Autozulieferer
Conti-Chef setzt auf Kräftemessen

Offiziell heißt die Veranstaltung außerordentliche Aufsichtsratssitzung, aber Krisentreffen trifft es besser. Der Conti-Vorstand beharrt trotz breiter Proteste an den umstrittenen Schließungen von Reifenwerken. Damit geht er auf Kollisionskurs mit den Gewerkschaften. Außerdem hat Conti einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden.

HAMBURG. Continental-Chef Karl-Thomas Neumann will trotz heftiger Proteste von Gewerkschaften und Politikern zwei Reifenwerke in Hannover-Stöcken und dem französischen Clairoix schließen. Dazu gebe es keine Alternative, sagte Neumann am Freitag nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrates. "Wir haben gar keine andere Wahl als Kapazitäten abzubauen." Die Entscheidung des Vorstandes stehe. Die beiden Fabriken für LKW- und PKW-Reifen gelten intern ohnehin als ineffizient, der Auftragsrückgang verschlimmert die Situation zusätzlich. Selbst eine Reduktion der Produktion in Stöcken von maximal 1,4 Mio. Lkw-Reifen auf eine halbe Million pro Jahr würde Conti jährlich 30 Mio. Euro mehr kosten als die Fabrik dicht zu machen, rechnete Neumann den Kontrolleuren vor.

Die Arbeitnehmerseite vermisste dagegen "phantasievolle Lösungen", hieß es. „Es ist und bleibt eine sehr grundsätzliche und schwierige Situation“, sagte der stellvertretende Chefaufseher Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE dem Handelsblatt. „Allerdings halten wir das Fenster auf und sprechen auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates in vier Wochen erneut über das Thema.“ Vorher will Bischoff keinesfalls in konkrete Verhandlungen eintreten. „Ich rede jetzt weder über einen Interessensausgleich, Sozialplan oder auch nur Terminplan. Das ist nicht akzeptabel“, sagte der Gewerkschafter.

Mit seiner kompromisslosen Haltung lässt sich Neumann auf ein Kräftemessen mit der IG BCE ein. Die Entscheidung über das Aus eines Werkes trifft formal der Vorstand allein. Die Conti-Manager hatten mit dem Betriebsrat des Stammwerks Stöcken Anfang des Jahres ein Eckpunktepapier vereinbart, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Angesichts des Nachfragerückgangs bei LKW-Reifen um mehr als 40 Prozent, fühlt das Unternehmen sich aber nicht mehr an die Vereinbarung gebunden.

Die IG BCE, aber auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) fordern Neumann dagegen auf, erst einmal auf das Instrument der Kurzarbeit zu setzen.Der Conti-Chef hält das für falsch, da aus seiner Sicht die Nachfrage nicht mehr das alte Niveau erreichen wird. Neumann setzt stattdessen auf Zugeständnisse bei der Nachnutzung des Geländes als Forschungs- und Technologiepark und auf einen Sozialplan für die 780 in Hannover betroffenen Mitarbeiter.

Allerdings ist auch den Arbeitnehmern angesichts der schwierigen Lage nach Übernahme durch das ebenfalls hochverschuldete Familienunternehmen Schaeffler nicht an einer Eskalation gelegen. „Ich war und bin dafür, dass Neumann als Vorstandsvorsitzender diesen Vorstand führt“, sagte IG-BCE-Funktionär Bischoff dem Handelsblatt.

Die Conti-Kontrolleure bestimmten am Freitag wie erwartet den Anwalt Rolf Koerfer als Vertrauten von Großaktionär Schaeffler zum neuen Chefaufseher. Um Punkt 9.07 Uhr war er gewählt. Koerfer kann damit auch die Hauptversammlung am 23.April in leiten. Das Landgericht Hannover hatte seine Berufung in den Rat zwischenzeitlich aufgrund des Einspruchs eines Aktionärs blockiert. Damit gibt Schaeffler bei Conti formal den Ton an.

Der 51-Jährige ist Nachfolger des langjährigen Aufsichtsratschefs Hubertus von Grünberg, der vor drei Wochen auf Druck von Schaeffler zurückgetreten war. Koerfer sollte eigentlich schon damals zum neuen Vorsitzenden gewählt werden. Ein Gericht hatte aber seine Bestellung in den Aufsichtsrat zunächst gestoppt, weil Koerfer ein Interessenkonflikt vorgeworfen wurde.

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