Autozulieferer
Finanzinvestor kauft TMD Friction

Häufig werden Finanzinvestoren nicht gern gesehen. Aber wenn es hart auf hart kommt, sind sie doch oft die einzigen, die schwerkranke Unternehmen am Leben erhalten können. So ist es nun auch beim insolventen Autozulieferer TMD Friction. Der neue Besitzer heißt Pamplona Capital Management.

FRANKFURT. Wenige Monate nach der Ankündigung des Insolvenzverfahrens hat der Leverkusener Autozulieferer TMD Friction als erster großer Pleitefall der Branche mit dem britischen Finanzinvestor Pamplona einen neuen Eigentümer gefunden. In der Nacht zum Freitag seien die Verträge für den Verkauf an Pamplona Capital Management unterzeichnet worden, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters des Leverkusener Unternehmens.

Der Investor habe zugesichert, alle Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland zu erhalten. Pamplona wurde 2005 vom früheren Chef der russischen Alfa-Bank, Knaster, in London gegründet. Wichtigster Geldgeber ist die russische Finanz- und Industriegruppe Alfa. In Deutschland ist der Investor am Lkw-Zulieferer SAF-Holland und am Schmuckhersteller Amor beteiligt. Neben dem Finanzinvestor beteiligt sich auch das bisherige Management an dem Zulieferer.

Der Bremsbeläge-Hersteller aus Leverkusen war im Dezember 2008 als erster großer Zulieferer in die Insolvenz gegangen. Unternehmenschef Derek Whitworth hatte den „Einbruch in der Autoindustrie“ sowie „den Rückzug der Kreditversicherer“ als Ursachen ausgemacht. TMD-Insolvenzverwalter Kebekus hatte erst Anfang März das Insolvenzverfahren für den nach Federal Mogul weltweit zweitgrößten Hersteller von Bremsbelägen eröffnet.

Der heutige Tag markiere das Ende einer Zeit voller Unsicherheit“, sagte TMD Friction-Chef Derek Whitworth. „Wir sind entschlossen, die führende Marktposition von TMD Friction weiter zu festigen.“ Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. In Branchenkreisen war zuvor jedoch von einer Summe um 100 Mio. Euro gesprochen worden.

Die Krise der Autoindustrie hatte zuletzt zahlreiche Zulieferer in Schwierigkeiten gebracht und neben TMD Friction auch Edscha, Tedrive und Stankiewicz in die Insolvenz getrieben. Unternehmensberater sehen allerdings noch kein Ende der Zuliefererpleiten. Eine Studie der Beraterfirma Roland Berger geht davon aus, dass etwa 300 Firmen in Europa, Asien und den USA von der Insolvenz bedroht sind. In den vergangenen Monaten gab es allein in Deutschland mehr als 20 Insolvenzanträge von Zulieferern. Dass TMD Friction rasch einen neuen Investor gefunden hat, gilt Experten als Hoffnungsschimmer für die Branche und als Zeichen, dass eine Insolvenz keineswegs das Ende für ein Unternehmen bedeuten muss.

TMD Friction liefert Bremsbeläge für fast alle Autohersteller. Haupteigentümer war bisher eine Gruppe von Hedge-Fonds, die nun allerdings weitgehend leer ausgehen soll. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 4500 Menschen, 2000 davon in Deutschland. Neben dem Hauptwerk in Leverkusen fertigt TMD in Essen, Hamm und Coswig. Der Umsatz betrug 2007 noch rund 690 Mio. Euro, zu den Erträgen liegen keine Angaben vor.

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