüpft. "Wir wollen wissen, welche Vorteile der Staat einem ausländischen Investor bietet", sagte Fawaz Sabri, Strategie-Chef von MAG in einem Interview mit dem Radiosender "Europe 1". Grundsätzlich bleibe MAG an der Übernahme des Werkes interessiert.

HB PARIS. "Wir sind seit rund zehn Jahren am Kauf eines Reifenwerkes interessiert. Doch bisher hat es keine Gelegenheiten gegeben, da der Markt sehr einträglich war und niemand verkaufen wollte", sagte Sabri.

Das Management der Investorengruppe MAG traf sich gestern mit dem Staatssekretär für Industrie, Luc Chatel, sowie dem Sonderminister für den Konjunkturplan, Patrick Devedjian. Ferner war laut Continental ein Treffen mit dem französischen Management des Reifenherstellers geplant, auf dem Conti dem MAG-Management Details zum Werk in Clairoix präsentieren wollte.

Continental will im Zuge der Wirtschaftskrise seine Produktionskapazitäten verringern. Daher sollen die Werke in Hannover-Stöcken und im französischen Clairoix geschlossen werden. Von den Kürzungsschritten sind in Deutschland 780 Beschäftigte betroffen, in Frankreich 1 120.

In Frankreich ist die geplante Schließung des Conti-Werks zu einem Politikum geworden. Vor allem Sonderminster Devedjian profiliert sich in der Frage. Am Wochenende hatte er den Vorwurf erneuert, Continental sei nicht ernsthaft daran interessiert, das französische Reifenwerk zu veräußern. Er warf dem Conti-Management ferner vor, nach Dubai zu MAG gereist zu sein, nur in der Absicht, den Investor von seinen Plänen abzubringen. "Was mich schockt ist die Haltung der Continental-Führung", so der Minister, "sie versucht, den Übernehmer zu entmutigen."

Ein Conti-Sprecher entgegnete auf Anfrage: "Wie suchen aktiv das Gespräch mit dem potenziellen Käufer. Allerdings sind zum jetzigen Zeitpunkt zu viele Fragen offen, um sich konkret zu einem möglichen Verkauf zu äußern." Conti wolle erst kommunizieren, wenn es Konkretes zu vermelden gäbe.

Auch MAG-Manager Sabri warf in dem Radio-Interview Conti indirekt eine Blockade-Haltung vor. Dies sei aber verständlich, da Conti eine Strategie wie das Ölkartell Opec verfolge: "Die Zahl der produzierten Reifen soll verringert werden, um die Preise zu stabilisieren." Sabri präzisierte ferner, dass die MAG-Gruppe nicht alleine in das Reifenwerk investieren wolle, sondern dazu weitere Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten "einladen" wolle.

MAG ist ein Konglomerat, das rund 500 Mio. Euro Umsatz macht und im Jahr 1978 vom syrischen Geschäftsmann Moafaq al-Gaddah gegründet wurde, dessen Kürzel die Holding trägt. Die Gruppe ist in unterschiedlichen Bereichen wie Immobilien, Hotels, Pharma und Automobil aktiv. Im Autogeschäft vertreibt das Unternehmen Ersatzteile und Reifen unter seiner eigenen Marke. Die Reifen stellt das Unternehmen aber nicht selbst her, sondern lässt in Südostasien fertigen.

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