Autozulieferer
Die Probleme bei Karmann

Die Lage bei Karmann sei verfahren, heißt es in Kreisen der Arbeitnehmervertreter. Das Aus für die Lohnfertigung, den klassischen Fahrzeugbau der Niedersachsen, beschleunige sich angesichts des Absatzeinbruches bei Kunden wie Mercedes noch. Die Arbeitsplätze seien nicht mehr zu retten.

Den Erfolg der Neuausrichtung als Automobilzulieferer, die Firmenchef Peter Harbig vorantreibt, stellen Branchen- und Wirtschaftskrise in Frage. Selbst die sonst in der Industrie gefragten Ingenieurskapazitäten der Osnabrücker werden weniger genutzt, da Hersteller wie Volkswagen Entwicklungsprojekte strecken, um Kosten zu sparen. Die Perspektive, stärker in die Entwicklung und den Bau von Elektrotransportern einzusteigen, greift kurzfristig nicht.

Die Karmann-Betriebsgesellschaft zahlt die Miete für das Firmengelände an eine Kommanditgesellschaft, die in den Händen der drei Familienstämme liegt. Doch nach Angaben aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter, die Einblick in die Bücher hatten, ist auch dort wenig zu holen. "Das Geld reicht nicht für Abfindungen in bisheriger Höhe", sagte ein Insider dem Handelsblatt. Ein privates Engagement der Familie, sollte sie überhaupt ausreichend Mittel zur Verfügung haben, sei fraglich.

Das Dilemma ist auch ein Zeitliches. Die neue Firmenstruktur und der Sozialplan für die Mitarbeiter im Fahrzeugbau müssten parallel umgesetzt werden, um juristisch belastbar zu sein. Ein Käufer oder auch nur ein Investor für Karmann ist im Krisenjahr 2009 kaum zu finden. "Karmann ist ein ungelöstes Problem", heißt es in Kreisen der IG Metall.

Land Niedersachsen, Bund und EU sollen bei der finanziellen Ausstattung der neuen Transfergesellschaft helfen. Auch die Familie Karmann soll ihren Teil dazu beitragen, hieß es in Unternehmenskreisen. In Osnabrück hat man bislang gute Erfahrungen mit dem Vermittlungsinstrument gemacht. Eine bereits existierende Transfergesellschaft für ehemalige Karmann-Mitarbeiter weist trotz Krise derzeit eine Vermittlungsquote von mehr als 50 Prozent auf. In früheren Fällen gelang die Vermittlung von 80 Prozent der Ex-Mitarbeiter.

Doch noch ist der Konflikt zwischen Eigentümern und Belegschaft nicht entschärft: Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall fordern das vergleichsweise üppige Abfindungsniveau früherer Sozialpläne. "Das kann sich Karmann aber nicht mehr leisten", heißt es in Unternehmenskreisen. Sollten die Arbeitnehmervertreter bei ihren Forderungen bleiben, drohe nicht nur dem Fahrzeugbau, sondern Karmann insgesamt das Aus. "Dann gibt es für die Beschäftigten nur Insolvenzgeld", hieß es.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%