Autozulieferer Bosch-Zahlen glänzen, Dieselkrise droht

Obwohl Bosch ein Rekordjahr abliefert, scheut der weltgrößte Autozulieferer wohl die Milliarden-Investitionen für den Aufbau einer Batterieproduktion. Auch zu den Dieselabgas-Versuchen äußert sich Bosch-Chef Denner.
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Bosch-Zahlen glänzen, Dieselkrise droht Quelle: AFP
Volkmar Denner

Der Bosch-CEO ist mit dem abgelaufenen Geschäftszahlen „schwäbisch zufrieden“

(Foto: AFP)

StuttgartBosch-Chef Volkmar Denner hat sich klar von den Dieselabgas-Versuchen an Tier und Mensch distanziert. „Bosch hat seine Mitgliedschaft in der EUGT im Juni 2013 gekündigt. Grund für den Ausstieg waren unterschiedliche Vorstellungen zur Ausrichtung und inhaltlichen Positionen der Vereinigung“, sagte der Konzernchef. Die Forschungseinrichtung habe den Erwartungen an die wissenschaftliche Begleitung verkehrspolitisch relevanter Fragen nicht entsprochen. Konkreter wollte Denner dabei nicht werden.

Gemeinsam mit BMW, Daimler und Volkswagen hatte Bosch 2007 die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) gegründet. Die Autoindustrie hatte die Wissenschaftler eingespannt, um Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu untersuchen. Dabei führten Forscher im Auftrag der EUGT auch Versuche an Tieren durch. Bosch habe an den fraglichen Studien weder teilgenommen noch mitgewirkt, da die Untersuchungen erst nach dem Austritt von Bosch durchgeführt wurden. Das in der Kritik stehende Vorgehen der EUGT entspreche nicht den Werten und Grundsätzen von Bosch, so Denner.

Der Bosch-Chef räumte ein, dass die Autoindustrie durch den Dieselskandal enorm an Vertrauen verloren habe. Um dieses zurückzugewinnen, gebe es nur einen zwingenden Ausweg: „Wir brauchen ein ganz anderes Maß an Transparenz in der Industrie“, forderte der Bosch-Chef.

Dabei gehe es um unabhängige Zertifizierung der Fahrzeuge und neue Formen der Zusammenarbeit mit Umweltverbänden und Nichtregierungsorganisationen. Man müsse wieder zurück zu einer faktenbasierten Diskussion. Die neuen Diesel seien keine überkommene Technologie und für die Erreichung der CO2-Ziele unverzichtbar. 

Bosch ist der weltgrößte Automobilzulieferer für Dieseltechnologie. Die Auswirkungen der Absatzkrise beim Diesel in Europa treffen Bosch noch nicht mit voller Wucht, weil ein  Nachfrageboom aus China bei den Diesel-Nutzfahrzeugen den Rückgang kompensiert. „Das China-Geschäft hält auch zu Jahresbeginn an, aber wir wissen nicht wie lange noch“, sagte der Chef der Sparte Mobility-Solutions Rolf Bulander. Sollte die Nachfrage abebben, könnte auch schon in diesem Jahr ein Stellenabbau notwendig werden.

Insgesamt zeigte sich Bosch-Chef Volkmar Denner mit dem abgelaufenen Geschäft „schwäbisch zufrieden“. Übersetzt heißt das, Bosch hatte ein bärenstarkes Jahr mit einem Umsatzplus von 6,7 Prozent auf 78 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um eine Milliarde Euro auf 5,23 Milliarden Euro. Das entspricht einer Erhöhung der Umsatzrendite von 5,8 auf 6,8 Prozent und ist von der langfristigen durchschnittlichen Zielrendite von 7,5 Prozent nicht mehr weit entfernt.

Trotz des guten Geschäfts sieht es so aus, als ob Bosch den milliardenschweren Schritt in die Batteriezellenfertigung nicht gehen wird. Es sei nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung, betonte Denner. Und da scheinen die Fragezeichen sehr groß. Der Bosch-Chef sagte, für eine führende Position mit einem Marktanteil von 20 Prozent brauche es ein Investment von 20 Milliarden Euro.

Denner verwies auf einen drohenden harten Preiskampf mit den fünf führenden Batterieherstellern. Erschwerend komme hinzu, dass drei Viertel der Wertschöpfung auf Materialkosten entfalle. „Da bleibt nur ein geringer Teil, in dem Wettbewerbsvorteile erarbeitet werden können“, betonte Denner. Eine finale Entscheidung will er in „einigen Wochen verkünden“. Politik und Autohersteller drängen auf einen deutschen Anbieter. Aber Bosch will sich nicht unter Druck setzen lassen.

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