Autozulieferer
Conti-Betriebsrat schießt gegen Schaeffler

Der Autozulieferer Continental ist in die roten Zahlen gerutscht - und das deutlich. Die Autokrise trifft Conti mit einer vollen Breitseite. Am Ende des vergangenen Jahres steht in den Büchern ein Milliardenverlust, weiteres Ungemach droht. Und: Der Conti-Betriebsrat macht Front gegen "falsch eingesetzte Staatshilfen für Schaeffler", wie es heißt.

HB HANNOVER. Der Autozulieferer Continental ist im vergangenen Jahr angesichts der dramatischen Krise in der Autoindustrie tief in die roten Zahlen gerutscht und hat einen Milliardenverlust erlitten. Der Konzern will nun noch stärker als bisher den Rotstift ansetzen. Vorstandschef Karl-Thomas Neumann sagte am Donnerstag in Hannover, Conti wolle Investitionen zurückfahren und bei Forschung und Entwicklung sparen. Außerdem solle die Kurzarbeit ausgeweitet werden. Conti, dessen Großaktionär Schaeffler schwer angeschlagen ist und um Staatshilfen bittet, rechne im laufenden Jahr mit "erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen". Der Abbau des hohen Schuldenberges habe oberste Priorität.

Unterm Strich lag das Konzernergebnis 2008 bei minus 1,12 Milliarden Euro. Dies ist ein Rekordverlust und lag vor allem an einer Milliarden-Abschreibung im Zuge der Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Die erforderliche Abschreibung des Automotive-Geschäfts aufgrund der schwächeren Marktentwicklung "enttäuscht uns natürlich sehr", sagte Neumann. Im Jahr 2007 hatte das Ergebnis noch bei plus 1,02 Milliarden Euro gelegen.

Neben den schlechten Zahlen treiben Conti vor allem mögliche Staatshilfen für Schaeffler um, für die Tausende Menschen am Schaeffler-Standort Herzogenaurach demonstriert hatten. Falsch eingesetzte Staatshilfe für Schaeffler könnte aus Sicht von Arbeitnehmervertretern allerdings Stellen bei Conti kosten. Es müsse sichergestellt werden, dass Schaeffler nicht mithilfe von Bürgschaften in die Lage versetzt werde, alle Conti-Aktien zu behalten und Continental finanziell auszusaugen, erklärte der im Conti-Aufsichtsrat sitzende Betriebsrat Erwin Wörle.

"Für Forschung, Entwicklung und Investitionen würden Finanzmittel fehlen und die derzeitige Marktposition könnte nicht gehalten werden. Eine Halbierung der Belegschaft im Verlauf von zehn Jahren wäre dann durchaus möglich." Es müsse gewährleistet werden, dass für Continental eine Absicherung gegenüber der Finanznot von Schaeffler geschaffen wird. Im Namen der Betriebsräte der Conti-Tochter Temic forderte Wörle die Politik auf, sich für eine langfristige Beschäftigungssicherung einzusetzen.

Im Ringen um Staatshilfen für den hoch verschuldeten Schaeffler-Konzern hoffen örtliche Kommunalpolitiker derweil auch auf Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Dieser werde den Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger (SPD), und den Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) Anfang März zu einem Gespräch in Berlin empfangen, teilte das Landratsamt in Erlangen am Donnerstag mit.

Schröder ist der Garant für die Einhaltung des Übernahmevertrags zwischen Schaeffler und dem Hannoveraner Autozulieferer Continental. Der Herzogenauracher Schaeffler-Konzern ist wegen der Conti-Übernahme mit rund zehn Mrd. Euro verschuldet und benötigt zum Überleben staatliche Unterstützung. Das Gespräch mit dem Altkanzler solle dazu beitragen, „alle Kräfte zu mobilisieren, die den Erhalt der Firma Schaeffler sicherstellen können“, hieß es in der Mitteilung. „Ich bin mir sicher, dass durch ein zielgerichtetes und abgestimmtes Handeln aller Beteiligten rasch ein funktionierendes und tragfähiges Konzept zur Überbrückung der aktuellen Probleme vorgelegt werden kann“, erklärte Irlinger.

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