Autozulieferer
Bosch tritt auf die Bremse

Mitten in der spektakulären Übernahmeschlacht um Continental ziehen über der Autozulieferindustrie dunkle Wolken auf. Aus Vorsicht vor der konjunkturellen Abkühlung und aufgrund der schwächeren Nachfrage nach Dieselpumpen lässt der weltgrößte Autozulieferer bereits jetzt tageweise die Produktion stillstehen.

STUTTGART. Betroffen sind die Werke in Stuttgart, Homburg, Bamberg und Bursa in der Türkei. "Die Beschäftigungssituation in Feuerbach spiegelt die allgemeine Marktentwicklung wider. Das hat weniger mit dem Diesel an sich zu tun als damit, dass wir nach vier Jahren globaler Hochkonjunktur den Gipfel der konjunkturellen Entwicklung erreicht haben", sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten. Bosch bleibe von den Negativentwicklungen der vergangenen Monate "nicht völlig ungeschoren". So mache sich an den deutschen Dieselstandorten auch die stark rückläufige Marktentwicklung in den USA bemerkbar. Hier war die Nachfrage nach LKW drastisch eingebrochen und Bosch als Lieferant der Dieselpumpen betroffen. Wegen der Schwäche der US-Autoindustrie zeigte sich der Bosch-Chef zuletzt skeptisch, in diesem Jahr im US-Geschäft schwarze Zahlen zu schreiben.

"Das Ausfallen einzelner Schichten ist als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen", betonte Fehrenbach. "In solch unsicheren Zeiten wollen wir keine unnötigen Bestände aufbauen." Erstmals fallen seit Jahren im Sommer Ferienschichten aus und befristete Verträge werden nicht verlängert. Festangestellte müssen ihre Überstunden abfeiern. Der für die Autozuliefersparte des Konzerns zuständige Geschäftsführer Bernd Bohr rechnet nach jüngsten Aussagen in diesem Jahr weiterhin in der Automobilzuliefersparte mit einem Wachstum von fünf Prozent auf knapp 30 Mrd. Euro.

Die Aussagen von Konzernchef Fehrenbach und die aktuellen Maßnahmen zeigen Branchenbeobachtern jedoch, dass Bosch spätestens 2009 mit einer stärkeren Abkühlung des Autogeschäfts rechnet, als bislang von den Autoherstellern zu hören war. Noch haben die Hersteller keine Aufträge storniert. Aber im September, wenn die Produktion wieder hochgefahren wird, überprüfen die Hersteller ihre Produktionsplanung für Herbst/Winter. Mit Blick auf die europäischen und amerikanischen Zulassungszahlen rechnen die Stuttgarter offensichtlich damit, dass die Autokonzerne deutlich weniger bestellen werden. "Jetzt müssen wir erst einmal bis Herbst abwarten, um mehr Sicherheit zu bekommen wie sich die Nachfrage unserer Kunden weiterentwickelt. Dann können wir auch die möglichen Auswirkungen auf unser Geschäft besser einschätzen", sagte Fehrenbach.

Den Übernahmekampf um den hinter Bosch zweitgrößten deutschen Zulieferer Continental müssen die Schwaben aus der Ferne zusehen. Als Weißer Ritter kommt Bosch aus Kartell-Gründen nicht in Frage. Direkt will sich das Unternehmen zu dem Komplex nicht äußern. Ein Sprecher verweist auf frühere Positionen des Konzerns. Bereits vor einem Jahr, als Siemens seine Zuliefersparte VDO an Continental verkaufte und die Niedersachsen damit zur Nummer fünf in der Welt aufstiegen, konnte Bosch aus kartellrechtlichen nicht mitbieten. Größere Übernahmen inländischer Autozulieferer sind für den Marktführer nahezu unmöglich.

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