Autozulieferer
Conti-Chef Neumann verschärft den Sparkurs

Der Autozulieferer Continental verschärft wegen der Absatzkrise der Autoindustrie seinen Sparkurs. So würden möglicherweise auch die Beschäftigten in der Verwaltung des am stärksten betroffenen Bereichs Automotive über Weihnachten länger in die Werksferien geschickt. 2009 sollten Projekte auf den Prüfstand gestellt werden.

HAMBURG. Launig begann Continentals Vorstandschef Karl-Thomas Neumann gestern seinen Vortrag. Der Titel war eher dröge: "Technologieführerschaft durch strategische Akquisitionen und Kooperationen". Er sei vom Sternzeichen her ja Widder, ließ der Manager das Publikum des Automobilwoche-Kongresses vorweg wissen.

Gut 18 Stunden zuvor hatte Contis Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler an selber Stelle verkündet: "Ich bin Löwe." Als Neumann das hörte, ließ er nicht locker, suchte bei Internetsuchdienst Google nach der Konstellation Widder-Löwe. Seine Erkenntnisse passen zur verfahrenen Lage der Zulieferer: "Beide wollen do-minieren.

Also wird es zwischen den beiden zunächst mal einen Machtkampf geben", sagte Neumann verschmitzt. Dann stehe aber "einer aufregenden Beziehung nichts im Wege". Selbst wenn es dennoch Ärger geben sollte, sieht sich der Conti-Chef auf der sicheren Seite: "Dafür haben wir ja unsere Investitionsvereinbarung." Das Sig-nal kam an: Seinen Humor hat der neue Conti-Chef trotz der ernsten Lage nicht verloren.

Den Deal zu stemmen fällt den Franken jedoch angesichts von Finanz- und Branchenkrise schwer. Neumann, der sich intern ebenfalls sorgenvoll äußert, blockt nach außen ab. "Meine Aufgabe besteht nicht darin, mir um Schaeffler Sorge zu machen", sagt der 47-Jährige. "Ich fokussiere mich auf mein Geschäft. Uns steht ein schwieriges Jahr 2009 bevor." Die gebeutelten Autobauer dürften den Preisdruck auf die Zulieferer weiter erhöhen, ist sich der Manager sicher.

Contis Konsequenz: "In Folge der Finanzkrise gehen wir viel schärfer vor und haben eine komplett andere Gangart eingelegt. Jetzt stellen wir alles auf den Prüfstand und schauen genau, welche Projekte wir nicht mehr machen können." Jeden Tag werde neu adaptiert, wenn neue Produktionskürzungen der Hersteller eintrudelten.

"Wir können nicht Umsatz verlieren, ohne die Kosten anzupassen", sagt Neumann. Deshalb würden Fabriken jetzt noch länger als bereits geplant geschlossen. Der Standort Regensburg arbeitet bereits nur noch vier Tage die Woche. Damit nicht genug: "Wir denken auch darüber nach, Verwaltungsstandorte im Autobereich zu Weichnachten dicht zu machen", kündigt Neumann an.

Jede Investition wird derzeit genau beäugt. Akquisitionen fasst Neumann perspektivisch dennoch ins Auge: Den Umsatzanteil in Asien von derzeit zehn auf mindestens 20 Prozent zu steigern könne er sich ohne Zukauf kaum vorstellen. Und auch beim von der Perspektive des Elektroautos getrie-benen Trendthema Batterien sieht Neumann Bedarf. "Wir müssen da sicher noch einen Schritt tun", sagt er. Continental habe sich im Gegensatz zu anderen noch nicht auf eine feste Partnerschaft festgelegt. "Wir sind noch ledig", sagt Neu-mann. "Aber Conti hat viele Freundinnen."

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%