Autozulieferer
Delphi droht Streik

Die Gewerkschaft UAW bereitet einen Streik beim größten US-Autozulieferer Delphi vor, da das insolvente Unternehmen die Tarifverträge auszuhebeln versucht. Ein Ausstand würde nicht nur Delphi erheblich schädigen, sondern auch die ehemalige Mutter General Motors – und das gleich doppelt.

HB DETROIT. Derzeit laufe unter den Mitgliedern der Gewerkschaft die Urabstimmung, die bis zum 14. Mai abgeschlossen sein soll, teilte UAW-Vizepräsident Richard Shoemaker am Mittwoch (Ortszeit) mit. Die Gewerkschaft reagiert damit auf eine mögliche Aufhebung der Tarifverträge. Delphi hat beim zuständigen Insolvenzrichter um Genehmigung nachgesucht, die Tarifverträge streichen zu können, falls keine Einigung über drastische Lohnsenkungen und andere Kürzungen von Bezügen der 33 000 US-amerikanischen Mitarbeiter mit der Gewerkschaft erreicht werden kann.

Am kommenden Dienstag soll zu dem Delphi-Antrag eine gerichtliche Anhörung stattfinden. Der Richter hat dann einen Monat Zeit zu entscheiden. Er kann aber auch längere Zeit warten, um dem Unternehmen und der Gewerkschaft mehr Zeit für einen Kompromiss zu geben.

Delphi hatte im Oktober 2005 einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt, um dank Sonderregelungen wie der Aussetzung der Tarifverträge die Sanierung leichter stemmen zu können.

Ein Streik bei Delphi würde den angeschlagenen Autokonzern GM schwer treffen, da Delphi der mit Abstand größte Zulieferer ist. Und auch aus einem zweiten Grund wird GM hoffen, dass es nicht zu einem Streik kommt. Denn dieser gefährdet das Überleben Delphis. Nach den Verträgen über die Ausgliederung des Zuliefergeschäftes aus dem Jahr 1999 bürgt GM bei einer Pleite für die Pensionslasten von Delphi. Der Zulieferer hat rund 12 000 Betriebsrentner. Die Übernahme ihrer Pensionen und Krankenversicherungen könnte GM nach Angaben einer Sprecherin bis zu 11 Mrd. Dollar kosten. GM, selbst in Schieflage, könnte das das Genick brechen.

General Motors hatte im vergangenen Jahr ein Rekordminus von 10,6 Mrd. Dollar eingefahren. Der Konzern leidet seit längerem unter dem Verlust von Marktanteilen in seinem Heimatmarkt. Gestiegene Kosten für Pensionen, Gesundheit und nicht zuletzt Material verschlimmern die Lage. Derzeit versucht sich der Konzern mit einer Schrumpfkur aus der bedrohlichen Situation zu retten. 30 000 Stellen fallen binnen drei Jahren weg. Die Produktion in 12 nordamerikanischen Werken soll gedrosselt oder ganz eingestellt werden. Hinzu kommen Anteilsverkäufe an asiatischen Autoherstellern.

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