Autozulieferer
Conti verärgert Paris – Merkel prüft Streichpläne

Beim Autozulieferer Continental formiert sich massiver Widerstand gegen das geplante Aus für die Reifenproduktionen im Stammwerk Hannover und in Frankreich. Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident wollen die Maßnahme genau prüfen. Der Betriebsrat liebäugelt mit einem Gang vors Gericht. Und dann darf auch noch Schaeffler-Mann Koerfer in Aufsichtsratschef von Continental wechseln.

HB HANNOVER/PARIS/BERLIN. Die geplanten Werkschließungen des Reifenkonzerns Continental haben die Regierungen in Deutschland und Frankreich auf den Plan gerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte am Donnerstag an, die Regierung werde sich insbesondere die Schließung des französischen Werkes anschauen.

„Wir werden noch einmal mit dem Unternehmen sprechen, ob es Zusagen gegeben hat, die eventuell nicht eingehalten worden sind“, sagte Merkel am Donnerstag im Anschluss an ein deutsch-französischen Regierungstreffen in Berlin. Sie habe das Thema mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy erörtert.

Man müsse sehen, dass Conti nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland ein Werk geschlossen habe und sich in einer schwierigen Situation befinde. „Aber wir werden uns noch einmal kundig machen“, sagte Merkel.

Conti hatte am Vortag die Schließung der Reifenwerke im heimischen Hannover mit knapp Beschäftigten und im französischen Clairoix mit gut 1100 Beschäftigten angekündigt. In Clairoix hatten die Mitarbeiter vor drei Jahren gegen eine Beschäftigungsgarantie einer Arbeitszeitverlängerung zugestimmt.

Sarkozy erklärte, er habe Verständnis für die Probleme der Conti-Schaeffler-Gruppe. Allerdings müsse der Konzern seine Verpflichtungen einhalten. Frankreichs Regierungssprecher und Industriestaatssekretär Luc Chatel schlug noch schärfere Töne an und warf Conti vor, gegen bestehende Abmachungen verstoßen zu haben. Dem widersprach der Vize-Präsident der Conti-Reifensparte, Bernhard Trilken, vor Journalisten in Paris.

Auch am deutschen Standort Hannover haben die Gewerkschaft IG BCE und die Beschäftigten bereits Widerstand gegen die Schließung des Lkw-Reifen-Produktion angekündigt.

In Hannover sagte Betriebsratschef Michael Deister der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Für uns ist die Schließung noch nicht offiziell." Der hannoversche Conti-Betriebsrat prüft nun, ob ein im Januar unterschriebenes Grundlagenpapier rechtens ist. Dort hatte die Werksleitung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesichert, im Gegenzug waren Lohnverzicht und eine Ausweitung der Kurzarbeit geplant. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung dazu wurde aber bisher nicht abgeschlossen. Am Freitag wollen der Betriebsrat und die IG BCE das weitere Vorgehen besprechen.

Ein Sprecher der Gewerkschaft mahnte erneut ein Gesamtkonzept für die Zukunft von Continental und den angeschlagenen Conti-Großaktionär Schaeffler an. "Es muss doch zuerst ein Gesamtkonzept her, bevor einzelne Teile herausgebrochen werden. Das ist unlogisch", kritisierte er. Die Pläne zur Schließung seien ein "Alleingang des Vorstands" gewesen.

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