Autozulieferer
Delphi schickt deutsche Mitarbeiter in Kurzarbeit

Die Absatzflaute bei den Autoherstellern hinterlässt immer tiefere Spuren bei den Zulieferern. Nach den Branchengrößen Continental, Bosch und Schaeffler will jetzt auch der große US-Zulieferer Delphi in Deutschland erste Beschäftigte in Kurzarbeit schicken.

HB DÜSSELDORF. "Auch wir führen bereits an ersten Standorten Kurzarbeit ein und sprechen über weitere Maßnahmen mit den entsprechenden Gremien", sagte der Deutschlandchef von Delphi, Michael Gassen, dem Handelsblatt. Delphi ist in Deutschland durch das Tochterunternehmen Delphi Deutschland GmbH vertreten. Es hat seinen Firmensitz in Wuppertal und beschäftigt rund 5 200 Mitarbeiter an 19 Standorten in Deutschland.

Große Autobauer wie Daimler und BMW haben in den vergangenen Tagen angesichts der sich verschärfenden Autokrise die Produktionstopps ausgeweitet und teilweise Kurzarbeit für zahlreiche Werke angekündigt. Der Produktionsausfall trifft auch die Zulieferer hart, da ihnen damit ebenfalls das Geschäft wegbricht.

Der neue BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner warb bereits um staatliche Hilfen für die Zulieferer der Branche. Fast alle großen Autoteile-Hersteller traten bereits angesichts des drastischen Nachfrageabschwungs deutlich auf die Bremse. Bei Bosch gilt bereits für fast 4000 Mitarbeiter Kurzarbeit und auch Konkurrent Conti schickte Teile seiner Belegschaft schon in die Kurzarbeit. Auch bei Rheinmetall steht an nahezu allen deutschen Standorten in der ersten Hälfte 2009 Kurzarbeit an.

Verschärft wird die angespannte Situation vieler Autoteile-Hersteller noch durch die Probleme der GM-Tochter Opel. Viele Zulieferer bangen wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit des US-Autobauers um einen erheblichen Teil ihrer Umsätze. Beide sind wichtige Kunden fast aller großen Zulieferfirmen. Existenzgefährdend wäre ein Kollaps von GM und Opel vor allem für einige Mittelständler, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Opel machen, schätzen Experten.

Die Ex-GM-Tochter Delphi macht nach Worten von Gassen im laufenden Jahr weltweit noch rund 25 Prozent seines Umsatzes mit GM - in Europa sind es zwölf Prozent. Mit Ford belaufe sich das Geschäft weltweit auf neun Prozent und in Europa liegt es bei etwa zehn Prozent. "Chrysler ist nur mit einem Prozent Umsatz Kunde von Delphi", betonte der Delphi-Manager.

Die Abhängigkeit von einzelnen Kunden bei Delphi sei nicht mehr so stark ausgeprägt, sagte Gassen. Die Hälfte des Europaumsatzes mache der US-Zulieferer mit deutschen Autoherstellern. "Die sechs größten Kunden tragen jeweils mit 10 Prozent zu den Erlösen bei", betonte der Manager. "Wir haben also kein Klümpchenrisiko."

Dennoch bekommt auch der US-Zulieferer, der in den USA seit Jahren unter dem US-Insolvenzrecht Chapter 11 arbeitet, die rigidere Kreditvergabe der Banken im Zeichen der Finanzkrise zu spüren. "Geld ist momentan schwieriger zu bekommen und die Konditionen werden härter", sagte Gassen. "Das ist eine allgemeine Tendenz, die auch wir zu spüren bekommen." Diese Woche hatte mit dem Leverkusener Bremsenhersteller TMD Friction erstmals ein großer Zulieferer unter Verweis auf die Finanz- und Absatzkrise Insolvenz angemeldet.

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